Desolat am Osterdeich- ein Kommentar zum Steffen-Aus bei Werder Bremen

Werder Bremen zieht die Reißleine und entlässt Trainer Horst Steffen nach zehn sieglosen Spielen in Serie.

Von Sven Töllner, Sky Sport Reporter @Sky_SvenT

Image: Horst Steffen (l.) muss bei Werder gehen. Alleine schuld an der Misere ist er aber nicht, meint Sky Sport Kommentator Sven Töllner (r.).

Die Hauptverantwortlichen für die brisante Werder-Lage sind laut Bremen-Insider und Sky Reporter Sven Töllner aber woanders zu finden. Ein Kommentar.

Niemand wird guten Gewissens behaupten wollen, dass sie es nicht versucht hätten. Aber bei vielem, was Friedl, Schmid, Coulibaly oder Njinmah gegen Gladbach probierten, sah es nach totaler Verunsicherung aus - nicht allzu verwunderlich nach zehn sieglosen Spielen in Serie.

Ein Trainer-Problem? Offenbar schon finden Sport-Boss Clemens Fritz & Co. und setzten den verantwortlichen Chefcoach Horst Steffen nach nur sieben Monaten im Amt vor die Tür - mit warmen Worten hinaus ins eiskalte Bremer Winter-Wetter.

Steffen hielt sich mit Kritik öffentlich immer zurück

Branchentypischer nüchterner Pragmatismus im offiziellen Ad-hoc-Statement von Geschäftsführer Fritz abgefedert mit der bittersüßen Formulierung "gerade weil wir Horst so schätzen…". Wie sehr der 56-jährige Ex-Coach die Begleitumstände der Trennung und die Bedingungen seines Arbeitsalltags geschätzt hat, ist bislang nicht überliefert.

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Schließlich hat Steffen sich bis heute verlässlich an die ungeschriebenen Rhetorik-Regeln des Profifußballs gehalten: Keine öffentliche Kritik an Mitarbeitern oder gar Vorgesetzten - vollkommen egal, wie berechtigt sie erscheinen mag. Der Trainer hat nie darauf hingewiesen, dass der Transfer-Sommer sich auch in der Nachbetrachtung als das herausstellte, was seinerzeit viele dachten: Zu schlecht geplant, zu langsam umgesetzt und im Ergebnis ein ungenügend ausbalancierter Kader - nach aktueller Faktenlage nur bedingt bundesligatauglich.

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Werder-Transfers gehen schief

Mit Victor Boniface haben Fritz und Sportdirektor Peter Niemeyer am Sommer-Deadline-Day eine Notlösung geangelt, die ausschließlich für Probleme sorgen sollte. Nicht fit und schnell verletzt - ein paar ärgerliche Online-Auftritte seien nur am Rande erwähnt. Ähnlichkeiten zum Fall Naby Keita sind offenkundig - und möglicherweise auch nicht komplett zufällig.

Horst Steffen hat sich auch nicht darüber beschwert, dass die klammen Bremer zehn Millionen Euro in Samuel Mbangula investiert und diesen Deal für vernünftiges Risiko-Management gehalten haben. Der 21-Jährige kann Fußball spielen - das ist sichtbar. Er hat aber bislang kaum brauchbare Akzente gesetzt.

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Der Deal mit Juventus hatte zur Folge, dass darüber hinaus nur noch Leihgeschäfte möglich waren - so eines wie mit Cameron Puertas, einem Mittelfeld-Mitläufer aus der Saudi Pro League. Die Unkenntnis der Bosse bezüglich der gängigen Leih-Modalitäten - Fritz übernahm die Verantwortung dafür - hat Steffen selbstredend ebenfalls klaglos ertragen und öffentliche Kommentare zum peinlichen Sachverhalt stets charmant umschifft.

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Steffen trägt Mit-, aber nicht Hauptschuld

Ob der Rheinländer sich wohl manchmal gefragt hat, ob er hier versehentlich in einem Karnevals-Verein gelandet ist, statt im altehrwürdigen grün-weißen Familien-Betrieb? Seine Ära an der Weser wird als Fußnote in die Werder-Geschichte eingehen. Ohne eigenes Verschulden? Nein, das sicher nicht!

Aber die Hauptverantwortung für die derzeit wieder mal desolate Lage am Osterdeich ist nicht im Trainerbüro zu suchen - sondern ein paar Stockwerke höher in der Teppich-Etage.

Mehr zum Autor Sven Toellner

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