Bruchhagen zu Jovic: "Wechsel zu Real erscheint mir etwas früh"
Serbe wechselt für rund 60 Millionen Euro nach Madrid
Von Udo Hutflötz
Image:Ex-Eintracht-Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen äußert sich exklusiv gegenüber Sky Sport zum Wechsel von Luka Jovic von Frankfurt zu Real Madrid.
Mit Luka Jovic verlässt der in der vergangenen Saison treffsicherste Frankfurt-Akteur die Eintracht in Richtung Madrid. Den Transfer sieht Heribert Bruchhagen - Ex-Manager und -Vorstandsvorsitzender der Hessen - nicht ganz ohne Zweifel.
"Der Wechsel zu Real Madrid erscheint mir schon etwas früh - ohne Zweifel. Es könnte sportlich schon schwierig für Jovic werden, aber wenn Real ruft - mit seiner absoluten Spitzenklasse und allen dazugehörigen Besonderheiten - dann kann kein junger Mensch 'Nein' sagen. Da kann man Günter Netzer, Paul Breitner und Toni Kroos fragen", verrät Bruchhagen exklusiv gegenüber Sky Sport.
Jovic-Abgang ein "erheblicher, sportlicher Verlust" für SGE
Für Eintracht Frankfurt selbst habe der Jovic-Transfer ein Für und Wider, wie der 70-Jährige einschätzt. Auf der einen Seite sei es ein "erheblicher, sportlicher Verlust" für die Hessen.
"Bei der tollen Entwicklung von Spielern wie Sebastien Haller, Luka Jovic, Ante Rebic und Filip Kostic, die allesamt internationales Niveau haben, war der Eintracht aber von vornherein klar, dass man wohl nicht alle halten wird und einen Akteur abgeben muss. Es ist eine Schwächung, aber ich traue der Eintracht zu, dass sie das kompensieren kann."
Allerdings gibt es bei einem Transfer nicht nur die sportliche Komponente. Gerade in der heutigen Zeit ist im Fußball-Geschäft der wirtschaftliche Faktor unabdingbar. Im Hinblick auf diesen stellt Bruchhagen der Eintracht ein Lob aus.
"Ich kann der Eintracht nur gratulieren, einen Spieler so entwickelt, in Szene gesetzt und einen solchen Transfer getätigt zu haben. Das tut dem Verein gut, das tut allen gut."
Mit den Einnahmen, die sich abzüglich der 30 Prozent an Jovics Ex-Klub Benfica Lissabon, auf circa 42 Millionen Euro belaufen, können die Hessen nun ihre Personalplanungen vorantreiben. Dass aufgrund des Abgangs von Jovic weitere Leistungsträger den Verein verlassen könnten, glaubt Bruchhagen eher nicht. "Die fühlen sich alle total wohl bei der Eintracht."
Zum Durchklicken: Rekordabgänge der 18 Bundesliga-Klubs
Borussia Dortmund: Ousmane Dembele wechselte in der Saison 17/18 vom BVB zum FC Barcelona. Mit einer Ablösesumme von insgesamt 140 Millionen Euro ist der Franzose der teuerste Dortmund-Abgang der Vereinsgeschichte.
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RB Leipzig: Josko Gvardiol brachte den Roten Bullen in diesem Sommer mit seinem Wechsel zu Manchester City über 100 Millionen Euro ein. Die Sockelablöse beträgt 90 Millionen Euro, hinzu kommen Bonuszahlungen.
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Bayer 04 Leverkusen: Kai Havertz wechselte 2020/21 für 80 Millionen Euro zum FC Chelsea.
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VfL Wolfsburg: Kevin de Bruyne ist mit einer Ablösesumme von 76 Millionen Euro der Rekordabgang der Wölfe. De Bruyne wechselte in der Saison 15/16 zu Manchester City.
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Eintracht Frankfurt: Luka Jovic hat sich 2019/20 Real Madrid angeschlossen. Mit einer Ablösesumme von 63 Millionen Euro ist der Stürmer der Rekordabgang der Eintracht.
