Am Mittwoch beginnt für Bundestrainer Joachim Löw nach der verkorksten WM der angekündigte Umbruch: Mit einer neuen, jungen Mannschaft will er das Nationalteam wieder an die Spitze und erfolgreich zur EM 2020 führen. Einer der Hauptakteure soll Leroy Sane werden.
Bereits in der vergangenen Saison spielte Sane bei seinem Verein Manchester City groß auf und wurde zum besten Youngster der Premier League gekürt. Der internationale Durchbruch sollte bei der WM in Russland folgen, doch Joachim Löw strich den damals 22-Jährigen völlig überraschend in letzter Sekunde aus dem finalen Aufgebot.
Ein herber Rückschlag für den Flügelflitzer, der ihn auch zu Saisonbeginn der aktuellen Spielzeit noch beschäftigte. Doch mittlerweile verzückt der Linksaußen wieder mit Zauberfußball à la Lionel Messi die Zuschauer. Sein sensationelles Freistoßstor gegen Ex-Klub Schalke 04 (zum VIDEO) unterstreicht die Klasse des gebürtigen Esseners eindrucksvoll. Im Rückspiel zerlegte er die Knappen beinahe im Alleingang. 31 Torbeteiligungen (14 Tore, 17 Vorlagen) stehen bei Sane diese Spielzeit insgesamt zu Buche.
Guardiola erkennt Sanes Talent früh
Pep Guardiola hatte das Talent früh erkannt und legte 2016 die stolze Summe von etwa 50 Millionen Euro für auf den Tisch und nahm ihn unter seine Fittiche. Auch dank des Katalanen ist der Linksaußen heute solch ein Ausnahmespieler und mittlerweile ein Vielfaches davon wert.
"Durch ihn (Pep Guardiola, Anm. d. Red.) habe ich mich natürlich stark weiterentwickelt. Aber auch durch das Niveau, auf dem ich spiele und durch meine Mitspieler. Es ist sein (Guardiolas, Anm. d. Red.) großes Ziel, jeden Spieler in der Mannschaft besser zu machen und an seinen Schwachpunkten zu arbeiten", findet der Nationalspieler lobende Worte für den Ex-Coach des FC Bayern.
Der 23-Jährige besticht durch seine Schnelligkeit, Dribblings und Zielstrebigkeit vor dem Tor. Sogar defensiv arbeitet Sane nun zunehmend mehr mit - ein Punkt, der ihm vor einem Jahr noch angekreidet wurde.
Löw lobt Entwicklung Sanes
Nach der desolaten WM baut auch Löw mittlerweile voll auf Sane und plant ihn trotz des jungen Alters sogar als Führungsspieler ein. Der Ex-Schalker ist wohl der einzige Spieler im deutschen Kader, der an guten Tagen auf absolutem Weltklasse-Niveau spielt.
Löw lobt die "außergewöhnlichen Fähigkeiten" des Dribblers und hebt dessen Entwicklungssprung hervor: "Er hat bei Manchester City schon an die Leistungen der vergangenen Saison angeknüpft, gerade in der Champions League", so der Bundestrainer. Und weiter: "Was mir aber wichtiger war, war seine Entwicklung bei uns, bei den Spielen in der Nations League. Er war wahnsinnig gefährlich, hat seine ersten Tore erzielt und seine Aufgabe sehr, sehr gut gemacht."
Ob der Tempodribbler die Erwartungen an ihn erfüllen kann? Teamkollege Lukas Klostermann sieht Sane zumindest auf dem richtigen Weg:
"Ich finde, dass das Thema Führungsspieler nicht zwingend etwas mit dem Alter zu tun hat. Wenn ich mir die Entwicklung von Leroy ansehe, hat er sehr, sehr viel richtig gemacht", so der Rechtsverteidiger vor dem Länderspiel gegen Serbien: "Deswegen kann man sich daran orientieren - egal, ob derjenige genauso alt ist oder ein paar Jahre älter. Das macht für mich gar keinen Unterschied."
Sane Teil von Toures "Ultimate-Team"
Für City-Legende Yaya Toure, der von 2010 bis 2018 für die Citizens auflief, ist Sane bereits jetzt einer der besten Spieler, mit denen er in seiner illustren Karriere zusammenspielte.
Bei Sky Sports wählte der Stratege der Elfenbeinküste den City-Star nämlich in sein "Ultimate-Team". Neben dem Nationalspieler finden sich in dieser Elf Legenden wie Lionel Messi, Samuel Eto'o, Thierry Henry, Carles Puyol oder Andres Iniesta. Einige Stars wie David Silva, Raheem Sterling, Thiago oder Kevin de Bruyne fehlen dagegen.
Zweiter deutscher Weltfußballer nach Matthäus?
Das zeigt die Wertschätzung, die Sane bei Kollegen genießt. Auch zahlreiche Experten sehen in ihm einen kommenden Weltfußballer. Das bestätigt Sane selbst in einem Interview mit der englischen Zeitung The National im März 2018: "Ich wurde oft gefragt, ob ich an den Ballon d'Or denke. Es ist viel zu früh dafür, besonders für seine Trophäe. Es wäre schön, wenn ich das in Zukunft erreichen könnte, aber nicht jetzt."
Ein Jahr ist seitdem vergangen und Sane hat den nächsten Sprung gemacht. Wenn er sich so weiterentwickelt, könnte der Titel des Weltfußballers bald tatsächlich Realität werden. Er wäre der erst zweite Deutsche nach Lothar Matthäus, der diesen Titel holen würde. Der Sky Experte wurde im Jahr 1991 zum besten Spieler des Planeten gekürt...