Die Bundesliga macht Pause, lieferte in der Hinrunde aber viele Geschichten. Ex-Manager Horst Heldt spricht bei Sky über den 1. FC Köln und die Entlassung von Steffen Baumgart und zudem unter anderem über Bayer Leverkusen, den FC Bayern, die Lage beim BVB und den VfB Stuttgart
Horst Heldt ...
... über Leverkusens Entscheidung für Xabi Alonso als Trainer
Ich muss zugeben, dass ich am Anfang skeptisch war. Wegen seiner wenigen Erfahrung. Deswegen fand ich das gewagt. Aber da muss ich jetzt zwei Schritte zurückgehen und sagen: Chapeau! Ich hätte das damals nicht gewagt. Man muss feststellen, dass der Plan aufgegangen ist.
... über Xabi Alonso als Trainer
Alonsos Aura ist bezeichnend. Diese Aura, die er an der Seitenlinie versprüht. Er hat immer das richtige Händchen, hat immer Autorität. Alle Spieler schauen zu ihm hoch, weil er auch viel vorweisen kann aus seiner Karriere. Jetzt hat Leverkusen einen Trainer, der alles gewonnen hat, der viel erzählen kann. Die Spieler lesen ihm alles von den Lippen ab. Wenn ich ihm zuschaue, spüre ich durch den Fernseher diese gewisse Aura.
... über Leverkusens Chancen auf die Meisterschaft
Wir haben natürlich noch das spannende Thema Afrika Cup. Aber Leverkusen wirkt momentan so gefestigt. Sie haben gezeigt, dass der zweite Anzug auch standhält. Wir haben noch eine Wintertransferperiode vor uns. Ich glaube, dass sie es aus eigener Kraft schaffen können. Dieses eine Mal. Du merkst, dass die richtig gierig sind. Jeder hat seine Position gefunden und ist bereit, alles zu geben, sodass das auch wirklich klappen könnte.
... über Stuttgarts Denniz Undav
Er setzt der Mannschaft Leitplanken, die aber so groß sind, dass die Mannschaft agieren kann. Das lässt viele Optionen. Das passt wie die Faust aufs Auge.
... über den FC Bayern
Sie sind ausgeschieden im DFB-Pokal. Das darf ihnen nicht passieren. Selbst wenn sie nur 13 gute Spieler haben. Auch dann nicht. Aber sie sind in der Liga dabei, sie sind in der Champions League durchmarschiert. Deswegen ist es ein gutes erstes halbes Jahr gewesen vom FC Bayern.
... mit Ursachenforschung zur Inkonstanz von Borussia Dortmund
Wenn man kurzfristig zurückblickt, ist die verlorene Meisterschaft, die sie am Ende selbst aus der Hand gegeben haben, nicht wirklich aufgearbeitet worden. Und das trägt sich jetzt durch die Saison. Sie haben die Qualität in vielen Spielen zu punkten. Siehe Champions League, wo sie durchmarschiert sind. In der Liga sind sie hinter ihren Ansprüchen. Das ist ein Thema, das sie schon die letzten Jahre begleitet hat.
... über die Leistung des BVB
Es ist einfach nicht konstant. Es ist immer schwankend. Du weißt vor dem Spiel nicht, was sie heute abliefern. Auch in einem Spiel waren die ersten 30 Minuten vielleicht gut und dann kann die Leistung sofort wieder abfallen. Und andersrum. Dass sie das nicht in den Griff kriegen, ist ein Dilemma.
... über fehlende Identität beim BVB
Ein erster Ansatz wäre über eine Vereinsphilosophie nachzudenken und sich dabei an den Besten zu orientieren. Bei Real Madrid sind die Trikots besonders weiß, beim FC Bayern ist man verpflichtet zu gewinnen. Bei Dortmund… ich stelle es in Frage. Da fehlt so ein bisschen die DNA.
... über Bo Svensson, Urs Fischer und Steffen Baumgart
In den drei Fällen glaube ich, dass es tatsächlich einvernehmliche Trennungen waren. In allen drei Fällen haben die jeweiligen Trainer viel Erfolg erlebt, das schweißt zusammen. Das kostet auch extrem viel Kraft. Und irgendwann kann es auch sein, dass man ausgelaugt ist. Dann kann es auch zur Erkenntnis kommen: Da muss Veränderung her. Und die kann man auch zusammen haben.
... über die Trennung von Steffen Baumgart und dem 1. FC Köln
Natürlich hat es der Verein verpasst, mit Steffen eine Ära zu prägen. Eine einmalige Chance, gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Das eine sind die Sätze und das andere, wie man das tatsächlich lebt. Da gehört es dann auch dazu, dass man eventuell mit dem Trainer in die 2. Liga geht. Steffen hat den Verein aufgeweckt, er hat unfassbares geleistet.
... über die Führungsetage vom 1. FC Köln und die Vereinsphilosophie
Sie sind sehenden Auges in diese Situation reingelaufen. Das hängt aber auch ein bisschen mit der Vereinsphilosophie zusammen. Es gibt operative Verantwortung von Geschäftsführern, aber die kriegen natürlich auch was vorgegeben. Die haben Richtlinien. Es beginnt alles mit einer Vereinsphilosophie, wie man agieren möchte. Wenn das die Konsequenz hat, dass die Mannschaft immer schwächer wird, man nicht mehr konkurrenzfähig ist, dann muss man sich fragen: Sind wir noch auf dem richtigen Weg?
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