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FC Bayern München: Robert Lewandowski (zum FC Barcelona) und Lucas Hernandez sind mit jeweils 45 Millionen Euro die teuersten Abgänge des deutschen Rekordmeisters.
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Borussia Mönchengladbach: Granit Xhaka ging in der Saison 15/16 zum FC Arsenal. Mit 45 Millionen Euro ist Xhaka der Rekordabgang der Fohlen.
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TSG 1899 Hoffenheim: Joelinton wechselte in der Saison 2019/20 in die Premier League zu Newcastle. Die Magpies haben 44 Millionen Euro für den Brasilianer als Ablöse gezahlt.
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VfB Stuttgart: Benjamin Pavard verließ die Schwaben 2019/20 für eine Ablöse von 35 Millionen Euro und ging zum FC Bayern.
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1. FC Köln: Anthony Modeste wechselte in der Saison 2018/19 in die chinesische Super League zu Tianjin Tianhai. Mit 29 Millionen Ablöse ist der Mittelstürmer der Rekordabgang in der Vereinsgeschichte des Effzeh.
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1. FSV Mainz 05: Abdou Diallo wechselte in der Saison 18/19 zum BVB. Die 05er erhielten 28 Millionen Euro für den Transfer. Damit ist der Verteidiger der Rekordabgang in der Vereinsgeschichte.
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SV Werder Bremen: Diego wechselte in der Saison 2009/10 zu Juventus Turin. Mit 27 Millionen Euro ist Diego bislang der Rekordabgang der Grün-Weißen.
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FC Augsburg: Abdul Rahman Baba wechselte in der Saison 2015/16 zum FC Chelsea. Die Ablösesumme betrug 26 Millionen Euro und machte den Linksverteidiger zu Augsburgs Rekordabgang.
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SC Freiburg: Kevin Schade wechselte im vergangenen Sommer zum FC Brentford und ist mit einer Ablösesumme von 25 Millionen Euro der Rekordabgang der Breisgauer.
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1. FC Union Berlin: Mit einer Ablöse von 20,5 Millionen Euro ist Taiwo Awoniyi der teuerste Abgang der Köpenicker. Der Stürmer wechselte im Sommer 2022 in die Premier League zu Nottingham Forest.
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VfL Bochum: Armel Bella-Kotchap wechselte 2022 für elf Millionen Euro zum FC Southampton und löste damit Theofanis Gekas ab, der 2007/08 für eine Ablöse von 4,7 Millionen Euro zu Bayer Leverkusen gewechselt war.
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1. FC Heidenheim: Robert Glatzel verließ 2020 den Bundesliga-Aufsteiger und wechselte für sechs Millionen Euro zu Cardiff City.
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SV Darmstadt 98: Sandro Wagner hat bei den Hessen seine Spuren hinterlassen und ist nach seinem Wechsel zu Hoffenheim im Sommer 2016 für 2,8 Millionen Euro immer noch der teuerste Abgang.
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Bruchhagen glaubt nicht an Hasardeur-Aktionen
Für Bruchhagen gelte es nun, die bisher ausgeliehenen Kevin Trapp und Sebastian Rode weiter zu behalten. "Das kostet zwar alles etwas, aber das sind Luxusprobleme."
Keine Probleme sieht der Ex-Macher bei Eintracht Frankfurt hingegen bei der Nachfolge-Suche für den scheidenden Goalgetter. Das Wissen anderer Klubs, dass bei den Hessen nun viel Geld liegt, und diese dadurch höhere Ablösen für Spieler verlangen, werde laut Bruchhagen keine große Rolle spielen.
"Es kann zwar ein Faktor sein, aber ich glaube nicht, dass Frankfurt nun exorbitante Preise für Spieler zahlen muss. Die beiden Verantwortlichen Bruno Hübner und Fredi Bobic sind viel zu schlau, als dass sie den entsprechenden Marktwert von Spielern nicht einschätzen können oder sich zu irgendwelchen Hasardeur-Aktionen verleiten lassen."