50. Verstappen-Pole! Neue Ära Red Bulls erleuchtet im Flutlicht von Singapur
Max Verstappen hat sich die Pole Position für den Großen Preis von Singapur gesichert. Für den Red-Bull-Piloten ist es die 50. Pole seiner Formel-1-Karriere und die erste in Singapur.
10.10.2026 | 23:05 Uhr
Nach dem Sprint-Sieg dominierte Verstappen auch das Qualifying. Gleichzeitig bestätigt Red Bull seine erstaunliche Rückkehr an die Spitze der Formel 1.
Sprint-Pole, Sprint-Sieg und obendrauf die Pole Position beim Großen Preis von Singapur: Max Verstappen dominiert das Rennwochenende im südostasischen Stadtstaat. Es ist seine erste Pole auf dem Marina Bay Circuit, schon eine eigene Schlagzeile, zudem die 50. seiner Karriere. Der vierfache Weltmeister steigt so in eine Riege mit Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Michael Schumacher und Ayrton Senna auf. Eine galaktische Leistung.
Doch die Geschichte des Tages ist nicht nur die des Max Verstappens: Es ist auch die von Red Bull, die sich zum Ende der Saison 2026 wie ein Phoenix aus der Asche nach ganz vorne gearbeitet haben. Bereits in Aserbaidschan begann diese Leistungsrenaissance, doch in Singapur scheint das Team aus Milton Keynes wieder fest dort zu sein, wo es sich am wohlsten fühlt: ganz oben.
Erfolgsgeschichte im Zeitraffer
Die letzten anderthalb Jahre waren eine Zerreißprobe für Red Bull. Die Saison 2025 wurde von den Skandalen um Christian Horner und seiner Entlassung überschattet, später verließ auch Berater Helmut Marko den Rennstall. Doch besonders der Abgang einer Menge Top-Personal im Hintergrund stellte die Weichen für die folgenden Probleme. Horner-Nachfolger Laurent Mekies übernahm ein Team im Umbruch.
Die Konsequenz für die jüngere Vergangenheit: Red Bull war ein Team auf dem Hinterfuß. Während Mercedes die erste Hälfte der Saison 2026 dominierte, war der RB22 kaum konkurrenzfähig, Siege außer Reichweite. Superstar Verstappen war mehr als enttäuscht, drohte gleich mehrfach mit seinem Rücktritt. Doch Red Bull fing sich. Mehr Podien, dann der langersehnte Sieg beim 16. Rennen des Jahres in Malaysia. Eine Erfolgsgeschichte im Zeitraffer.
Mintzlaff & Schumacher loben Mekies
"Er hat das Team in keiner einfachen Phase übernommen", bekräftigt auch Oliver Mintzlaff aus der Geschäftsführung des Red-Bull-Imperiums die Leistung von Mekies. Der ehemalige Fußballmanager lobte den Franzosen für die Fähigkeit, "dass er Leute empowern kann, dass er sie führen kann und geschlossen hinter sich bringt. Uns war es wichtig, dass wir, nachdem wir den Wechsel vollzogen hatten, wieder eine Einheit werden". Das ist gelungen.
Für Sky Sport F1 Experte Ralf Schumacher eine beachtliche Entwicklung. "Auch ich habe Pierre Wache oft kritisiert, Max Verstappen war lange unglücklich mit dem Auto. Aber jetzt hat er was gebaut mit seinem Team, was super funktioniert, auf ganz verschiedenen Rennstrecken", so der 51-Jährige über den technischen Direktor des Teams, der in die riesigen Fußstapfen des legendären Adrian Newey schreiten musste.
Loben müsse man dabei natürlich auch "Laurent Mekies, der alles zusammenhält und für diese Harmonie, im Team, mit den Fahrern sorgt", bewertete Schumacher weiter.
Horner polarisiert weiter
Auch Mercedes-Boss Toto Wolff zeigte sich nach dem Singapur-Qualifying am Sky Sport Mikrofon beeindruckt: "Da muss man den Hut ziehen, wie die immer wieder es schaffen, sich neu zu finden. [...] Vielleicht hat der Max den Sweet Spot vom Auto wieder gefunden, er ist eindeutig jetzt dominierend. Das Package ist das bessere, der Fahrer im Moment auch. Gut, dass wir noch einen so großen Vorsprung (in den Weltmeisterschaften, Anm. d. Red.) haben."
Der ehemalige Teamchef lässt allerdings noch nicht los. Polarisierende Auszüge aus der Autobiografie Horners seien "einfach die Unwahrheit", wie Schumacher moniert: "Ich find's einfach schade, dass er nach so einer tollen Karriere so viele Sachen aufbringt". Erneut sorge Horner für Unruhe im Umfeld von Red Bull. "Eine Biografie kann man schon machen, aber keine Abrechnung", so der Ex-F1-Pilot weiter, der zudem den Zeitpunkt der Veröffentlichung kritisiert. So erscheint das Buch am 22. Oktober, dem Todestag von Red-Bull-Gründer und F1-Pionier Dietrich Mateschitz. "Das finde ich ganz, ganz schlimm."
Auch die Fahrer ziehen an einem Strang
Wie die Leistung des Teams ist also auch die Stimmung intern ein Unterschied von Tag und Nacht im Vergleich zur Vergangenheit. Ein schönes Detail, das diesen Zusammenhalt weiter unterstrich, war eine Szene während des Qualifyings: Verstappen-Teamkollege Isack Hadjar, der zuvor mit einem Getriebeproblem aus der Sitzung ausschied, verfolgte die Leistung seines Superstar-Kollegen gemeinsam mit Reservefahrer Yuki Tsunoda in der Box Verstappens.
Der Doppel-Ausfall des Franzosen aus Sprintrennen und Qualifikation ist das einzige, wenn auch nicht kleine Manko an diesem Wochenende für Red Bull. "Es ist schwer zu akzeptieren. Aber wir sind gemeinsam dran und kämpfen morgen von hinten um Ergebnisse", erklärte Mekies.
"Gemeinsam". Die wiedergefundene Verbundenheit im Team ermöglicht diese neue Ära für Red Bull. Ganz ohne Christian Horner - und vielleicht mit dem zweiten Saisonsieg im Rennen von Singapur (ab 12:30 Uhr LIVE bei Sky Sport).
Mehr zum Autor Malte Göttlinger
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