Der FC Schalke 04 hält nach der Niederlage gegen die TSG Hoffenheim überraschend weiter an Trainer Frank Kramer fest. Der Bundesliga-Rückkehrer geht ins Risiko und verliert wertvolle Zeit, meint Sky Redakteur Robin Schmidt.
Die schier endlose Sehnsucht nach Kontinuität auf Schalke, sie ist verständlich. Die hohe Fluktuation auf der Trainerbank ist eine der Hauptursachen für den brutalen Absturz des einstigen Dauergastes im Europapokal. Der neuen Führung um Sportvorstand Peter Knäbel und Sportdirektor Rouven Schröder ist das Bestreben in diesem Aspekt auch anzumerken. Überstürzte Entscheidungen aus einer Emotion heraus gehören der Vergangenheit an, jedoch ist die Politik der ruhigen Hand nicht gänzlich ohne Risiko.
In der umjubelten Aufstiegssaison hatten die Bosse trotz stetig wachsender Kritik lange Zeit an Dimitrios Grammozis festgehalten. Beinahe zu lange, denn für die letztlich geglückte Bundesliga-Rückkehr war eine außergewöhnliche Aufholjagd von Nöten. Diese werden die Knappen wohl auch in dieser Saison benötigen.
Kramer-Entlassung wäre nicht überraschend gewesen
Dass die Mission Klassenerhalt ein kompliziertes Unterfangen werden würde, zumal der Kader unter schwierigen finanziellen Bedingungen zusammengestellt werden musste, war der großen Mehrheit im Dunstkreis der Veltins-Arena bewusst. Das allein zeigten schon die Reaktionen der Fans nach schmerzhaften Niederlagen wie gegen Union Berlin (1:6) oder den FC Augsburg (2:3) trotz Überzahl, nach denen es aus der Nordkurve immer noch aufmunternden Applaus gab.
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Darunter haben sich nach den vergangenen Spielen gegen Leverkusen (0:4) und Hoffenheim (0:3) allerdings vermehrt "Kramer-raus"-Rufe gemischt. Der 50-jährige wird seit seiner Vorstellung mit großer Skepsis beäugt, die Kritiker fühlen sich von Spieltag zu Spieltag immer mehr in ihrem Misstrauen gegenüber dem Schwaben bestätigt und hatten am Samstag eigentlich die Erlösung in Form einer Vereinsmitteilung mit den branchenüblichen Plattitüden erwartet, dass sich der Klub von Kramer trennt.
STIMMT AB!
Angesichts der dürftigen Bilanz wäre das nicht verwunderlich gewesen. Nur ein Sieg aus zehn Bundesliga-Spielen, dazu der erstmalige Absturz auf einen direkten Abstiegsplatz. Schalke hat die meisten Gegentore kassiert (24), verteidigt oft zu naiv, leistet sich zu viele individuelle Fehler und offenbart im Spiel nach vorne große Probleme - mit Ausnahme der Partie gegen Hoffenheim. Dort zeigten sich die Gastgeber offensiv wie ausgewechselt, die über weite Strecken in dieser Saison praktizierten und einfallslos nach vorn geschlagenen Bälle waren nur selten zu sehen.
Zweifel innerhalb der Mannschaft gegenüber Kramer
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Florent Mollet und Alex Kral, die von Kramer wochenlang ignoriert wurden, das Schalker Spieler belebten und für spielerische Elemente sorgten. Erst mit dem Rücken zur Wand hat der Übungsleiter personelle und taktische Veränderungen vorgenommen. Zu spät, glaubten viele Beobachter, und wurden mit der verlängerten Bewährungsfrist für Kramer überrascht.
Auch wenn die Führungsriege aus dem Auftritt in der ersten Halbzeit neue Hoffnung zieht, so sind die Chancen auf einen Turnaround unter Kramer nicht wirklich gestiegen, zumal er nach Sky Infos innerhalb der Mannschaft nicht den uneingeschränkten Rückhalt genießt. Dazu kommt: Obwohl Schalke das Spielglück fehlte und die spielerische beste Leistung in dieser Saison zeigte, setzte es gegen Hoffenheim eine - auch in der Höhe - völlig verdiente Niederlage.
Schalke darf nicht aus finanziellen Gründen an Kramer festhalten
Die Aussichten auf eine erfolgreiche Revanche im DFB-Pokal sind daher gering - und dann? Das zweite "Endspiel" für Kramer könnte Schalke nicht nur Geld, sondern auch Punkte kosten. Ein neuer Trainer hätte am Dienstag nicht nur für einen kurzfristigen Effekt sorgen, sondern auch schon wertvolle Erkenntnisse für das so wichtige Auswärtsspiel bei Hertha BSC sammeln können.
Natürlich gibt es keine Garantie, dass die Knappen ohne Kramer erfolgreicher spielen. Doch im Kampf um den Klassenerhalt darf der Verein keine Zeit verlieren und muss jede Option ausloten, auch wenn eine abermalige Trainerentlassung den finanziellen angeschlagenen Revierklub hart treffen würde.
Ein erneuter Abstieg wäre allerdings wirtschaftlich noch katastrophaler. Da darf auch die angestrebte Kontinuität nur eine untergeordnete Rolle spielen.
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