Nach dem schlechten Abschneiden der deutschen Handballer bei der Europameisterschaft steht vor allem Bundestrainer Christian Prokop in der Kritik. Für die Trainerlegende Heiner Brand ist allerdings nicht Prokop das Problem, vielmehr sieht er die Schuld beim Deutschen Handballbund (DHB).
"Da muss man auch über die Grundstruktur ein klein wenig nachdenken - wie man aufgestellt ist. Wenn man einen so jungen Trainer aus seinem Vertrag rauskauft, dann wird Druck erzeugt, der Trainer wird in der Kabine beeinflusst, indem der Vizepräsident dort auch anwesend ist", erklärte Brand beim des Ball des Sport gegenüber Sky.
Gemeint ist DHB-Vizepräsident Bob Hanning, der auch beim EM-Debakel in Kroatien in den Spielpausen in der Kabine gewesen sein soll. Brand hatte Hanning schon in der Vergangenheit mehrfach kritisiert und seinem einstigen Assistenten sogar eine "narzistische Persönlichkeitsausprägung" unterstellt.
Brand kritisiert fehlende Erfahrung
Auch bei Brands aktueller Kritik an den DHB dürfte explizit Hanning gemeint sein. Der Weltmeister-Trainer bemängelt, dass die Generation um Christian Schwarzer, Daniel Stephan, Markus Baur und Stefan Kretzschmar nicht ausreichend bei der Besetzung der Führungspositionen berücksichtigt wurde. "Im sportlichen Bereich sind wenige Leute eingebunden worden, die über die Erfahrung, die entsprechende Leistung und auch über die entsprechende Persönlichkeit verfügen", erklärt der 65-Jährige.
Will der Verband keinen starken Bundestrainer? Brand schlägt in diese Kerbe. "Ich denke, dass man nicht unbedingt starke Leute haben will, sondern Leute, die man auch führen kann", so Brand. Er fordert eine gründliche Analyse des frühen Scheiterns bei der EM. "Ich hoffe nicht, dass man sich gegenseitig schützt. Diese Gefahr besteht immer, wenn solche Funktionäre aufeinandertreffen."