Tag drei von fünf des Shakedowns in Barcelona ist absolviert. Der Regen hat sich aus Katalonien verzogen, unter der spanischen Sonne trauten sich wieder mehr Autos auf die Strecke.
Trotz bereits bekannter Geheimhaltungsstufe gibt es einiges zu erzählen über den trockenen Mittwoch, an dem Fans unter anderem einen neuen Boliden bestaunen durften.
Doch ein besorgter Blick fällt erst einmal auf die beiden Teams, die in Barcelona noch gar nicht auf der Strecke waren.
Williams
In den vergangenen Tagen brodelte die Gerüchteküche um die Abwesenheit von Williams gewaltig. Nicht bestandene FIA-Crashtests sollen den britischen Traditionsrennstall vor große Probleme gestellt und zu Notlösungen gezwungen haben. Das Team verkündete vor dem Beginn des Shakedowns, nicht nach Barcelona zu reisen.
Nun äußerte sich Teamchef James Vowles erstmals öffentlich zu den Negativschlagzeilen: "Alle notwendigen Tests sind nun bestanden", erklärte der ehemalige Mercedes-Mann der Presse. Gerüchte zu einem schweren Übergewicht des Boliden aus Grove will Vowles nicht bestätigen: "Es gibt kein Wissen über das Gewicht, bevor wir in Bahrain sind", so der 46-Jährige weiter.
Man habe sich mit der Produktionskapazität überschätzt, sei in Rückstand geraten und haben Kompromisse machen müssen. Vor dem ersten offiziellen F1-Test beabsichtige Williams, das Fahrzeug bei einem "filming day" erstmals zu bewegen. Dennoch: Der Rückstand des Teams ist beträchtlich. In Bahrain werden Williams bereits hunderte Testkilometer aus Barcelona fehlen - genauso wie die Probleme, die alle anderen Teams jetzt schon entdecken und beheben können. Das sei "unglaublich schmerzhaft", wie Vowles zugab. Den Shakedown nicht zu absolvieren sei laut ihm die richtige Entscheidung, damit man mit der Entwicklung und Produktion von Teilen und Updates zum Saisonstart nicht erneut ins Hintertreffen gerate.
Aston Martin
Auch Aston Martin ist bisher keine einzige Runde auf dem katalonischen Asphalt gefahren - doch Panik kommt beim Team aus Silverstone nicht auf. Gerüchte über ein sehr aggressives Konzept von Stardesigner Adrian Newey wurden zuletzt heiß diskutiert.
Diese könnten sich am vorletzten Testtag erneut entzünden: Das Team von Eigner Lawrence Stroll hat die Intention, seinen neuen AM26 am vierten und fünften Testtag einzusetzen. Dafür landete am Mittwochabend gegen 17:00 Uhr eine eigens gecharterte Cargo-Maschine am Flughafen von Girona, die den neuen Boliden wohl transportierte.
Tagessieger Mercedes
Die Silberpfeile wissen weiter zu beeindrucken. Nach einem bereits erfolgreichen Montag schrubbte das Mercedes-Duo aus George Russell und Kimi Antonelli jeweils mehr als 90 Runden pro Pilot auf das Kilometer-Konto. Insgesamt spricht das Team in einem Statement von einer Bilanz aus 334 Runden und über 1.500 Kilometern in nur zwei Tagen. Das ist ein Statement.
Doch nicht nur die schiere Masse an Umläufen des Mercedes (die bislang völlig ohne Probleme gelungen sind) sorgt für Aufmerksamkeit, auch die Zeiten können sich sehen lassen. Russell gelang am Vormittag eine 1:17.58 Minuten auf dem harten C1-Reifen, Antonelli legte am Nachmittag mit einer 1:17.36 Minuten auf dem roten, weichen Reifen nach. Damit stehen die beiden auf der inoffiziellen Zeitentafel ganz oben, knapp anderthalb Sekunden vor dem nächst-schnellsten Fahrzeug.
Zur Orientierung, wie vorsichtig es die Teams noch angehen lassen: Beim dritten freien Training im letzten Jahr stand Oscar Piastri mit 1:12.387 Minuten auf Platz eins.
