Die Auftritte der deutschen U21-Nationalmannschaft sind ein Spiegelbild des fußballerischen Status quo des DFB im Männerbereich. Einzig die U17 bildet eine Ausnahme.
Wer nach den jüngsten Auftritten der A-Nationalmannschaft glaubte, mit Blick auf die Heim-EM im kommenden Jahr auf den direkten Unterbau setzen zu können, wurde in Georgien eines Besseren belehrt.
Nur ein Punkt aus zwei Spielen
Lediglich einen Punkt generierte das Team von Antonio Di Salvo zunächst aus zwei Spielen gegen die vermeintlich schwächsten Mannschaften des Turniers - zumindest, wenn man die Marktwerte in den Fokus rückt. Anschließend mühten sich die Beteiligten, auf die statistische Überlegenheit hinzuweisen. Doch Ballbesitz, Flanken- und Abschlussanzahl sind wertlos, wenn sich Effizienz und Restverteidigung auf ungenügendem Niveau befinden.
Im abschließenden Gruppenspiel gegen England wurde dann endgültig deutlich, dass die aktuelle U21-Generation - auch wegen einiger Ausfälle und A-Nationalmannschaftsabstellungen - bei weitem nicht zur Spitze des europäischen Fußballs gehört. Die Briten, bereits als Gruppensieger feststehend, spielten die deutsche Abwehr schwindelig - und das mit einer halben B-Elf. Dass die Mannschaft um den einzigen Lichtblick Angelo Stiller selbst vermehrt zu Chancen kam, diese aber einmal mehr kläglich vergab, ist auch der englischen Lustlosigkeit in der Arbeit gegen den Ball zuzuschreiben.
Die Fußstapfen von Stefan Kuntz sind groß
Auch das Trainerteam um Trainer Antonio Di Salvo kann von der Kritik nicht ausgenommen werden. Scheiterte in den ersten beiden Spielen der Versuch, mit Denis Huseinbasic' Spielstärke auf die linke Offensivseite zu bekommen, ging gegen England die Abwehrumstellung mit Marton Dardai in der Innenverteidigung und Henning Matriciani auf der Linksverteidigerposition völlig schief. Di Salvo ist eher der nüchterne Analytiker. Die Fußstapfen seines Vorgängers mit Entertainerqualitäten, Stefan Kuntz, sind groß, wie ihm deutlich anzumerken ist.
Und trotzdem: Die nüchterne Feststellung lautet, dass Deutschland den Anschluss verloren hat. England und Frankreich sind enteilt. Aber auch Spanien beispielsweise arbeitet aus dem Pool seiner Spieler wesentlich mehr Talente heraus, als es der DFB aktuell tut.
Änderungen kommen für Heim-EM zu spät
Dem will der Verband mit einer Wettbewerbsreform entgegenwirken. Die Struktur des Ligabetriebs auf U17- und U19-Vereinsebene wird völlig verändert. Qualifikation, Vor- und Hauptrunde, aber auch mehr K.o.-Spiele: Auf der einen Seite soll vermieden werden, dass kleinere Teams aufgrund des Erfolgsdrucks destruktive Spielweisen an den Tag legen, auf der anderen Seite soll der Druck im Wettbewerb für die Spieler selbst erhöht werden. Zudem will der DFB verhindern, dass der Nachwuchs weiter mit Taktikschulungen überfrachtet wird.
Es ist richtig, dass der größte Sportverband der Welt die vorhandenen Strukturen aufbricht. Für die Heim-EM kommt dies aber augenscheinlich zu spät. Die U17-Europameister sind zu jung, die nachfolgenden Generationen bis auf individuelle Ausnahmen nicht gut genug. Nicht nur die A-Nationalmannschaft und die U21 enttäuschen aktuell auf ganzer Linie. Die U19 hat sich beispielsweise nicht einmal für die Europameisterschaft qualifiziert. Deutschland ist mit Blick auf die kurzfristige Zukunft im europäischen Mittelmaß angekommen.
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