Heidenheims Schlussmann Kevin Müller verlängerte kürzlich seinen Vertrag um stolze fünf Jahre beim 1. FC Heidenheim. Im Gespräch mit Sky Reporter Christian Akber-Sade spricht der 29-Jährige über die Gründe, seine neue Heimat, den Kampf um den Aufstieg und mögliche Vorbilder.
Heidenheims Torhüter Kevin Müller über...
... seine Vertragsverlängerung: Fünf Jahre ist es ein klares Statement von Vereinsseite aus. Das zeigt auch Vertrauen. Das möchte ich natürlich zurückzahlen. Ich möchte einfach zeigen, dass ich von dem Weg, den wir gehen oder bis jetzt auch gegangen sind, vollkommen überzeugt bin. Dass ich davon überzeugt bin, in welche Richtung die Entwicklung geht. Und dass ich zu 1000 Prozent dahinterstehe.
... seine Wahlheimat Heidenheim: Heidenheim ist einfach unglaublich familiär für mich und mittlerweile meine Heimat geworden. Wir sind seit fünf Jahren hier und fühlen uns einfach mega wohl. Meine Frau ist unglaublich gut angekommen. Der Kleine ist mittlerweile mehr Schwabe geworden, als viele sich das vorstellen können. Und deswegen ist es einfach immer wieder schön, hier morgens wach zu werden, aufs Schloss zu schauen, und es ist auf jeden Fall eine kleine Liebe entstanden.
... seine Schwäbisch-Fähigkeiten: Wir versuchen es immer in der Mannschaft - wir haben ja noch ein paar Jungs, die nicht aus dem Schwabenland kommen. Wir versuchen, uns das ein bisschen anzugewöhnen, aus Spaß. Aber ich kann es leider noch nicht so gut wie mein Sohn zumindest.
... seine sportlichen Vorbilder: Es ist immer schwierig, weil ich habe nicht den Einen, wo man sagt 'Okay, bei dem schaust du dir jetzt alles ab'. Klar, man versucht sich bei allen was abgucken. Ich glaube, Manuel Neuer ist nach wie vor immer noch einer der besten Torhüter der Welt. Aber man schaut auch bei vielen anderen, wie die es machen und es lösen.
... seinen Onkel Martin Pieckenhagen: Martin war damals schon schon ein Held meiner Jugend und ich habe mir wahnsinnig viel bei ihm abgeschaut oder habe es zumindest versucht. Neben seinen Qualitäten auf dem Platz war für mich auch seine Arbeitseinstellung zum Beruf Profifußballer immer sehr beeindruckend - und das habe ich versucht, dann auch mitzunehmen. Wenn ich die alten Videos aus den Tagen damals in Rostock oder später dann beim HSV sehe: Das war schon cool. Das war auch so mein erstes Stadionerlebnis, das ich in Rostock damals hatte. Im alten Ostsee-Stadion mit einer schönen Aschenbahn. Und da war dieses ominöse Spiel gegen Bayern, als er versuchte, gegen Giovane Elber an der Eckfahne auf Tunnel zu spielen.
... die Bundesliga: Da wollen wir alle hin, irgendwann mal, oder? Ich glaube, das ist ganz normal. Jeder, der in der zweiten Liga spielt, möchte mal erste Liga spielen. Das ist genauso wie jeder, der in der Dritten Liga spielt irgendwann in die 2. Bundesliga will. Jeder möchte dahin, wo die Besten sind. Und in Deutschland ist das nun mal die Bundesliga, da wollen wir als Mannschaft hin. Dafür arbeiten wir jeden Tag hart und verzichten auf viele Sachen. Die Familie hat es manchmal nicht einfach und deswegen ist das das große Ziel, keine Frage.
... die fünf ausgelassenen Chancen, auf einen Aufstiegsplatz zu springen: Es ist verrückt. Es ist klar, dass man sich darüber auch Gedanken macht, warum das manchmal so ist, dass man sogenannte Bigpoint-Spiele nicht nicht zu seinen Gunsten entscheidet. Aber die Liga ist teilweise so ausgeglichen - was sind in dieser Liga schon Spiele, wo du sagst, die gewinnst du sicher? Deswegen sehe ich das eigentlich relativ entspannt, denn wir sind nach wie vor in einer sehr guten Position. Und darum geht es jetzt auch, den Druck weiter aufrecht zu erhalten auf den HSV und auch auf den VfB. Wir wollen einfach dranbleiben und die Jungs spüren lassen, dass wir da sind, sobald sie einen Fehler machen. Und wenn wir es vielleicht fünf Mal nicht genutzt haben, dann werden wir es beim sechsten Mal machen.
... ob er lieber Jäger oder Gejagter ist: Das ist eine philosophische Frage, denn da sind wir beim Mentalen. Der Gejagte hat immer das Gefühl, dass er etwas verlieren könnte. Jäger haben immer das Gefühl, dass sie etwas gewinnen können. Aktuell sind wir in der Verfolgung, in der Jäger-Position. Das heißt natürlich aber auch, dass wir eine große Chance haben, weil sind wir ein Jäger ohne Chance? Das ist glaube ich nicht und deswegen sind wir natürlich gerne in dieser Position - weil das heißt, wir können auf jeden Fall etwas gewinnen.
... die Erwartungshaltung in Heidenheim: Die Position hier ist natürlich einfacher als in Hamburg. Man kann sich so ein bisschen zurücklehnen und sagen 'Wir müssen ja nicht'. Die anderen müssen, wir können. Andererseits weiß man, dass man jetzt einfach diese Möglichkeit hat und vielleicht noch nie so nah dran war.
... ein mögliches Duell um den Aufstieg gegen den HSV am 33. Spieltag: Wir haben nun mit Regensburg ein wichtiges Spiel. Das ist eine Mannschaft, die uns nicht sonderlich liegt, wie die letzte Zeit gezeigt hat. Und dann ist auch noch eine schwere Partie in Fürth am Dienstagabend auf dem Programm. Ich glaube, wir sollten erst mal unseren Fokus auf Regensburg legen und dann auf Fürth, denn wenn wir da unsere Hausaufgaben nicht machen, wird es schwer. Deswegen ist es das erst mal eine Grundlage, die zwei Spiele gut zu bestreiten, um sich dann vielleicht auf ein schönes Heimspiel gegen den HSV zu freuen. Aber da sind die Gedanken erstmal noch nicht so weit. Wie gesagt, es geht darum, jetzt erst mal die zwei Spiele gut beziehungsweise sehr gut zu bestreiten.