Wer ist Rafael Camara? Haas setzt ab 2027 auf Brasiliens nächstes Formel-1-Juwel
Rafael Camara fährt ab 2027 für Haas in der Formel 1. Der 21 Jahre alte Brasilianer überzeugte auf seinem Weg in die Königsklasse mit Titeln, außergewöhnlicher Qualifying-Stärke und konstantem Aufstieg durch die Nachwuchsserien.
22.10.2026 | 14:03 Uhr
Vom Kart-Talent aus Recife bis ins Cockpit eines Formel-1-Teams: Rafael Camara hat sich seinen Traum Schritt für Schritt erarbeitet. Haas setzt auf einen Fahrer mit großem Tempo, hoher Lernbereitschaft und dem Potenzial, die nächste brasilianische Erfolgsgeschichte in der Königsklasse zu schreiben.
Von Moritz Fuß
Camaras Geschichte beginnt in Recife im Nordosten Brasiliens. Zur Kartbahn kam er zunächst als Zuschauer: Sein fünf Jahre älterer Bruder fuhr, Rafael wollte es ihm nachmachen. Als der Ältere die Lust verlor, fing der Jüngere erst richtig an. Mit sechs Jahren saß er selbst im Kart.
Dass der Motorsport schon länger zur Familie gehörte, erfuhr er erst später. Seine Großmutter mütterlicherseits, Niege Rossiter, bestritt bereits in den 1960er-Jahren Autorennen und gehörte zu den Pionierinnen des Motorsports in Recife. Nachdem ihr Enkel seine ersten Kart-Rennen bestritt, zeigte sie ihm ihre Pokale - ein Ansporn für Camara?
Sein eigenes Talent zeigte sich früh: 2019 wurde er Vizeweltmeister in der Kartklasse OK-Junior. Seine Leistungen brachten ihn schnell auf den Zettel von Ferrari und schließlich nach Maranello. Der Wechsel nach Europa verlangte ihm mehr ab als schnelle Runden. Camara erzählte später, dass ihn die neue Umgebung bei Ferrari zunächst einschüchterte. Auch sein Englisch musste besser werden, damit die Zusammenarbeit mit den Teams funktionierte.
Zwei Titel als Empfehlung
Zwei Jahre lang konnte sich Camara unmittelbar mit Kimi Antonelli messen: Erst in der Formel 4, dann in der Formula Regional waren sie Teamkollegen bei Prema. Die Titel holte Antonelli, doch auch Camara setzte sich in einzelnen Rennen durch. Während der Italiener anschließend im Eiltempo Richtung Formel 1 aufstieg, ging der Brasilianer den längeren Weg.
Sportlich arbeitete er sich Schritt für Schritt nach oben. Nach Podestplätzen in mehreren Formel-4-Meisterschaften gewann er 2024 mit Prema die europäische Formula Regional. Ein Jahr später wurde er für Trident auf Anhieb Formel-3-Meister: vier Siege, fünf Polepositions und der vorzeitige Titelgewinn in Budapest.
F2-Titel ist möglich
Inzwischen führt Camara die Formel 2 an. Bei Invicta Racing gewann er 2026 die Hauptrennen in Barcelona, Spa und Baku, vor den letzten beiden Rennwochenenden liegt er sieben Punkte vor Nikola Tsolov. Bevor es in die Königsklasse geht, könnte er also noch einen weiteren Titel gewinnen.
Seine besondere Stärke ist das Qualifying: Schon in der Formel 3 fiel er mit fünf Polepositions auf, in der Formel 2 hat er diese Marke ebenfalls erreicht. Für Haas überzeugte er zudem bei einem Test im August in Portimao. Teamchef Ayao Komatsu lobte nicht nur sein Tempo, sondern auch, wie schnell er sich auf das Auto und die Mannschaft eingestellt habe.
Ehrgeiz mit Lernbedarf
Zurückhaltend und freundlich, so beschreiben viele seiner Kollegen den jungen Brasilianer. Im Cockpit gelingt es Camara allerdings noch nicht immer, seinen Ehrgeiz richtig zu dosieren: Fehler in Montreal und Monaco kosteten ihn in dieser Formel-2-Saison wichtige Ergebnisse. Später räumte Camara selbst ein, dass es manchmal klüger gewesen wäre, einen zweiten Platz mitzunehmen, statt um jeden Preis gewinnen zu wollen.
Das macht ihn nicht weniger interessant für Haas. Es zeigt aber, woran er arbeiten muss: Sein Tempo ist eine starke Grundlage, entscheidend wird die Konstanz.
Die Heimat bleibt nah
Wenn Camara über Recife spricht, erzählt er von den Stränden, dem Essen und dem Karneval. Den hat er seit seiner frühen Kindheit kaum selbst erleben können, meist war er unterwegs zu Rennen. Aber auch abseits der Rennstrecke bleibt er seiner Heimat verbunden: Er hält zum Fußballklub Sport Recife, hört gern den Sänger Joao Gomes und verbringt freie Tage mit seiner Familie am Meer.
Rückhalt gibt ihm auch die Freundschaft zu Gabriel Bortoleto. Die beiden kennen sich seit Kindertagen. Dessen Sprung in die Formel 1 war für Camara zusätzliche Motivation. 2027 sollen sie gemeinsam im Feld stehen.
Bei Haas will Camara zunächst lernen, das Auto verstehen und sich mit der Mannschaft weiterentwickeln. Komatsu verspricht, ihn bei seiner Entwicklung zu unterstützen. Die Voraussetzungen für einen gelungenen Einstieg sind damit vorhanden.
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