Die größte Transferoffensive dieses Sommers kommt aus London. Chelsea shoppt sich stark, der Kopf hinter der Strategie ist eine Frau: Marina Granovskaia. Für Sky UK Reporter Kaveh Solhekol die mächtigste Frau im englischen Fußball.
Fußball ist ein männerdominiertes Business. Bei Chelsea trifft aber Direktorin Marina Granovskaia die großen Entscheidungen. Sie ist mit 45 Jahren vergleichsweise jung, viele Chefetagen bestehen bei den meisten Klubs aus erfahrenen Männern. Beim neuen Klub von Timo Werner ist es anders.
Granovskaia hat ihre exponierte Stellung bei Chelsea Eigentümer Roman Abramowitsch zu verdanken. Sie arbeitet seit 23 Jahren für den Oligarchen und gilt als enge Vertraute. Ihr Ruf als "iron lady" eilt ihr voraus: Die Russin ist eine knallharte Verhandlungsführerin, die auch harte Entscheidungen emotionslos trifft. Sie hat viele Transfers festgezurrt und zudem auch einen üppigen Sponsoren-Deal mit Nike ausgehandelt.
Big Business
Und fast alle großen Klubs mussten sich bereits mit Granovskaia herumschlagen. Für Eden Hazard nervte sie Real Madrid so lange, bis die Königlichen stolze 115 Millionen Euro überwiesen.
Nach Sky Infos ist sich der Klub nach Timo Werner auch mit Nationalelf-Kollege Kai Havertz einig. Die Bayer-Bosse, die für Havertz mindestens 100 Millionen Euro sehen wollen, werden nun auch ganz sicher das Verhandlungsgeschick zu spüren bekommen.
Denn seit die 45-Jährige bei Chelsea am Werk ist, hat kein anderer Premier-League-Verein annähernd so viel Geld eingenommen (ca. 850 Millionen Euro), Liverpool auf Platz zwei hat knapp 250 Millionen weniger kassiert.
Aber auch Einkaufen kann Granovskaia: Über eine Milliarde durfte sie auf dem Transfermarkt ausgeben, das Defizit ist dabei das niedrigste der Top-Klubs. Granovskaias Ruf in der Szene ist tadellos und auch die Chelsea-Fans schätzen ihre Kaderplanerin für ihre toughen Auftritte.
"Cech mate" als Brückenbauer
Seit 2019 hat Granovskaia dazu noch einen prominenten Helfer an ihre Seite: Petr Cech. Chelsea-Experte Solhekol beschreibt seine Rolle wie folgt: "Er ist eine Brücke zwischen den Klubbossen und dem Trainerteam. In der Vergangenheit hatten Trainer wie Conte oder Sarri ein schlechtes Verhältnis zu den Entscheidern. Cech ist dafür da, dass das nicht wieder passiert und alle zufrieden sind."
Cech arbeitet dabei eng mit Trainer Frank Lampard zusammen und stellt sicher, dass dessen Wünsche auch bei Granovskaia ankommen.
Eine wichtige Rolle kann sie aber nicht erfüllen, was jetzt Cechs Aufgabe ist: Spieler im persönlichen Gespräch von Chelsea zu überzeugen. Im Tandem mit Lampard gibt Cech das Legendendoppel, was auf Spieler ordentlich Eindruck machen dürfte. Für die Verhandlungen im Fall Kai Havertz wird Cech nach Leverkusen reisen und das sogar ohne seine Chefin. Alle Entscheidungen werden aber nach wie vor von Granovskaia abgesegnet.
Transferoffensive dank Corona
Denn Granovskaia und Chelsea-Besitzer Abramowitsch wittern durch die Corona-Pandemie eine große Chance: Die Preise auf dem Transfermarkt sind in diesem Sommer niedriger als üblich und die Konkurrenz wegen ausgefallener Einnahmen schwächer. Und das wollen die Blues ausnutzen.
Chelsea-Reporter Solhekol erklärt die Londoner Ambitionen: "Kein englischer Klub hat mehr Trophäen gewonnen, seit Abramowitsch Chelsea gekauft hat. Um der Beste zu sein, musst du auch die Besten kaufen! Und genau das machen sie."
Timo Werner und Kai Havertz sind zwei der besten deutschen Spieler, dazu wurde bereits Flügelflitzer Hakim Ziyech verpflichtet. Und diese Transfers verdeutlichen: Chelsea und Abramowitsch haben mit Frontfrau Granovskaia noch viel vor.