Der 1. FC Köln rettet sich am letzten Spieltag in die Relegation. Ausgerechnet Sebastiaan Bornauw köpft den Effzeh zum wichtigen 1:0-Sieg gegen Schalke und avanciert zum Matchwinner. Dabei musste er Anfang des Jahres noch in ein künstliches Koma versetzt werden.
"Ich glaube, das war das wichtigste Tor meiner Karriere, das war heute einfach anders", sagte der 22 Jahre junge Belgier nach Abpfiff am Sky Mikro. "Ich bin sehr happy, dass ich dieses Tor heute gemacht habe. Das war wichtig für den Verein und für uns alle. Wir haben heute alle eine gute Partie gespielt."
Für den Innenverteidiger war klar: "Wir mussten einfach in dieses Spiel gehen und es gewinnen", nachdem zahlreiche Effzeh-Fans vor dem Stadion die Mannschaft bei ihrer Busankunft angefeuert hatte.
Matthäus sieht Bornauw "Erleichterung" an
Auch Sky Experte Lothar Matthäus sah vor allem die "Erleichterung" bei Bornauw. "Besonders dieses eine Tor, das nicht gegeben wurde wegen einer Abseitsstellung. Das beschäftigt dich ja auch. 'Warum wieder wir?' Die Kölner sind in dieser Saison auch so häufig durch den Videobeweis benachteiligt worden", betonte der Weltmeister von 1990.
Und weiter: "Sie haben es geschafft, weil sie an sich geglaubt haben, sie haben bis zum Schluss Gas gegeben. Es war verdient von den Kölnern, weil sie einfach mehr investiert haben als Bremen, vor allem in den letzten Wochen."
Horn: "Achterbahnfahrt der Gefühle"
Für Kölns Keeper Timo Horn war es "eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle. Wir hatten wahnsinnig viele Chancen, sind unheimlich viel Risiko gegangen." Auch Kölns Kapitän Jonas Hector war nach dem Spiel ein wenig konfus: "Man weiß jetzt nicht so genau, wie man mit der Gefühlslage umgehen soll. Irgendwo ist man happy, aber es ist dann doch schade, dass man es nicht direkt geschafft hat. Aber so ist es eben. Wir haben jetzt zwei Extra-Spiele und die müssen wir nutzen."
Friedhelm Funkel hat immer an sein Team geglaubt: "Ich habe in der Halbzeit gesagt: 'Wir schaffen das. Wir werden ein Tor erzielen'", sagte Kölns Trainer. "Wir sind Gott sei Dank durch Sebastiaan Bornauw belohnt worden."
Bornauw kämpft sich nach Koma und OP zurück
Dabei war es vor einigen Wochen noch gar nicht sicher, ob sich der 22-Jährige wieder für den Effzeh zerreißen kann. Ende Januar plagten den Belgier so heftige Rückenschmerzen, dass er nicht mehr schlafen konnte. Das Ergebnis der Untersuchung: ein gutartiger Knochen-Tumor an der Wirbelsäule. Es folgte eine Rücken-OP. Doch Bornauw erlitt eine allergische Reaktion, sodass er für 24 Stunden in ein künstliches Koma versetzt werden musste. Eineinhalb Wochen später wurde die OP nachgeholt. Zehn Spiele verpasste er für Köln.
Heute geht es ihm wieder gut. Er arbeitete hart an seinem Comeback. Seit dem Spiel gegen Mainz (2:3) Mitte April steht Bornauw wieder auf dem Platz und köpft den Effzeh am letzten Spieltag auf der letzten Rille in die Relegation.
Fokus auf Relegation
Dort geht es am Mittwoch in Köln (18:30 Uhr) und Samstag (18:00 Uhr) gegen den Dritten der 2. Bundesliga - Sonntag entscheidet sich, wer das sein wird: Bochum, Kiel oder Fürth. "Das werden wir uns morgen natürlich anschauen", meinte Horn, "jetzt gilt es, sich schnell zu erholen, in den 180 Minuten alles rauszuhauen und den FC in der Liga zu halten."
"Wir müssen fokussiert sein. Wir müssen alles versuchen, um zweimal zu gewinnen", fordert Bornauw. Vielleicht avanciert er in den beiden wichtigen Begegnungen wieder zum Matchwinner. Ein Kämpfer und Gewinner ist er bereits.