Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen der Fußballwelt. Dieses Mal spricht der Rekord-Nationalspieler über den Kampf hinter den Bayern, den CL-Druck der Dortmunder und den Abstiegskampf.
Die Bundesliga ist verdammt spannend. Nur ganz oben nicht mehr. Wie im wahren Leben wird die Luft am Gipfel eben dünn. Und da steht auch in diesem Jahr mit ziemlicher Sicherheit am Ende zum 9. Mal in Folge der FC Bayern München.
Sieben Punkte auf den Zweiten aus Leipzig, zehn auf die drittplatzierten Wolfsburger oder gar 13 auf den BVB. Hätten die Bayern sieben Zähler Rückstand, würde es nochmal spannend werden, aber in dieser Konstellation glaube ich nicht daran.
Kampf um Europa ist brutal
Aber von Platz zwei bis sieben ist es so eng wie selten zuvor. Der Kampf um Europa ist brutal. Auch und vor allem dank der überragenden Arbeit, die in Wolfsburg und Frankfurt geleistet wird.
Da sieht man, was auch mit weniger Möglichkeiten erreicht werden kann. Bei diesem beiden Klubs glänzt man mit Zusammenhalt, Ruhe, Fokussierung, guten Transfers und Köpfchen auf und neben dem Platz.
Leipzig hat bereits ein gutes Polster und ist in der Pole-Position für die Champions League. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie auch dieses Jahr unter den ersten vier landen. Eine seriöse Prognose für die beiden anderen Plätze ist kaum abzugeben.
Noch mehr Konkurrenz für BVB
Es ist den Dortmundern als gefühlte 2. Kraft in Deutschland zu wünschen, dass sie ihr großes Ziel erreichen und die Bundesliga in der global prestigeträchtigen und finanziell so wichtigen Champions League vertreten. Sie haben ohne Zweifeln einen tollen Kader (vielleicht den besten hinter Bayern) und ganz feine Spieler.
Das ist bekannt und wurde oft genug erwähnt. Das allein bringt nur leider keinen Champions-League-Platz. Erst recht nicht, wenn plötzlich zwei Teams auftauchen, die die wenigsten auf dem Zettel hatten und nun noch mehr Konkurrenz für eben den BVB, Gladbach, Leverkusen und Leipzig sind. Die Dortmunder müssen viel stabiler werden und haben von all diesen Vereinen den größten Erfolgsdruck. Den haben sie sich über viele Jahre erarbeitet und Erfolg verpflichtet nun mal.
Abgesehen davon, dass die interne und öffentliche Erwartungshaltung bei den Wölfen und der Eintracht nicht annähernd so groß ist, haben sie zudem keine internationalen Spiele und dadurch eine geringere körperliche Belastung und können sich auf die Bundesliga-Spiele besser vorbereiten und fokussieren. Frankfurt hat mit dem tollen Bobic-Coup von Luka Jovic einen Push bekommen und alle zusammen träumen zurecht wieder von magischen Europapokal-Nächten, wie sie in der Main-Metropole gerne gefeiert werden. In Wolfsburg regiert die ruhige und besonnene Hand. Sowohl Glasner als auch Schmadtke spucken keine großen Töne, arbeiten ehrgeizig und mit einem klaren Plan, der fast Woche für Woche aufgeht.
Und dann sind da natürlich noch Gladbach und Leverkusen. Es bleibt in dieser Region spannend bis zum letzten Spieltag.
Schalke in akuter Abstiegsgefahr
Unten in der Tabelle ist es im Grunde ein fast identisches Bild nur andersherum. So sicher die 9. Meisterschaft in Folge für den FC Bayern bevorsteht, so akut steckt der FC Schalke 04 in Abstiegsgefahr. Der Abstand zum rettenden Ufer ist sogar noch größer als der Vorsprung der Bayern auf Platz zwei.
Schalke braucht dringend Siege. Mit Unentschieden kommen sie nicht mehr vom Fleck. Durch den Sieg der Kölner gegen Bielefeld ist die Situation für Schalke noch verheerender geworden.
Auch im Keller haben Mannschaften wie Bielefeld mit weitaus weniger Möglichkeiten viel mehr aus sich herausgeholt als Schalke, Hertha oder Mainz. Für die 05er sieht es auch alles andere als gut aus. Das riecht schon ziemlich nach Abstieg - Hand in Hand mit Königsblau.
Dardai muss Team formen
Rein von der Punkteausbeute steckt natürlich auch die Hertha im sportlichen Überlebenskampf. Die kommenden Gegner heißen Bayern, Stuttgart, Leipzig, Wolfsburg. Angenehm ist anders. Aber die Berliner versuchen aktuell wirklich alles. Kluge Köpfe an der Spitze. Geld vom Investor, sowie Transfers wie Khedira und Co. könnten helfen.
Dazu haben sie mit Dardai einen Trainer, wie er besser nicht passen könnte. Er muss es jetzt schaffen, aus den guten Spielern ein wahres Team zu formen. Dann müsste es eigentlich nach oben gehen.