Nach der deutlichen Kritik von BVB-Neuzugang Thomas Meunier gegen seinen Ex-Klub Paris St. Germain weist Sportdirektor Leonardo die Vorwürfe zurück. Der Brasilianer kritisiert zudem die Dortmunder wie auch Leipzig und den FC Bayern für ihre Transferpraktiken.
Meunier hatte Leonardo in einem Interview mit der dpa scharf angegriffen: "Leonardo hat sich zu keinem Zeitpunkt um ein Agreement mit dem BVB, geschweige denn mit mir bemüht. Er wollte, dass ich praktisch gratis für PSG auflaufe", so der Rechtsverteidiger, als er auf eine mögliche Rückleihe angesprochen wurde, damit der Neu-Borusse in der Königsklasse für den französischen Meister hätte auflaufen können.
Leonardo widerspricht Meunier
Leonardo widerspricht dieser Darstellung energisch. Vielmehr sei für sämtliche Profis, deren Verträge ausgelaufen seien, die einheitliche Regelung getroffen worden, dass diese um zwei Monate zu den geltenden Konditionen verlängert würden. Leonardo nannte Thiago Silva, Eric Choupo-Moting oder Sergio Rico als positive Beispiele, die sich vorbildlich verhalten hätten.
"Thomas Meunier hatte da bereits bei Borussia Dortmund unterschrieben. Ich weiß nicht genau, wann. Seit dem 1. Januar stand es ihm frei, zu unterschreiben, wo er wollte", sagte Leonardo über den Rechtsverteidiger gegenüber Le Parisien. Dann habe Meunier für die zwei Monate nach demselben Gehalt gefragt, das er auch beim BVB bekomme.
BVB wollte offenbar Leihgebühr
Der Sportdirektor habe anschließend in Dortmund angerufen, um Meunier auszuleihen, aber der BVB hätte eine Leihgebühr gefordert, so Leonardo. "Unter diesen Bedingungen war es unmöglich." Es habe keinen Grund gegeben, bei Meunier anders zu verfahren als bei anderen Spielern. "Wir wollten verlängern, er nicht. Das ist sein Recht."
Der Belgier behauptete zudem, dass ihm untersagt wurde, auf das Traingsgelände von PSG zu kommen. "Daraufhin wurde mir telefonisch mitgeteilt, ich solle bloß nicht den Weg von wem auch immer kreuzen, weil ich verstörende Geschichten erzählen könnte. Typischer Fall von Realitätsverlust".
Auch diese Aussage lässt Leonardo nicht auf sich sitzen: "Der Verein hat ihn niemals respektlos behandelt", so der 50-Jährige, der von einem Hausverbot oder ähnlichem nichts wissen will: "Am 26. Juni, dem Tag nach seiner Unterschrift beim BVB, ist er im Trainingscamp aufgetaucht, um die Spieler zu begrüßen." Der Zutritt sei also keineswegs verboten gewesen.
Kritik an Bayern, Leipzig und BVB
Leonardo kritisierte zudem die Transferpraktiken einiger Bundesliga-Topklubs in Frankreich: "Deutsche Klubs, allen voran Bayern München, Leipzig und Borussia Dortmund, fallen über junge Spieler her, das ist ein großes Problem", so der Ex-Nationalspieler und ergänzt:
"Sie rufen Eltern, Freunde, die Familie, die Spieler selbst an, und das selbst bei Spielern, die noch nicht mal 16 sind. Sie verdrehen den jungen Leuten die Köpfe. Vielleicht sollten die Regeln verändert werden, um die französischen Klubs zu schützen."
Zuletzt sicherte sich der FC Bayern das Innenverteidiger-Talent Tanguy Kouassi zum Nulltarif.