Afrikas WM-Teams erleben einen historischen Aufschwung

Afrikas Fußballteams feiern bei der WM einen historischen Erfolg: Neun von zehn Vertretern erreichen die K.-o.-Phase – mehr als je zuvor. Was steckt hinter diesem Aufschwung?

Ghana beim WM-Gruppenspiel gegen Kroatien.
Image: Ghana steht bei der WM 2026 in der K.o.-Runde.  © DPA pa

Die Titel-Träume von Marokko, das Messi-Märchen von Kap Verde und noch viele weitere Ausrufezeichen: Die Teams aus dem afrikanischen Kontinentalverband trumpfen bei der WM auf, neun der zehn Vertreter haben es in die K.-o.-Phase geschafft.

Diese Quote erreichte Afrika noch nie - und beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko auch kein anderer Kontinent. Die Gründe sind vielfältig, reichen von taktischer Weiterentwicklung bis zu mentalen Aspekten wie den Glauben an die eigene Stärke.

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"Ist dies das Turnier der afrikanischen Teams? Wir werden es herausfinden", sagte Stürmer-Ikone Zlatan Ibrahimovic nach dem völlig überraschenden Weiterkommen von Kap Verde. Die dänische Torwart-Legende Peter Schmeichel stöberte ein wenig in der Statistik und meinte dann mit einem Augenzwinkern: "Italien hat 1982 alle drei Gruppenspiele Unentschieden gespielt und ist Weltmeister geworden. Kap Verde hat drei Unentschieden. Träume groß!"

Während für Ex-Welt- und Europameister Thierry Henry Kap Verde, das nun in der Nacht zu Samstag auf Titelverteidiger Argentinien trifft, bisher "die Geschichte der WM" ist, sind die Träume in Marokko noch ein wenig größer. Der Afrikameister traut sich den Titel zu, nachdem 2022 schon das Halbfinale erreicht wurde.

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Was eine unfassbare Geschichte! Kap Verde qualifiziert sich komplett überraschend für die K.O-Runde der WM 2026. Nach dem Remis gegen Saudi-Arabien feiert Spieler und Fans ausgelassen. Inklusive einiger Haifische.

Marokko und die Zutaten

"Wir haben alle Zutaten, um die beste Nation zu sein. Ich glaube daran, die Spieler glauben daran", sagte Trainer Mohamed Ouahbi. Marokko sei durch den Erfolg in Katar vor vier Jahren in einer anderen Dimension. Heißt: Man glaubt an sich, was der entscheidende Punkt ist.

Marokko Nationalmannschaft

  • WM Teilnahmen: 7 (zuletzt 2022)
  • WM-Rekordtorschütze: Youssef En-Nesyri (3 Tore)
  • WM-Rekordspieler: Achraf Hakimi & Hakim Ziyech (je 10 Spiele)
  • FIFA-Weltrangliste: 8. Platz (Stand: 06/2026)
  • Beste WM-Platzierung: 4. Platz (2022)

"Ich denke, es ist eine Frage des Glaubens. Zuvor haben afrikanische Teams nicht so recht an sich geglaubt, wenn sie zu einer WM gefahren sind. Schließlich haben sie gegen die großen europäischen und südamerikanischen Länder gespielt", sagte Südafrikas Trainer Hugo Broos. "Das hat sich ein wenig gewandelt. Der Glaube wächst. Es ist zu früh zu denken, dass wir morgen einen afrikanischen Weltmeister haben werden. Aber es kann passieren."

