Das deutsche Davis-Cup-Team ist im Halbfinale von Madrid klar gescheitert. Die russische Auswahl um Topstar Daniil Medvedev wurde ihrer Favoritenrolle gerecht.
Die mächtige Trophäe hatten die deutschen Davis-Cup-Spieler am Rande des Centre Courts schon im Blick, und doch blieb sie unerreichbar: Der Traum vom ersten Finaleinzug seit 28 Jahren ist jäh geplatzt, die sensationelle Reise der Auswahl des Deutschen Tennis Bundes (DTB) hat in Madrid ein bitteres Ende gefunden. Im Halbfinale war die russische Mannschaft um US-Open-Champion Daniil Medvedev deutlich zu stark.
Erst verlor Dominik Koepfer gegen den herausragend aufspielenden Weltranglistenfünften Andrej Rublew 4:6, 0:6. Im Anschluss gegen den sogar drei Plätze besser klassierten Medvedev hielt Jan-Lennard Struff zwar gut mit, musste sich aber doch 4:6, 4:6 geschlagen geben. Seinen Trumpf, das bisher bärenstarke und ungeschlagene Doppel aus Kevin Krawietz und Tim Pütz, konnte das deutsche Team damit gar nicht mehr ausspielen. Die Russen spielen hingegen am Sonntag gegen Kroatien um den Titel.
Rublev lässt Koepfer keine Chance
In der Rolle des Außenseiters hatte sich die Mannschaft von Kapitän Michael Kohlmann, die ohne den urlaubenden Weltklassespieler Alexander Zverev antrat, bei den Siegen gegen Serbien und Großbritannien schon sehr wohl gefühlt. Deshalb ging sie auch mit breiter Brust in die Matches gegen die Nummern zwei und fünf der Welt. "Halbfinale ist nicht das, was wir uns auf die Fahne geschrieben haben", sagte Kohlmann selbstbewusst: "Jetzt sind wir so nah dran. Wir sehen keinen Grund, warum wir uns damit zufrieden geben sollten."
Doch die Ambitionen erhielten direkt einen herben Dämpfer, weil Rublev gegen Koepfer einen wahren Sahnetag erwischte. Nach dem Break zum 2:1 habe dieser "so frei aufgespielt und mit seiner Vorhand draufgehämmert", erzählte Koepfer bei ServusTV: "Er war einfach zu aggressiv für mich, um ins Match reinzukommen." Der Russe spielte seine gewaltige Power stark aus und servierte hervorragend, schon nach 49 Minuten war das Match entschieden - und der Druck auf Struff immens.
Deutsche Leistung trotz Aus bemerkenswert
"Jetzt hoffen wir natürlich, dass Struffi im gleichen Tempo rumballern kann wie der Andrej", sagte Koepfer. Zweimal war der Warsteiner in diesem Turnier schon nach 0:1-Rückstand nervenstark geblieben, gegen Medvedev hatte er im Sommer in Halle/Westfalen sogar bereits gewonnen. Und auch am Samstag agierte er gegen den großen Favoriten aggressiv und mutig.
Mit seinem Serve-and-Volley-Spiel hielt er den Druck hoch. Da auch Medvedev in seinen Aufschlagspielen souverän war, blieb die Partie lange offen. Sobald sich bei Struff aber leichte Fehler einschlichen, packte der Weltranglistenzweite eiskalt zu, obwohl er von hartnäckigem Nasenbluten beeinträchtigt wurde. Mit dem Break zum 3:2 im zweiten Satz war Medvedev endgültig auf der Siegerstraße.
Die starke Leistung des deutschen Teams im Turnier schmälerte das Aus aber keineswegs, was auch DTB-Präsident Dietloff von Arnim klarmachte. "Die Stimmung in der Mannschaft war fantastisch. Die Mannschaft ist toll aufgetreten, hält zusammen", sagte er am Rande der Partie: "Deswegen ist es ein toller Erfolg für alle, dass sie ins Halbfinale gekommen sind."