WM 2022: DFB-Team gegen Spanien vor Aufstellungs-Rätsel im Sturm

Gegen Spanien geht's um alles! Auf wen vertraut Flick im Sturm?

Von Andreas Kloo

Kai Havertz spielt gerne auf der Neun für Deutschland und ist genervt über die Diskussionen darüber.

Nach den folgenschweren Defensivpatzern gegen Japan drehte sich die Diskussion von Experten und Fans vor allem um die deutsche Abwehr. Doch ein anderer Mannschaftsteil wird am Sonntag gegen Spanien (20 Uhr) mindestens genauso wichtig sein: der Angriff.

Unklar ist allerdings noch, wer im Endspiel ums Achtelfinale in der Sturmspitze auflaufen wird. Kai Havertz konnte dieses Geheimnis auf der DFB-Pressekonferenz am Donnerstag nicht lüften.

"Die Positionsfrage nervt mich mittlerweile echt", sagte der 23-Jährige auf Sky Nachfrage zu seiner Lieblingsposition.

Doch die Frage nach dem bevorzugten Mittelstürmer gegen Spanien muss gestellt werden. Und Bundestrainer Hansi Flick muss die richtige Antwort darauf finden, um am Sonntag das vorzeitige WM-Aus abzuwenden. (So fliegt Deutschland schon am Sonntag raus).

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Problem Chancenverwertung

Glaubt man der Datenanalyse, kann das DFB-Team auf alle Fälle mit den spanischen Offensivwirblern mithalten. Spaniens 3,5 Expected Goals gegen Costa Rica stehen 3,1 deutsche xGoals gegen Japan gegenüber.

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Heißt: Die DFB-Angreifer müssen ihre Chancen am Sonntag besser nutzen als bei der 1:2-Auftaktniederlage. Gegen Japan spielte Havertz im Sturmzentrum und war weitgehend abgemeldet. Der Chelsea-Angreifer erhielt die Sky Note 5.

ZUM DURCHKLICKEN: Die Sky-Noten gegen Japan

MANUEL NEUER: Lange Zeit kaum gefordert. Dann war der Keeper da, als Ito auf einmal vor ihm auftauchte und er mit einem starken Reflex den Ausgleich verhinderte. Beim ersten Gegentor machtlos, beim zweiten Treffer etwas unglücklich. Note: 3
DAVID RAUM: Holte mit einem seiner vielen Vorstöße den Elfmeter zum 1:0 heraus und war offensiv präsent (31.). Defensiv in der zweiten Hälfte aber wieder mit bekannten Schwächen, baute auch im Spiel nach vorne ab. Note: 4
NICO SCHLOTTERBECK: Die Überraschung in der deutschen Abwehrreihe. Zuletzt mit einigen Wacklern - und die stellte er auch gegen Japan nicht ab. Hing beim Ausgleich mit drin und ließ sich vorm 1:2 böse von Asano abkochen (83.). Note: 5
ANTONIO RÜDIGER: Direkt in der Startelf nach drei Wochen Verletzungspause. Hatte lange Zeit alles im Griff - dann kam die Schlussviertelstunde. Auch Rüdiger hing beim Ausgleich mit drin. Note: 3
NIKLAS SÜLE: Plötzlich auch bei Flick als Rechtsverteidiger gefragt. Beim BVB musste er da in den letzten Wochen aus der Not aushelfen und machte seine Sache gut - im DFB-Trikot lange Zeit auch, vorm 1:1 machte er aber keine gute Figur. Note: 4
JOSHUA KIMMICH: Der Taktgeber der deutschen Mannschaft blieb über weite Strecken blass. Ganz stark sein Pass auf Raum, der in der Aktion den Elfer zog. Schaffte es aber nicht, das Spiel zu ordnen und defensiv zu stabilisieren. Note: 4
ILKAY GÜNDOGAN: Hatte Glück, dass Japans Tor nach seinem Ballverlust nicht zählte (8.). Steigerte sich, verwandelte den Elfer zum 1:0 (33.). Hätte in der zweiten Hälfte für die Vorentscheidung sorgen müssen. Note: 4
JAMAL MUSIALA: Von "Magic Musiala“ war gegen Japan keine Spur. Zwar ließ der Youngster seine Klasse hin und wieder aufblitzen, insgesamt verlieh er der Mannschaft aber zu wenig Impulse. Muss sich im Turnierverlauf steigern. Note: 4
SERGE GNABRY: Hatte Probleme ins Spiel zu finden, viel ging nicht über seine Seite. Steigerte sich im Laufe der ersten Hälfte, hatte in Minute 70 die Chance auf das 2:0, doch vergab. Danach nahm das Unheil seinen Lauf. Note: 5
THOMAS MÜLLER: Zum ersten Mal seit Ende September wieder von Beginn an auf dem Platz. Noch entfernt von der Topform, das merkte man ihm an. Dennoch war er mit seinen Pässen und Laufwegen wichtig. Als er raus war, kippte das Spiel. Note: 4
KAI HAVERTZ: : Hatte seine auffälligste Szene, als er nach Gnabry-Vorarbeit einschob - dabei allerdings im Abseits stand. Ansonsten kaum ein Faktor im deutschen Offensivspiel. So ist er dem Team keine Hilfe. Note: 5
LEON GORETZKA (ab 67.): Verlor das Startplatz-Duell gegen Gündogan. Die Enttäuschung war ihm anzumerken, der Bayern-Profi war weit entfernt von seinem Top-Level. Note: 4
JONAS HOFMANN (ab. 67.): Kam für Müller ins Spiel und hatte mit Gnabry eine Doppelchance aufs 2:0. Doch auch er scheiterte. Konnte nach dem Doppelschlag der Japaner keine Akzente mehr setzen. Note: 4
MARIO GÖTZE; NICLAS FÜLLKRUG; YOUSSOUFA MOUKOKO: Kamen zu spät für eine Benotung.