Die spektakulärsten Rekorde der WM-Vorrunde

  1. .
    Image: Zum ersten Mal wurden in einem WM-Eröffnungsspiel drei Platzverweise verteilt.  © Imago
  2. .
    Image: Julian Quinones ist der erste Spieler einer CONCACAF-Nation (Confederation of North, Central America and Caribbean Association Football), der das Eröffnungstor bei einer WM geschossen hat © Imago
  3. .
    Image: Gilberto Mora ist mit 17 Jahren und 240 Tagen der jüngste Spieler einer Gastgeber-Nation © DPA pa
  4. .
    Image: Alle 83 Pässe von Chris Richards kamen im Spiel gegen Paraguay bei seinen Mitspielern an. Das ist die höchste Anzahl an Pässen mit einer 100-Prozent-Quote seit der WM 1966. © Imago
  5. Mit dem Spiel gegen Curacao ist Torwart Manuel Neuer mit 40 Jahren, zwei Monaten und 19 Tagen der älteste deutsche Spieler der WM-Historie.
    Image: Mit dem Spiel gegen Curacao ist Torwart Manuel Neuer mit 40 Jahren, zwei Monaten und 19 Tagen der älteste deutsche Spieler der WM-Historie. © Imago
  6. Curacao-Trainer Dick Advocaat ist mit seinen 78 Jahren der älteste Coach des Turniers.
    Image: Curacao-Trainer Dick Advocaat ist mit seinen 78 Jahren der älteste Coach in der WM-Geschichte. Er löste Otto Rehhagel ab.  © DPA pa
  7. Mikel Oyarzabal hatte gegen Kap Verde einen schweren Stand.
    Image: Mikel Oyarzabal ist der erste Spieler seit 1966, der die ersten 30 Minuten eines WM-Spiels ohne einen einzigen Ballkontakt absolvierte. © Imago
  8. Vozinha ist der älteste Torhüter, der bei seinem WM-Debüt ohne Gegentor blieb. Gegen Spanien parierte der Keeper sieben Schüsse.
    Image: Vozinha ist der älteste Torhüter, der bei seinem WM-Debüt ohne Gegentor blieb. Gegen Spanien parierte der Keeper von Kap Verde sieben Schüsse und hielt so sensationell die Null fest. © Imago
  9. Lionel Messi hat, nach seinem Dreierpack gegen Algerien, in seiner WM-Karriere fünf Tore von außerhalb des Strafraumes erzielt und somit ei
    Image: Lionel Messi hat nach seinem Dreierpack gegen Algerien in seiner WM-Karriere fünf Tore von außerhalb des Strafraumes erzielt und somit den bisherigen Rekord von 1966 eingestellt.  © Imago
  10. .
    Image: Harry Kane hat nach dem Spiel gegen Kroatien mit fünf Treffern die meisten Elfmeter-Tore (exklusive Elfmeterschießen nach Verlängerung) der WM-Geschichte geschossen.  © DPA pa
  11. Schweiz
    Image: Schweiz gegen Bosnien-Herzegowina ist das erste Spiel in der WM-Historie, in dem sämtliche Tore (fünf) nach der 70. Minute fielen. © Imago
  12. Curacaos Torhüter Eloy Room stellt gegen Ecuador einen WM-Rekord auf.
    Image: Curacaos Torhüter Eloy Room zeigte gegen Ecuador 15 Paraden - seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1966 hatte nie ein Keeper mehr während der regulären Spielzeit.  © Imago
  13. Kap Verde ist die erste Mannschaft seit 1966, die ihr erstes Tor bei einer FIFA-Weltmeisterschaft durch einen direkten Freistoß erzielt hat.
    Image: Kap Verde ist die erste Mannschaft seit Beginn der Datenerfassung (1966), die ihr erstes Tor bei einer WM durch einen direkten Freistoß erzielt hat. © Imago
  14. Lionel Messi bejubelt einen seiner beiden Treffer gegen Österreich.
    Image: Lionel Messi ist zum alleinigen Rekordtorschützen bei Weltmeisterschaften aufgestiegen. Der Superstar erzielte mit dem Tor zum 1:0 gegen Österreich seinen 17. WM-Treffer und überholte damit Miroslav Klose (16). © Imago
  15. Cristiano Ronaldo blieb beim Portugals 1:1 gegen DR Kongo ohne Treffer.
    Image: Mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Usbekistan ist CR7 der erste Spieler der Geschichte, der bei sechs verschiedenen Weltmeisterschaften getroffen hat. © Imago
  16. .
    Image: Kerim Alajbegovic (Bosnien und Herzegowina) ist mit 18 Jahren und 276 Tagen der jüngste Spieler, der bei einer WM ein Tor von außerhalb des Strafraums erzielt hat. Somit löst er Kylian Mbappe (19 Jahre, 207 Tage bei der WM 2018) vom ersten Platz ab. © Imago
  17. .
    Image: Ismael Saibari (Marokko) ist der erste afrikanische Spieler überhaupt, der bei einer Weltmeisterschaft in jedem der drei Gruppenspiele seiner Mannschaft ein Tor erzielt hat. © DPA pa
  18. .
    Image: Vinicius Junior (Brasilien) hatte gegen Schottland den höchsten xG-Wert (expected Goals), der jemals von einem Spieler in einem WM-Spiel verzeichnet wurde. © DPA pa
  19. Neuer Zuschauerrekord bei der WM 2026.
    Image: Mit dem Vorrundenabschluss der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador (1:2) ist ein WM-Zuschauerrekord aufgestellt worden. 3.605.357 Menschen besuchten die bislang 56 Partien der Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko. © Imago
  20. y
    Image: Südafrika konnte sich zum ersten Mal in ihrer WM-Geschichte für die K.o.-Phase qualifizieren.  © DPA pa
  21. .
    Image: Harry Kane ist mit nun elf Toren Englands erfolgreichster WM-Torschütze der Geschichte. Er verdrängte Gary Lineker (zehn Tore). © Imago

