Der HSV ist abgerutscht von den Aufstiegsplätzen. Überraschend kommt das nicht: Seit Wochen quält sich der HSV durch seine Spiele. Ein weiteres Jahr in der 2. Bundesliga wäre für den Klub allerdings eine mittelschwere Katastrophe.
Auf einmal Vierter. Am vergangenen Wochenende ist das eingetreten, wovon sie in Hamburg seit Wochen Albträume haben. Der HSV ist von den Aufstiegsplätzen abgerutscht, überholt von Paderborn und Union Berlin.
Diese Situation hatte sich lange angedeutet: Seit sechs Spielen in der Liga sieglos. Vierzehnter in der Rückrundentabelle. Zudem hat der HSV die schlechteste Tordifferenz der Aufstiegskandidaten. Man war sich sicher, dass das mit der direkten Rückkehr in die Bundesliga klappt. Nach der Hinrunde waren die Rothosen noch Tabellenführer, sogar vor dem 1.FC Köln. Jetzt droht der "Nicht-Aufstieg": Was würde das für den Verein bedeuten?
Teuerster Kader der Liga liefert nicht
Keine Frage, nicht nur sportlich ist der der Aufstieg absolute Pflicht. Der HSV leistet sich nach Informationen der Bild mit einem Gehalts-Etat von 28,5 Millionen Euro den teuersten Kader der 2.Liga. Grund dafür sind auch einige Altlasten beziehungsweise Karteileichen: So stehen zum Beispiel Bobby Wood, zurzeit an Hannover 96 ausgeliehen, oder der verletzte Kyriakos Papadopoulos ganz oben auf der Gehaltsliste. Auch Spieler wie Lewis Holtby oder Pierre-Michel Lasogga sind Großverdiener im Unterhaus.
Holtby wird den Verein nach seiner Suspendierung im Sommer verlassen und auch Lasogga wird wahrscheinlich nicht bleiben. Auch im Fall von Hannover-Rückkehrer Bobby Wood ist eine endgültige Trennung wahrscheinlich, um sich finanziellen Spielraum zu verschaffen. Eine weitere Saison im Unterhaus mit einem ähnlichen Gehalts-Etat wie in dieser Spielzeit wäre wohl ohnehin nicht zu stemmen.
Enorme Schulden: Aufstieg finanziell ein Muss
In Hamburg sitzt man auf einem immensen Schuldenberg: Insgesamt stehen Verbindlichkeiten in Höhe von 85 Millionen Euro zu Buche. Und nach Ablauf dieser Saison wird sich dieses Bild noch weiter verfinstern, wenn der Umsatz wegen des Bundesligaabstiegs einbricht und der angekündigte Jahresverlust von 20 Millionen Euro den Schuldenstand wohl noch weiter ansteigen lassen wird.
Nach Informationen der Sport Bild soll die DFL dem HSV bereits positive Signale in Sachen Lizenzunterlagen gegeben haben. Der Etat für die Erste Liga soll demnach bei rund 40 Millionen Euro liegen. Sollte der HSV den Aufstieg doch noch verpassen, planen die Verantwortlichen mit einem Etat von rund 25 Millionen Euro.
Hansestadt lechzt nach Bundesliga
Auch das Umfeld erwartet den direkten Wiederaufstieg - und das spürt der Trainer. Hannes Wolf sagte in der Pressekonferenz vor dem Spiel an der alten Försterei: "Es ist ja nicht neu, dass hier beim HSV Druck da ist, dass Dampf drauf ist. Und deswegen hoffe ich, dass die Nerven und die Konzentration haben, um in den entscheidenden Momenten da zu sein."
Das klappte in Berlin nicht. Die Erwartungshaltung einer ganzen Stadt lastet auf der Mannschaft. Und dieser Druck scheint zu lähmen. Dennoch genießt der Trainer Rückendeckung von ganz oben.
Schweres Restprogramm für den HSV
Das Aufstiegsrennen ist noch nicht gelaufen. Mit neun Punkten aus den verbleibenden drei Spielen wäre man sicher Dritter, hieße Relegation. Am vorletzten Spieltag geht's nach Paderborn und man kann den Ostwestfalen im direkten Duell noch Punkte klauen. Außerdem muss der HSV noch gegen die Abstiegskandidaten Duisburg und Ingolstadt ran.
"Unsere langfristige Vision ist, dass wir den HSV bis 2024 wieder zu einem ernst zu nehmenden Verein in der Bundesliga gemacht haben." Das sagte HSV-Boss Bernd Hoffmann im März. Man hatte gerade mit 4:0 das Stadtderby gegen den FC St.Pauli gewonnen.
Seitdem holte der HSV drei Punkte aus sechs Spielen - und ist auf einmal Vierter.