Wenn der FC Bayern am Mittwoch Borussia Dortmund zum Supercup empfängt, ist fast nichts so, wie bei den Vorgänger-Veranstaltungen. Dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen stehen beide Schwergewichte schon ein wenig unter Druck.
In sechs der vergangenen acht DFL-Supercups duellierten sich der FC Bayern und Borussia Dortmund um den ersten Titel der Saison. So auch in dieser Saison, wobei es für die Münchner gar nicht um die erste Trophäe der neuen Spielzeit geht. Die hat sich der Rekordmeister bereits in der Vorwoche gesichert, als sich die Münchner knapp gegen den FC Sevilla im UEFA Super Cup durchsetzten.
Vieles anders als sonst
Auch sonst ist vieles anders. Das Spiel findet nicht - wie in den vergangenen Jahren üblich - in Dortmund, sondern in München statt. Auch Zuschauer sind aufgrund der steigenden Corona-Infektionen in der Allianz Arena nicht zugelassen.
Zu guter Letzt ist es für beide Mannschaften nicht das erste Pflichtspiel der Saison und gleichzeitig der erste Härtetest, denn sowohl die Bayern, als auch der BVB haben bereits zwei Bundesligaspiele in den Knochen. Hinzukommen bei den Münchnern das erwähnte Duell gegen Sevilla und Schwarz-Gelb hat die 1. Runde im DFB-Pokal erfolgreich hinter sich gebracht.
Der vielleicht wichtigste Unterschied zu sonst ist jedoch, dass beide Startruppen am vergangenen Wochenende überraschende Niederlagen einstecken mussten. Ein harmloser BVB verlor bei eiskalten Augsburgern mit 0:2 und machte damit sogar ein Tor auf die Bayern gut, die bei 1899 Hoffenheim deutlich mit 1:4 baden gingen. Es war die erste Niederlage für den Quadruplesieger nach unglaublichen 32 Pflichtspielen.
Keiner will zwei Niederlagen am Stück
Und genau darin liegt der Reiz des diesjährigen Supercups, denn beide wollen so früh in der Saison sich nicht die Blöße geben und zwei Niederlagen in Folge im Gepäck haben. Unwichtig ist das Duell des Meisters gegen den Vize zwar nie - schließlich geht es um einen offiziellen Titel für den Briefkopf, aber der Druck ist dennoch sicherlich größer als sonst.
Vor allem Bayern-Coach Hansi Flick plagen jedoch Personalsorgen. Nachdem mit Philippe Coutinho, Thiago, Ivan Perisic drei Spieler die Münchner verließen, die mindestens zum erweiterten Stammpersonal zählen, steht auch hinter Abwehrchef David Alaba ein großes Fragezeichen. Königs-Neuzugang Leroy Sane wird wegen einer Kapselverletzung im Knie zudem sicher ausfallen - mit dem Flügelflitzer rechnet Flick erst nach der Länderspielpause. Ungünstige Vorzeichen, zumal dem Branchenprimus bereits beim Spiel bei der TSG die Strapazen der anstrengenden letzten Wochen deutlich anzumerken waren.
Müdigkeit für Bayern keine Ausrede
Müdigkeit als Ausrede lassen sie in München aber nicht gelten, auch wenn man einen Tag weniger Pause hat als der Gegner: "Wir suchen keine Ausreden", betonte Kapitän Manuel Neuer am Sonntag: "Dementsprechend können wir nicht so viel darüber sprechen, dass wir nach dem Spiel kaputt sind, sondern wir müssen das annehmen." Flick ergänzt: "Es ist noch keiner gekommen, der gesagt hat, er braucht eine Pause."
Vielmehr betont der Übungsleiter, dass das Kräftemessen mit den Dortmundern "letztendlich immer ein absoluter Klassiker in Deutschland" sei, "in dem wir uns mit den Besten messen können, deswegen wird es uns auch weiterbringen".
Die Bayern nehmen das Spiel also definitiv nicht auf die leichte Schulter und beim Gegner sieht das nicht anders aus: "Jedes Spiel zwischen diesen beiden Klubs wird von beiden ernst genommen. Es geht um einen Titel", so BVB-Boss Hans-Joachim Watzke.
Bürki und Sancho nicht dabei
Doch auch die Dortmunder müssen zumindest auf zwei Leistungsträger verzichten: Torhüter Roman Bürki und Angreifer Jadon Sancho traten den Weg nach München wegen Atemwegsinfekten gar nicht erst an. Auch Thorgan Hazard fehlt sicher. Denkbar ist zudem, dass Trainer Lucien Favre auch Spielern wie Emre Can oder den beiden Youngster Jude Bellingham und Giovanni Reyna eine Verschnaufpause gönnen wird.
Sein Startelfcomeback könnte dafür Marco Reus geben und damit sein Team erstmals seit über sieben Monaten wieder als Kapitän aufs Spielfeld führen. Immerhin das wäre nicht neu im Vergleich zum Vorjahr. Damals siegte der BVB mit 2:0 durch Tore von Paco Alcacer und Jadon Sancho.
Die möglichen Aufstellungen im Supercup
FC Bayern (4-2-3-1): Neuer - Pavard, Süle, Boateng, Hernandez - Kimmich, Goretzka - Gnabry, Müller, Coman - Lewandowski
Borussia Dortmund (5-3-2): Hitz - Meunier, Piszczek, Hummels, Akanji, Guerreiro - Delaney, Witsel - Brandt - Reus, Haaland