Rote Flaggen
Es kann natürlich nicht bei allen so reibungslos laufen. Sinn und Zweck des von den Teams organisierten Shakedowns ist es, den neuen Fahrzeugen und vor allem den neuen Motoren ihre "Gremlins" auszutreiben. Dementsprechend sind Pannen keine Seltenheit - auch am dritten Testtag nicht.
Dabei traf es am Mittwoch zuerst erneut Audi. Der F1-Neuling sammelte am ersten Tag aufgrund von Problemen lediglich knapp 125 Kilometer mit der eigens entwickelten Power Unit. Am zweiten Tag setzte der deutsche Autobauer wie viele andere Rennställe aus. Am dritten Testvormittag dauerte es nur fünf Runden, bis Nico Hülkenberg mit einem vermuteten Hydraulikproblem erneut stehen blieb. Die gute Nachricht: Am Nachmittag gelang dem deutschen Team die Rückkehr auf die Strecke, um weitere wichtige Runden zu sammeln. Dennoch ist es bisher ein gemischter Shakedown für den Hersteller.
Haas verursachte in Person von Ollie Bearman eine weitere Unterbrechung. Der gab sich jedoch relativ gelassen, denn "darum geht es ja, wir rechnen mit diesen kleinen Problemen", resümierte der junge Brite am Abend. 154 Runden am ersten Tag sprechen für den US-Boliden.
Auch der Racing Bulls kam am Nachmittag ein Mal zum Stillstand: Rookie Arvid Lindblad konnte nach der Rückkehr in die Box auf einem Abschlepper jedoch bereits nach einer guten halben Stunde wieder auf die Piste.
McLaren mit weltmeisterlichem Debüt
Jetzt mischen auch die Weltmeister mit. McLaren hat am dritten Testtag zum ersten Mal den neuen MCL40 auf den Asphalt losgelassen. Mit Weltmeister Lando Norris am Steuer sammelte der in eine schwarze Testlackierung gehüllte Renner 30 Runden am Vormittag. Nach der Mittagspause erhöhte man das Tempo, Norris gelang Berichten zufolge eine Zeit von 1:18.725 Minuten. Der Rennstall aus Woking will auch am Donnerstag und Freitag ausführlich weiterfahren und Daten sammeln. Dann wird auch Teamkollege Oscar Piastri zum ersten Mal ans Steuer dürfen.
Und der Rest?
Cadillac blieb der Strecke Dienstag und Mittwoch fern, nachdem das neue Team am Montag nur 44 Runden verzeichnete. Dabei war von vielen kleinen Problemen die Rede. Dennoch hätte man wohl mehr Runden am ersten Tag fahren können, wie Teamchef Graeme Lowdon erklärte. Doch wollten die Amerikaner lieber die entstandenen Probleme ausführlich untersuchen, um am Schluss der Woche nachhaltig länger fahren zu können.
Red Bull war nach dem Unfall von Isack Hadjar am Vortag wie erwartet nicht auf der Strecke. Wie The Race berichtete, verfügt das Team möglicherweise nicht über genügend Ersatzteile, um das gerade erst enthüllte Fahrzeug bis zum Ende der Woche zu reparieren. Hadjar war am Nachmittag auf nasser Strecke rückwärts in die Bande eingeschlagen - womöglich aufgrund eines Fahrfehlers.
Die Heckpartie der Boliden sind besonders empfindlich, gerade das Getriebe wird bei ähnlichen Einschlägen häufig beschädigt. Dennoch versuche das Team "alles, um das Auto zu reparieren", wie Teamchef Laurent Mekies bestätigte. Im schlimmsten Fall würde Red Bull jedoch nur einen Tag verlieren, nachdem sie bereits am Montag und Dienstag Kilometer sammelten.
Hinweis: Alle Daten nicht offiziell
Für die letzten zwei Tage sind neben Aston Martin, McLaren und Cadillac auch Ferrari und Alpine im Fokus. Die Scuderia absolvierte am regnerischen Dienstag ihren ersten Einsatz. Alpine verzeichnet bislang einen stillen Shakedown mit ordentlichen Distanzen. Einzelne Publikationen wollen schon eine französische Überraschung herbeischreiben. Doch dafür ist es wohl noch zu früh.
Mehr zum Autor Malte Göttlinger
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