Die Rückspiele des Champions-League-Viertelfinals zwischen Manchester City und dem FC Liverpool sowie Real Madrid und Juventus Turin haben dem Thema "Videoassistent" neue Nahrung gegeben. Ein Kommentar von Sky Kommentator Martin Groß.
So kontrovers das Thema Videoassistent auch diskutiert wird, ich bin und bleibe ein Befürworter. Erst recht nach den Ereignissen rund um das Viertelfinale der Champions League. Es mutet skurril an, dass der Wettbewerb, der als Königsklasse bezeichnet wird, und in dem es neben sportlichem Ruhm vor allem Millionen von Euro zu verdienen oder eben zu verlieren gibt, immer noch auf den Videoassistenten verzichtet. Und das bis auf Weiteres. Denn noch im vergangenen Februar haben sich die Verantwortlichen der UEFA darauf verständigt, die technische Unterstützung für die Schiedsrichter auch in der kommenden Saison nicht einzuführen.
Wer gesehen hat, wie der FC Liverpool gegen Manchester City von zwei Abseitsentscheidungen profitiert hat und wie Juventus Turin durch einen höchst umstrittenen Elfmeter in Madrid ausschied, kann darüber eigentlich nur den Kopf schütteln. Ich hätte mir gewünscht, dass die entsprechenden Szenen überprüft und gegebenenfalls auch korrigiert worden wären. So wie es in der Bundesliga mittlerweile gehandhabt wird.
Ein Blick auf die Fernsehbilder hätte genügt!
Natürlich hat es nach der Einführung des Videoassistenten hierzulande völlig zu Recht Kritik gegeben. Und bis heute sind nicht alle Fragen vom Tisch. Stellvertretend seien hier nur die Diskussionen um die kalibrierte Abseitslinie und den zu großen Interpretationsspielraum bei nahezu identischen Szenen genannt. Die Technik muss weiter verbessert und die Anwendung klarer definiert werden. Aber im Falle des vermeintlichen 2:0 von Manchester City gegen Liverpool hätte schon jetzt ein Blick auf die Fernsehbilder genügt, um die Fehlentscheidung des Schiedsrichters zu korrigieren.
Stattdessen lässt die UEFA den Videoassistenten auf Kontinentalebene erst mal in der Schublade, während er in einigen Mitgliedsländern (u.a. Deutschland, Niederlande, Portugal) und nicht zuletzt ja auch bei der bevorstehenden WM-Endrunde in Russland von der FIFA angewendet wird.
Gerechtigkeit im Fußball steht offenbar nicht im Fokus
All das erinnert mich an 2009. Der damalige UEFA-Präsident Michel Platini sperrte sich seinerzeit vehement gegen die von der FIFA befürwortete Einführung der Torlinientechnologie. Stattdessen wurden die sogenannten Torrichter installiert und Platini positionierte sich so bewusst gegen FIFA-Chef Josef Blatter. Vom gegenwärtigen UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin nimmt man diesbezüglich eher wenig wahr. Es mutet aber schon merkwürdig an, dass die FIFA den Videoassistenten nun wieder nutzen wird, während die UEFA abwinkt und sich darauf zurückzieht, die Schiedsrichter diesbezüglich erst einmal gründlich schulen zu müssen. Da kann einem der Verdacht kommen, dass die Verantwortlichen im Führungszirkel sich über ganz andere Dinge Gedanken machen, als um mehr Gerechtigkeit im Fußball.
Darüber rege ich mich auf. Im Gegensatz zu Pep Guardiola und Gianluigi Buffon aber ohne Rot zu sehen.