Schlag auf Schlag geht es weiter im großen Formel-1-Zirkus. Nach dem turbulenten Wochenende in Malaysia geht es sofort in Japan weiter. Sky Experte Marc Surer spricht über die technischen Probleme bei Ferrari und Mercedes und wer den WM-Kampf noch mit beeinflussen könnte.
Nach dem Quali-Debakel in Malaysia hat Sebastian Vettel sich im Rennen noch Platz vier erkämpft - dafür feiert ihn die Presse. Unterstreicht diese Aufholjagd Vettels Sehnsucht nach dem WM-Titel?
Absolut. Nach dem Rückschlag in Singapur scheint Ferrari nicht aufgeben zu wollen. Sie haben das Auto nochmal weiterentwickelt und Vettel ist in herausragender Form - jetzt bräuchten sie nur noch ein bisschen Glück.
Das blieb in den beiden letzten Rennen aus. Ferrari-Chef Sergio Marchionne hat nach dem Motor-Debakel organisatorische Veränderungen und Anpassungen bei der Qualitätskontrolle angekündigt. Wie sind die Probleme zu erklären?
Es ist offensichtlich so, dass bei beiden Autos ein ähnliches Problem aufgetreten ist - das hätte in der Qualitätskontrolle bemerkt werden müssen. Ich wundere mich, dass Sergio Marchionne hier eingreifen muss. Normal liegt es in der Hand des Teams um Maurizio Arrivabene, die Qualität sicherzustellen. In der Zeit unter Ross Brawn wurden die Teile von jedem geprüft, in dessen Hände sie gekommen sind - da ist wohl etwas Sorgfalt verloren gegangen. In diesem Fall wurde im Werk wohl zu oberflächlich gearbeitet.
Es gab eine Szene, die die Gemüter erregt: Der Crash mit Lance Stroll in der Auslaufrunde. Wen trifft hier die Schuld?
Es braucht immer zwei Fahrer für einen Unfall. In der Auslaufrunde in ein anderes Auto reinzufahren ist schon eine spezielle Kunst. Das ist einfach nur mit Unaufmerksamkeit zu erklären, beide haben hier nicht aufgepasst
Nicht nur Ferrari hat Sorgen, bei Mercedes läuten nach den letzten zwei Rennwochenenden erneut die Alarmglocken. Wie kommt es zu diesen Schwankungen, die vor allem bei den Reifen auftreten?
Mercedes hatte dieses Problem bereits Anfang des Jahres - jetzt ist es wieder zurückgekehrt. Es scheint wirklich sehr streckenspezifisch zu sein. Es gibt zwei Gründe dafür: Einerseits eine hohe Asphalttemperatur, und eine Strecke, die viel Abtrieb braucht. In beiden Fällen neigen die Mercedes-Reifen dazu, zu überhitzen. Es ist wohl jedes Rennwochenende unklar, ob der Mercedes so funktioniert oder nicht.
Noch liegen zwischen Hamilton und Vettel 34 Punkte. Muss Mercedes auf den letzten Metern noch vor den Ferrari ins Zittern geraten?
Beide Teams haben bekanntlich mit Schwankungen zu kämpfen. Es ist in diesem Jahr wohl so, dass es mit der Abstimmung bei den Autos sehr schwierig ist. Gerade wenn noch die Witterungsbedingungen dazu kommen und man nicht genügend Zeit hat, kann es jeden treffen - es ist strecken- und wetterabhängig. Der WM-Kampf ist offener als je zuvor, nachdem Ferrari in Singapur schon geschlagen schien.
Ein Schwenker zu Red Bull, dem lachenden Dritten des Malaysia-Wochenendes. Können Max Verstappen und Co. den WM-Kampf noch irgendwie beeinflussen und sich zwischen die Platzhirsche schieben?
Der Zweikampf zwischen Ferrari und Mercedes kann dem Team egal sein. Red Bull wird eine Rolle bei der Punktevergabe spielen. Sie werden ihre eigenen Vorteile suchen und vorne mitmischen.
Kommen wir zum Abschluss zur Strecke in Japan. Wer hat auf diesem Circuit die Nase vorn?
In der Vergangenheit war Japan eine Mercedes-Strecke. Es wird nicht so heiß werden, das ist natürlich ein Vorteil für die Silberpfeile. Aber in der aktuellen Form der Ferrari und mit den Red Bull im Nacken, erwartet uns wohl ein spannender Dreikampf.