Mercedes wird beim GP von Barcelona von Ferrari geschlagen - Toto Wolff kündigt Konsequenzen an
Nach einem beeindruckenden Wochenende in Monaco muss Mercedes in Barcelona einen Rückschlag hinnehmen. Lewis Hamilton düpiert die Silberpfeile, Kimi Antonelli fällt aus. Teamchef Toto Wolff möchte nun Konsequenzen ziehen.
14.06.2026 | 19:30 Uhr
Sternstunden feierte das Mercedes-Team in der bisherigen Saison zu Hauf. Kimi Antonelli und George Russell trugen den Kampf um Rennsiege bislang untereinander aus. Doch in Barcelona sieht die Welt auf einmal ganz anders aus.
"Ich bin mit gar nichts zufrieden, über nichts heute", so das Fazit eines sichtlich genervten Toto Wolff am Mikrofon von Sky Sport. Nach dem dominanten Triumph Antonellis in Monaco musste sich Mercedes nun mit einem schweren Rückschlag zurechtfinden. Ferrari übertrumpfte mit Lewis Hamilton die bisherigen Dominatoren, Antonelli fiel nach einem erneuten Zweikampf gegen George Russell sogar mit einem Defekt aus.
Dabei war das Wochenende in Barcelona nicht unbedingt mit einer schlechten Ausgangslage für Mercedes gestartet. George Russell konnte im internen Duell mit WM-Leader Antonelli zurückschlagen und sicherte sich am Samstag die Pole Position. Doch überraschend zwängte sich der Ferrari von Hamilton zwischen die Silberpfeile, der Renner aus Maranello wurde in Katalonien von einem neuen, starken Upgrade-Paket beflügelt.
Furioser Ferrari degradiert Silberpfeile
Die Mercedes-Sorgenfalten wuchsen im Rennen zügig weiter. Antonelli, am Sonntag deutlich verbessert, und ein auf alternativer Strategie fahrender Hamilton hielten den in Führung liegenden Russell in Schach. Der Brite konnte sich nie wirklich lösen. Hamilton, auf einer aggressiven Drei-Stopp-Strategie unterwegs, profitierte schließlich von einem virtuellen Safety Car und ging nach seinem dritten Besuch in der Box in Führung. Beide Mercedes mussten dem Ferrari hinterherschauen, der auf frischeren Reifen immer kleiner am Horizont wurde. "Gestern war es für uns schon eine Überraschung. Und heute die Geschwindigkeit? Das war einfach krank, wie schnell er war", staunte Russell später.
Stattdessen waren der Brite und Antonelli miteinander beschäftigt. Der italienische Youngster war deutlich schneller als der britische Routinier, während sich von hinten der McLaren von Lando Norris näherte. Mehrfach forderte der WM-Führende sein Team indirekt dazu auf, ihn an Russell vorbei zu lotsen.
Doch eine Stallorder gab es nicht. In Runde 61 schnappte sich Antonelli endlich seinen Teamkollegen mit einem spektakulären Manöver - nur um eine gute Runde später auszurollen. "Das Auto hat mich einfach verlassen. Sie hat aufgegeben", so der 19-Jährige nach seinem Ausfall bei Sky Sport.
Wolff kritisiert Ausfall
"Wir haben das Team-Game gespielt und das hat uns am Ende vielleicht den Sieg gekostet", resümierte der selbstkritische Wolff später. Schwerer wog für ihn jedoch der teure Ausfall seines jungen Superstars kurz vor Rennende. "Das kann nicht passieren, wenn du um eine WM fährst", stellte der Mercedes-Boss klar.
In der Fahrerwertung hat sich Hamilton hinter Antonelli an die zweite Position gesetzt, vor allem aber schadet der Ausfall des Italieners Mercedes in der Teamwertung. Erneut konnte das Team nur ein Fahrzeug in die Punkte bringen, Ferrari rückt mit 72 Zählern Rückstand näher heran. Wäre Charles Leclerc nicht mit einem Ausfall der Servolenkung gestrandet, so wäre der Schaden für die Silberpfeile noch größer ausgefallen. Hamilton gab sich zunächst vorsichtig: "Wir nehmen die Punkte gerne mit, aber es ist noch ein langer Weg. Wir haben starke Konkurrenz, aber wir werden hart weiterarbeiten und wollen die Lücke schließen", so der Sieger nach dem Rennen.
Stallorder angekündigt - Antonelli als Nummer eins?
Auch der interne Kampf zwischen Antonelli und Russell war Teamchef Wolff ein Dorn im Auge. Eine Teamorder gab es in Barcelona zwar noch nicht - doch das wird sich in Zukunft wohl ändern. "Wir haben wahrscheinlich fünf oder sechs Sekunden verloren, als die beiden gefightet haben. Das ist etwas, wenn jetzt ein neuer Gegner kommt, was wir uns für die nächsten Rennen dann in Zukunft doch anschauen müssen."
Dabei schaut Wolff besonders auf Antonelli. Der Italiener überflügelte seinen Teamkollegen zuletzt, auch in Katalonien war er im Rennen deutlich schneller als Russell. Die Zweikämpfe blieben dabei zumeist fair, wenn auch bedrohlich eng. "Wenn sie gegeneinander fighten, ist's gut. Aber wenn man auch gegen einen anderen fightet, dann muss man vielleicht auch mal den Schnelleren ziehen lassen". Eine Aussage, die tiefer blicken lässt - und Antonelli möglicherweise nun in eine interne Stellung als Nummer eins erhoben hat. Zwei Wochen Zeit bleiben nun bis zum nächsten Rennen in Österreich. Mercedes hat sowohl technisch als auch sportlich große Aufgaben vor sich.
Mehr zum Autor Malte Göttlinger
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