Teil 1: Alexander Zverev und das schwierige Jahr 2019

Tiefpunkt Wimbledon & Aufschlagprobleme: Das schwierige Jahr von Alex Zverev

Von Paul Häuser

Image: Alexander Zverev hat ein schwieriges Jahr 2019 hinter sich.

Stress mit der Freundin, Stress mit dem Ex-Manager, Stress mit dem Supercoach und dann auch noch Stress beim zweiten Aufschlag. Klingt nach idealen Voraussetzungen um auf der ATP-Tour so richtig durchzustarten. Nicht. Alexander Zverev erlebte 2019 ein Jahr mit vielen und vielschichtigen Krisen.

Nicht wenige hatten nach dem Gewinn der World Tour Finals am Ende der letzten Saison dem großen Angriff von Zverev auf die Big Three erwartet. Doch davon war nichts zu erkennen, der Abstand zu Djokovic, Nadal und Federer war wieder gewachsen, einige Experten waren von Zverev besonders enttäuscht.

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Für Boris Becker waren Zverevs Leistungen auf Sand sogar "unter aller Sau". John McEnroe machte vor den US Open "ein mentales Problem" bei Zverev aus.

Offene Worte von Zverev

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Die deutsche Nummer eins lieferte in dieser Saison gleich mehrere Presserunden und Interviews mit bemerkenswerter Offenheit und tiefen Einblicken in seine Gefühlswelt.

In München bei den BMW Open sprach Zverev erstmals von der bislang schwierigsten Zeit in seiner noch so jungen Karriere. Er berichtete vom Beziehungsaus mit Freundin Olya Sharypova, gesundheitlichen Problemen bei Papa Alexander Senior mit Krankenhausaufenthalt und ständigen Telefonaten mit Anwälten aufgrund des Rechtsstreits mit Ex-Manager Patricio Apey.

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Es war ein hoch kompliziertes, hoch emotionales Jahr 2019 für Alexander Zverev. Die zahlreichen Tiefen, aber auch die Höhen der deutschen Nummer Eins in einer Tennissaison voller Geschichten.

Die vakante Manager-Position wurde lange nicht nachbesetzt, stattdessen übernahm Zverev selbst diese Aufgaben und verbrachte so viel zu viel Zeit am Telefon, anstatt sich nur auf das Sportliche zu konzentrieren.

Warum Zverev nicht schon damals bei Team 8, der Agentur von Roger Federer und Tony Godsick anheuerte und sich professionelle Unterstützung holte, bleibt fraglich.

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Tiefpunkt Wimbledon

Den Grand-Slam-Tiefpunkt gab es 2019 in Wimbledon. Das Aus in Runde eins gegen den Tschechen Jiri Vesely. Zverev schien sein Selbstvertrauen komplett eingebüßt zu haben, und sah die Schuld für die schwache Leistung bei Ex-Manager Apey. Dessen Nachrichten, kurz vor dem Wimbledon-Turnier, hätten ihn stark belastet.

Die Eskalation dieses Streits schien Zverev zu überfordern. Der Deutsche hatte etwas naiv darauf gehofft, sich mit Apey außergerichtlich einigen zu können.

Am Hamburger Rothenbaum schoss Zverev dann auch noch vor versammelten Journalisten gegen seinen Trainer Ivan Lendl. "Manchmal gehen wir auf den Tennisplatz, du trainierst zwei Stunden lang, und eine halbe Stunde davon steht er mit dem Rücken zu mir und erzählt, wie er am Morgen davor Golf gespielt hat." Für die Medien war diese PK von Hamburg ein Genuss.

Image: Alexander Zverev zähle seinen Trainer Ivan Lendl am Hamburger Rothenbaum öffentlich an.

Zverev kann mit seiner offenen, direkten und sehr ehrlichen Art sich auszudrücken auch glänzen und die Massen mit seinem Charme begeistern. Doch in dieser Phase wirkte er schlecht oder gar nicht beraten, unreif und stillos.

Einen renommierten Coach wie Lendl öffentlich so anzuzählen ist ein No-Go im Tennis-Business. Der 22-Jährige bettelte quasi um die Kündigung durch Lendl. Die folgte prompt. Die Liaison mit Lendl hielt nicht mal ein Jahr.

Dabei war im März 2018 bereits die Zusammenarbeit mit Supercoach Juan Carlos Ferrero nach nur sieben Monaten mit einigen Misstönen in die Brüche gegangen.

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In der Branche gilt Zverev seitdem trotz all seiner herausragenden Anlagen als "spezieller Kandidat" für Trainer. Auch aufgrund der besonderen Konstellation mit Papa und Langzeitcoach Alexander Senior.

Der hatte sich von seinen gesundheitlichen Problemen erholt und war nun wieder der alte, neue starke Mann im Team Zverev.

Service-Yips - Probleme mit dem zweiten Aufschlag

Es schien als würde ein wenig Normalität in Zverevs Leben zurückkehren. Auch privat gab es ein Revival mit Freundin Olya.

Vor den US Open verkündete Zverev zudem seinen Wechsel zur Agentur Team 8, wie zuvor schon lange in der Szene gemunkelt wurde. Doch auf dem Platz hatte sich in dieser Zeit eine neue, gewaltige Baustelle aufgetan.

Zverev servierte im Sommer 2019 in seinen Matches im Schnitt bis zu zehn Doppelfehler. Dabei galt der Aufschlag bis dato immer als eine seiner größten Waffen. Und zwar nicht nur der erste, sondern auch der zweite Aufschlag. Diese Qualität wurde plötzlich zu Zverevs wundem Punkt. Service-Yips, Aufschlagtitis oder einfach nur der Flatterarm, es gibt viele Ausdrücke für dieses spezifische Problem und viele prominente Beispiele wie Anna Kournikova, Elena Dementieva, Sara Errani oder Guillermo Coria. Auch Boris Becker bestätigte, von dieser für die Tenniskarriere gefährlichen Doppelfehlerkrankheit für kurze Zeit befallen gewesen zu sein. Nun hatte es auch Zverev erwischt.

Den Tiefpunkt in dieser Geschichte gab es für Zverev in Cincinnati im Match gegen den Serben Miomir Kecmanovic mit zwanzig Doppelfehlern. Drei weniger als der Rekord von Guillermo Coria in einem Match über zwei Gewinnsätze. Darunter auch einige Aufschläge, die es gerade einmal in die Netzwurzel schafften. Völlig verunsichert durch die ständigen Wackler im eigenen Aufschlagspiel rutschte Zverev auch bei seiner Courtposition in den Ballwechseln immer weiter nach hinten und wurde passiver.

Image: Abosluter Tiefpunkt für Alexander Zverev: Zwanzig Doppelfehler im Match gegen Miomir Kecmanovic in Cincinnati.

Bei den US Open ging es dann ein wenig bergauf. Doch im Achtelfinale gegen den Argentinier Diego Schwartzman scheiterte Zverev vor allem an sich selbst und einem Rückfall mit 17 Doppelfehlern.

Die Qualifikation zu den World Tour Finals in London war zu diesem Zeitpunkt in großer Gefahr. Und das als Titelverteidiger. Für einen Spieler mit dem Anspruchsdenken wie Zverev es transportiert, ein Debakel.

Hier geht's zu Teil 2 über den Wendepunkt Laver Cup, die erneute Qualifikation für die ATP-Finals und dem Lernen aus dieser schwierigen Saison

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