Auch Havertz selbst war mit seiner Leistung nicht zufrieden. Er sei "nicht zu 100 Prozent ins Spiel integriert" gewesen, sagte der frühere Leverkusener selbstkritisch. "Als Stürmer hast du die Verpflichtung, Tore zu schießen, das habe ich gegen Japan nicht geschafft", fügte er hinzu.

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Trotzdem erklärte er sich bereit, wieder in vorderster Front aufzulaufen: "Ich mag die Nummer Neun-Position, ich spiele da gerne, es macht Spaß."

Kai Havertz hat Bundestrainer Hansi Flick bezüglich des Vorwurfs verteidigt, dass dieser zu nett sei.

Allerdings ist es fraglich, ob Flick Havertz noch einmal das Vertrauen als Mittelstürmer schenkt. Auch wenn dessen Quote als vorderster Angreifer im DFB-Dress ordentlich ist. Vier Mal kam er in der Nationalelf auf dieser Position zum Einsatz und erzielte dabei immerhin drei Treffer (Quelle: Opta).

Aber der Bundestrainer hat mehrere personelle Alternativen in der Hinterhand.

Thomas Müller:

Nach Sky Informationen war der Bayern-Star schon gegen Japan als vorderster Angreifer vorgesehen. Dann fiel Leroy Sane aus und Flick beorderte Müller zurück ins Mittelfeld.

Sane könnte nach überstandenen Knieproblemen gegen Spanien möglicherweise wieder in die Startelf rücken und der Bundestrainer auf seinen ursprünglichen Plan zurückgreifen.

Ein Plan, der bei der WM 2014 von Erfolg gekrönt war. Auch damals lief Müller in mehreren Spielen als Neuner auf und erzielte dabei vier seiner fünf Turniertore, unter anderem einen Dreierpack gegen Portugal.

Insgesamt spielte der 33-Jährige in der Nationalmannschaft 14-mal im Sturmzentrum, neun Treffer gelangen Müller auf dieser Position. Beim FC Bayern erzielte er zwei seiner drei Saisontore als zentraler Angreifer.

Julian Brandt hofft gegen Spanien auf eine bessere Chancenverwertung.

Die Erfahrung von 119 Länderspielen spricht klar für den Oberbayern. Gegen ihn sprechen dessen jüngste Verletzungssorgen. In den vergangenen Wochen quälte sich Müller neben einer Corona-Infektion ständig mit körperlichen Problemen. So bestehen leichte Zweifel, ob er topfit ist.

Serge Gnabry:

Unter Flicks Vorgänger Joachim Löw kam Gnabry öfter als Mittelstürmer zum Einsatz. Sieben Tore erzielte er auf dieser Position im Länderspieljahr 2019.

Laut eigener Aussage fühlt sich der 27-Jährige zwar auf Außen oder hinter den Spitzen wohler. Treffsicher war er aber zuletzt. In den vergangenen sechs Bundesliga-Spielen gelangen ihm sechs Tore.

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Niclas Füllkrug:

Nach den aktuellen Eindrücken aus dem DFB-Team ist davon auszugehen, dass Füllkrug gegen Spanien nur als Joker zum Einsatz kommt. Füllkrugs Manko liegt auf der Hand: seine fehlende internationale Erfahrung. Gegen Japan absolvierte der Bremer Angreifer sein erst zweites Länderspiel. Allerdings würde der 29-Jährige dem deutschen Angriff gegen die langen spanischen langen Innenverteidiger Rodri (1,91 Meter) und Laporte (1,89 Meter) mehr Körperlichkeit verleihen.

Eine Eigenschaft, die beispielsweise Havertz ein wenig fehlt. Gegen Japan gewann der einstige Champions-League-Siegtorschütze nur 31 Prozent seiner Zweikämpfe.

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Youssoufa Moukoko:

Im Testspiel gegen den Oman hatte Flick den BVB-Youngster von Beginn an gebracht. Bei seinem Länderspiel-Debüt fehlte Moukoko jedoch die Bindung zum Spiel.

Gegen Japan knackte der 18-Jährige den Rekord als jüngster deutscher WM-Spieler aller Zeiten. Vielleicht wäre gerade Moukokos Unbekümmertheit in der aktuellen Drucksituation, in der sich das DFB-Team befindet, ein Vorteil.

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