Formel-1-Wochenende in China könnte mehr Action und engere Zweikämpfe bieten
Beim Saisonauftakt in Melbourne ging es drunter und drüber. Viele Überholmanöver, aber auch deutliche Kritik von den Fans begleiteten den Start in die F1-Saison 2026. Doch beim zweiten Grand Prix in China dürfte die Welt wieder anders aussehen.
12.03.2026 | 17:30 Uhr
Der Start in die Formel-1-Saison 2026 war mit Aufregung gespickt.
Das ist wohl kaum zu bestreiten: Ein packender Kampf um die Führung prägte die erste Phase des Rennens in Melbourne. Gleich mehrfach überholten sich Sieger George Russell und Ferrari-Pilot Charles Leclerc. Am Ende stand dennoch ein Mercedes-Doppelsieg - und viel Kritik von Fans in den Sozialen Medien, die das "neue" Racing in der Formel 1 für künstlich empfanden.
Die Befürchtungen sind nachvollziehbar. Eine Mercedes-Dominanz, so wie sie auch der ehemalige Red-Bull-Berater Helmut Marko für möglich hält, kennen viele Fans noch aus den Jahren 2014 bis 2020. Dazu die großen Veränderungen am Antrieb, die in Melbourne durch das nun unglaublich wichtige Energie-Management zu Überholmanövern mit bis zu 30 km/h Unterschied oder mehr führten.
Doch die "neue" Formel 1 entwickelt sich rapide weiter. Während die Autos beim nächsten Rennwochenende in China größtenteils noch auf demselben Stand wie beim Auftakt sein werden, verspricht das Rennen in Shanghai (ab Freitag LIVE bei Sky Sport) dennoch große Veränderungen. "Vom Show-Aspekt her ist das hier wahrscheinlich eher eine der schwierigeren Strecken, was dieses System betrifft, und trotzdem war das Rennen eigentlich okay. Jetzt schauen wir auf Shanghai, dort sollte es deutlich besser werden, und hoffentlich haben wir dort auch einen guten Entertainment-Faktor", prognostizierte Mercedes-Boss Toto Wolff nach dem Rennen in Australien.
Erster Sprint des Jahres in China
Das liegt an gleich zwei Faktoren. Der erste und offensichtlichste: Das Rennen in China markiert auch das erste Sprint-Wochenende des Jahres. Ergo müssen die Teams schon beim zweiten Grand Prix 2026 mit nur einer einzigen Trainings-Sitzung auskommen. 60 Minuten statt wie sonst drei Stunden, um das richtige Set-up für Qualifikationen, Sprint und Rennen zu finden.
In Anbetracht der neuen Komplexitäten durch die Reglement-Änderungen eine Herausforderung für alle. "Ich denke, es wird extrem wichtig sein, von Anfang an alles im Griff zu haben, was sehr schwierig sein wird", sagte Ferrari-Pilot Leclerc über das Wochenende in China. Vor dem soliden Rennen war die Qualifikation von Melbourne für die Scuderia nicht so verlaufen wie erhofft. Das Team aus Maranello hatte den SF-26 nicht ins Arbeitsfenster bekommen. Das Set-up passte nicht.
"Ein Sprintrennen so früh in einer Saison wie dieser wird also für alle eine große Herausforderung sein. Es wird sehr knifflig werden", erklärte der Monegasse weiter. "[China] wird anders sein. Wir werden das freie Training fahren, 20 Runden, und dann müssen wir uns für die Strategie für das Qualifying und den Rest entscheiden", schloss sich Teamchef Frederic Vasseur an, "das wird schwierig werden."
Andere Streckennatur kommt Reglement entgegen
Das Rennen in Shanghai kommt Ferrari jedoch auch entgegen. Die Italiener bringen möglicherweise mit dem in den Tests berühmt gewordenen Macarena-Flügel ein erstes Update mit. Zudem unterscheidet sich die Streckenführung gravierend von der in Australien: Der zweite Faktor für ein ganz anderes Rennwochenende.
So ist der Kurs von Shanghai weit weniger anspruchsvoll, was die Anforderungen an die Batterie betrifft. Betrachtet man die Vollgasanteile, belegt der Kurs lediglich Platz 19 von den 24 Strecken auf dem F1-Kalender. Ein starker Kontrast zum Albert Park in Melbourne, der hinter Monza den zweiten Platz belegt. In China gibt es mehr Bremszonen zum Aufladen der Batterien und weniger Geraden, auf denen diese entleert wird. Die 1,1 Kilometer lange Passage im letzten Sektor wird die sein, in der praktisch alle Fahrer ihre Batteriepower verwenden werden. Ein Vorteil für die neue Generation von F1-Boliden.
"Was den Energieeinsatz angeht, dürfte es ein viel unkomplizierteres Rennen werden", sagte Kimi Antonelli, der in Melbourne Zweiter wurde. "[Australien] war wahrscheinlich das härteste Rennen zum Saisonauftakt, weil es mit so vielen aufeinanderfolgenden Geraden einfach sehr energieaufwendig ist. Ich denke, es war eine wichtige Lernerfahrung für uns Fahrer und für das Team."
Ferrari, die besonders aufgrund des noch verbesserungswürdigen Energiemanagements hinter Mercedes lagen, darf also darauf hoffen, die Konkurrenz mit Stern erneut aus der Reserve locken zu können. Doch auch die weitere Konkurrenz lauert: Sowohl Red Bull, McLaren als auch das gesamte Mittelfeld möchten näher an die Spitze heranrücken. In dieser Ambition sind engere Zweikämpfe auf der Strecke inbegriffen.
Mehr zum Autor Malte Göttlinger
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