Einen großen afrikanischen Fortschritt sehen andere schon länger. "Afrikas Fußball hat sich stark gewandelt", sagte Senegals Trainer Pape Thiaw. Das 0:0 von Kap Verde gegen Europameister Spanien war für ihn keine Überraschung. Für Ghanas Stürmer Brandon Thomas-Asante ist diese WM auch eine gewisse Genugtuung: "Lange Zeit wurde angezweifelt, ob afrikanische Mannschaften etwas Großes erreichen können bei großen Turnieren. Deswegen freue ich mich, dass wir hier so viel Erfolg haben."

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WM-Titel nur eine Frage der Zeit

Aber ist ein Weltmeister aus Afrika ein realistisches Szenario? "Für mich ist es nur eine Frage der Zeit", sagte Kongos Trainer Sebastien Desabre. Der Franzose arbeitet mit Unterbrechungen seit 15 Jahren in Afrika und kann die Entwicklungen der vergangenen Jahre auch aus europäischer Perspektive einschätzen. "Die Strukturen werden besser, die Trainer werden besser, die Spieler werden besser."

Die Stars des Kontinents sind längst weltweit populär. Ägyptens Mohamed Salah, Sadio Mane aus dem Senegal oder der Marokkaner Achraf Hakimi. Und die nächste Generation mit der Bundesliga-Entdeckung Yan Diomande (Elfenbeinküste), dem Bayern-Neuzugang Ismael Saibari oder dem von europäischen Topklubs umworbenen Teenager Ayyoub Bouaddi (beide Marokko) ist schon bei dieser WM dabei und sammelt Erfahrungen.

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Neben Marokko und Kap Verde stehen aus dem großen Kontinentalverband CAF Ägypten, Algerien, Ghana, die Elfenbeinküste, Senegal, Ägypten und Südafrika im Sechszehntelfinale. Die Südafrikaner waren nach dem schwachen Auftakt gegen Mexiko bereits abgeschrieben. Doch der Gastgeber von 2010 rettete in den letzten sieben Minuten gegen Tschechien ein Unentschieden, besiegte dann Südkorea - und überstand so bei der vierten WM-Teilnahme erstmals die Vorrunde.

dpa

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