Die "Feierlichkeiten" nach dem Gewinn der sechsten Meisterschaft in Folge für den FC Bayern München fasste Trainer Jupp Heynckes so zusammen: "Wir haben in der Kabine bei guter Musik angestoßen." Was etwa so ausgelassen klingt, wie ein 60. Geburtstag im Schachklub war vom Coach genau so geplant.
"Nein, wir wollen nicht feiern", verriet Heynckes am Samstagnachmittag exklusiv am Sky Mikrofon. Schließlich steht bereits am Mittwoch das Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Sevilla am Mittwoch (ab 19:00 Uhr live auf Sky und im Liveblog auf skysport.de) auf dem Programm. Die Ausgangslage ist durch den 2:1-Sieg im Hinspiel zwar gut, doch das K.o.-Spiel dürfte den Bayern mehr abverlangen als zuletzt die nationale Konkurrenz - wie beispielsweise Borussia Dortmund oder der HSV.
Bayerns Meisterjubel "fehlt das Salz in der Suppe"
Auch deshalb freuten sich die meisten Bayern-Stars eher professionell über den erneuten Meistertitel. Das gefällt natürlich nicht jedem. "Da fehlt Salz in der Suppe. Dieser Wow-Faktor, wo sich alle in den Armen liegen, fehlt", kritisierte Journalist Lars Wallrodt am Sonntag bei "Wontorra - der KIA Fußball-Talk" die Euphorie-Bremse der Bayern. "Die Meisterschaft nehmen die Bayern im Vorbeigehen mit. Natürlich freut man sich, aber einen befreienden Jubel, wie es beim Gewinn der Meisterschaft sein sollte, gab es nicht. Und das ist traurig für die Liga", so der Welt-Reporter.
Sky Experte Didi Hamann entgegnete, dass dies vor allem das Problem der schwachen Konkurrenz und nicht des FC Bayern sei. Für MML-Podcaster Lucas Vogelsang ist vor allem Jupp Heynckes schuld. "Diese Dominanz kommt durch seine große Leistung."
Die gefühlte Stimmung der Fans brachte unterdessen die Satire-Website Der Postillon auf den Punkt. "Bayern-Fan feiert Meisterschaft, in dem er Mundwinkel für zwei Sekunden nach oben zieht", lautete die Schlagzeile zum 28. Meistertitel.
Und natürlich gab es auch am Samstag tatsächlich keinen spontanen Fan-Autokorso durch die Münchener Innenstadt, wie man es von Anhängern anderer Klubs kennt. Dieses Spektakel wäre aber wohl auch ohne Heynckes' Feierverbot ausgeblieben.
Sogar Sandro Wagner wird zum Partyschreck
Der geniale Altmeister hält vor dem Königsklassen-Duell gegen Sevilla die Euphorie unter Kontrolle. Selbst der eher unkonventionelle Sandro Wagner mutiert brav zum Party-Schreck. "Wir haben viele Spieler, die schon über 30 sind und da braucht man etwas mehr Regeneration im Hinblick auf Mittwoch. Aber am Ende der Saison werden wir es dann exzessiv feiern", sagte der 30-Jährige nach seiner zweiten deutschen Meisterschaft mit einem Schmunzeln.
Für pure Emotionen sorgt dafür das neue und gewagte Spezial-Meister-Shirt aus dem FCB-Fanshop: Mit einem aufgedruckten Muskel-Sixpack können die Bayern-Anhänger sich damit passend zum sechsten Titel in Serie kleiden. Das modische Meisterstück bringt vor allem das Blut der Bayern-Hasser auf Facebook, Instagram und Twitter in Wallung. Immerhin echte Emotionen.