Radprofi Biniam Girmay hat beim 105. Giro d'Italia den ersten Grand-Tour-Etappensieg für sein Heimatland Eritrea geholt und Geschichte geschrieben.
Der 22-Jährige vom Team Intermarche-Wanty-Gobert Materiaux gewann den Zielsprint des zehnten Teilstücks über 196 km von Pescara nach Jesi vor dem Niederländer Mathieu van der Poel (Alpecin-Fenix) und Vincenzo Albanese (Eolo-Kometa) aus Italien.
"Es ist unglaublich. Das Team hat super gearbeitet. Den ganzen Tag hatten wir die Kontrolle", sagte Girmay direkt nach seinem Sieg: "Ich habe keine Worte dafür, was meine Teamkollegen geleistet haben." Bei der Siegerehrung unterlief Girmay ein Missgeschick, nach Öffnen der Champagnerflasche traf den 22-Jährigen der Korken im Gesicht.
Zunächst feierte Girmay zwar weiter und versprühte den Champagner, rieb sich jedoch immer wieder das Auge. Kurz darauf wurde der 22-Jährige begleitet von Sanitätern zu einem Krankenwagen gebracht.
Buchmann bester Deutscher - Lopez behält Pink
Bester Deutscher war Emanuel Buchmann vom Team Bora-hansgrohe. Der Ravensburger kam mit der Spitzengruppe auf Platz 16 ins Ziel. Im Gesamtklassement gab es keine größeren Veränderungen. Das Rosa Trikot trägt weiterhin Juan Pedro Lopez vom Team Trek-Segafredo. Der Spanier hat zwölf Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Joao Almeida (Portugal/UAE Team Emirates). Buchmann liegt mit einem Rückstand von 1:09 Minute weiterhin auf dem neunten Platz. Etappensieger Lennard Kämna (Wedel/Bora-hansgrohe) fuhr als 112. über die Ziellinie und verlor in der Gesamtwertung erneut viel Zeit. Dort beträgt sein Rückstand als 19. bereits 8:34 Minuten.
Girmay hatte bereits Ende März als erster Afrikaner das Klassikerrennen Gent-Wevelgem gewonnen und so auf das gewaltige Potenzial Afrikas aufmerksam gemacht. Unter den rund 550 Profis in den 18 WorldTour-Teams finden sich zwar gerade einmal acht Afrikaner, vier davon weiße Südafrikaner, zudem drei Eritreer und ein Äthiopier. Dennoch ist der Trend unverkennbar.
Girmay will angreifen
In den kommenden Jahren wollen Girmay und Co. der mehrheitlich europäisch-südamerikanischen Konkurrenz auf Augenhöhe begegnen. Die Bedingungen speziell in Eritrea, wo die Liebe zum "ciclismo" der traurigen Zeit italienischer Kolonialherrschaft entstammt, ähneln jenen in Kolumbien, dem größten "Exporteur" von Toptalenten.
Auf der elften Etappe am Mittwoch dürften die Sprinter zum Zuge kommen. Das Profil des 203 km langen Teilstücks von Santarcangelo di Romagna nach Reggio Emilia ist nahezu flach, es stehen keine Bergwertungen an. Der Giro endet nach 3410 km am 29. Mai in Verona.