Vor dem Kellerduell zwischen dem 1. FC Köln und Hertha BSC stehen die Trainer Markus Gisdol und Bruno Labbadia extrem unter Druck. Auch wenn die Verantwortlichen es nicht sagen oder gerne hören, kommt die Partie einem Endspiel gleich. Zumindest für einen der beiden Coaches.
Horst Heldt und Michael Preetz gaben sich zwar alle Mühe, die Brisanz herauszunehmen. Überzeugend wirkten die Worte der beiden Manager allerdings nicht.
Die Partie am Samstag (ab 15.30 Uhr live auf Sky Sport Bundesliga) sei kein "Endspiel" für Trainer Gisdol, wiegelte Heldt am Donnerstag auf der Pressekonferenz ab. Sein Berliner Pendant Preetz betonte, es sei "eminent wichtig", in Köln als Einheit aufzutreten. Doch auch das klang harmloser als die Situation vor dem Krisenduell ist.
Niederlage kann das Aus bedeuten
Denn eine Niederlage könnte zumindest für einen der beiden Trainer das Aus bedeuten.
Vor allem in Köln ist die Lage ernst. Nur elf Punkte aus 15 Spielen hat Gisdols Mannschaft geholt, das neue Jahre begann mit einer 0:1-Heimniederlage gegen Augsburg, es folgte eine 0:5-Klatsche in Freiburg.
Das 0:0 in Leipzig kurz vor Weihnachten hatte Hoffnungen auf einen Aufschwung geweckt, doch der Auftritt in Freiburg glich einem Offenbarungseid. Und sorgte dafür, dass der Trainer um seinen Job bangen muss.
"Die Lage für Gisdol ist ungemütlich"
"Die Lage für Markus Gisdol ist jetzt schon ungemütlich", sagt Peter Neururer, selbst zwischen April 1996 und September 1997 FC-Trainer, bei skysport.de.
"Heldt hat nach dem Freiburg-Spiel deutliche Worte gefunden, ich nehme an, dass Hertha ein Endspiel ist und dass Gisdol es auch weiß", meint Sky Reporter Christopher Lymberopoulos.
Gisdol hatte die Pleite zwar anschließend auf seine Kappe genommen, doch um sich Luft zu verschaffen, ist er auf die Unterstützung der Mannschaft angewiesen.
Heimschwäche und Sturmflaute
"Jeder Einzelne weiß, was die Stunde geschlagen hat", nimmt Heldt auch die Spieler in die Pflicht. Gegen Hertha ist Wiedergutmachung angesagt, doch das Fehlen der Fans im Stadion scheint den Rheinländern mehr zu schaffen zu machen als anderen Vereinen.
Seit 13 Heimspielen ist der FC in Müngersdorf schon ohne Sieg. Dazu kommen die Probleme im Angriff. Seit vier Ligaspielen sind die Kölner ohne Torerfolg,
Versäumnisse vor der Saison
Für Neururer kommt die missliche Lage der Kölner nicht überraschend. "Einige Situationen wurden verkannt. Die Kölner haben gemeint, dass sie sich mit Ondrej Duda und zwei, drei weiteren Spielern gut verstärkt hätten. Dabei haben sie außer Acht gelassen, dass der Sturm sehr dünn besetzt ist", analysiert der 65-Jährige.
Duda sei ein hervorragender Fußballer, benötige aber ganz vorne auch einen Abnehmer für seine Zuspiele. "Anthony Modeste befindet sich in einem Formtief, Simon Terodde und Jhon Cordoba sind abgegeben worden. Die Entwicklung ist bedenklich", findet Neururer.
"Hertha ist weit entfernt von den eigenen Ansprüchen"
Nicht viel besser ist die Situation beim Gegner. Nur einen Sieg aus den letzten fünf Spielen holte Labbadia mit seiner Mannschaft, am vergangenen Wochenende setzte es bei Aufsteiger Bielefeld eine 0:1-Niederlage.
Platz zwölf mit nur 16 Punkten ist nicht das, was sich die Berliner vor der Saison vorgestellt hatten.
"Hertha ist weit entfernt von den eigenen Ansprüchen und droht mit einer Niederlage in Köln in Abstiegsgefahr zu rutschen", stellt Neururer fest.
Kader auf Kante genäht
Die Mannschaft sei schon vor der vergangenen Saison "mit dem klaren Ziel zusammengestellt worden, endlich wieder europäisch zu spielen", erklärt der Fußball-Lehrer, der 1991 seinen ersten Job als Bundesligatrainer bei Hertha hatte: "Dann hat Jürgen Klinsmann noch ein paar eigenartige Sprüche in der Öffentlichkeit rausgelassen und daran wird Bruno Labbadia jetzt leider beurteilt."
Wie in Köln ist auch in Berlin die Lage falsch eingeschätzt. Der Kader ist auf Kante genäht, verletzte Leistungsträger können nicht gleichwertig ersetzt werden. Die Verantwortung dafür trägt Michael Preetz.
(Noch) kein Ultimatum für Labbadia
Der Geschäftsführer Sport sprach dem Coach nach der Pleite in Bielefeld das Vertrauen aus, sagte der Sport Bild, er sei "total von Labbadia überzeugt".
"Es gibt (noch) kein Ultimatum für Labbadia. Man versucht, mit ihm die Wende zu schaffen", sagt Sky Reporter Hannes Jakobi. "Preetz hat Labbadia ja selbst installiert und auch der neue Vorstandschef Carsten Schmidt will nicht direkt einen Trainer rauswerfen und das Ganze nach Außen kommunizieren müssen", meint der Hertha-Experte.
Außer es setzt ein 0:5 wie im letzten Heimspiel gegen Köln in der vergangenen Saison, richten die Hertha-Bossen den Blick über das Spiel am Samstag hinaus. "Nach Köln geht es gegen Bremen und Hoffenheim. Wenn man alle diese Spiele verliert oder nur eins gewinnt, muss man sich überlegen, ob Labbadia noch der richtige Trainer ist."