Ex-Gladbach-Star Granit Xhaka war 2019 kurz davor den FC Arsenal zu verlassen. Gebrochen war sein Verhältnis mit den Fans der Gunners, wie nun erklärte. Er wollte weg.
Der Knackpunkt, der das Verhältnis zwischen Granit Xhaka und den Fans des FC Arsenal nachhaltig veränderte, war das 2:2 der Gunners gegen Crystal Palace. Arsenal führte früh mit 2:0, ließ sich das Spiel aber schnell wieder aus der Hand nehmen. Arsenal war damals schwach in die Saison gestartet, hatte mit dem Titelkampf nach zehn Spieltagen nichts mehr zu tun und schon früh vier Punkte Rückstand auf den ersten Champions-League-Platz. Die Fans waren bedient. Sie brauchten einen Sündenbock. Und den fanden sie in ihrem Kapitän.
Als Xhaka in besagter Partie nach 61 Minuten ausgewechselt wurde, pfiffen und buhten ihn die eigenen Anhänger im heimischen Emirates Stadium aus. Der Schweizer wurde zur Zielscheibe von Anfeindungen aus dem eigenen Fan-Lager, musste sogar Morddrohungen ertragen. In Summe führte das beinahe zu einer folgenschweren Entscheidung, wie er nun auf The Players' Tribune erklärte.
Taschen waren gepackt - Xhaka war bereit, den Flieger zu betreten
"Meine Taschen waren gepackt. Die Pässe waren draußen. Ich war fertig mit Arsenal. Aus und vorbei", schreibt der Mittelfeld-Star auf dem Portal und berichtet über seine schwere Zeit bei den Londonern, die er in den zwei Monaten nach dem Palace-Spiel erlebt hatte. "Es lag ein Vertrag von einem anderen Verein auf dem Tisch, und ich musste nur noch unterschreiben. Ich hatte mit meiner Frau Leonita gesprochen, und wir hatten beschlossen zu gehen. Ich musste nur noch Mikel (Arteta, Anm. d. Red.) Tschüss sagen und dann wären wir ins Flugzeug gestiegen."
Er wollte bei der Auswechslung gerade das Feld verlassen, als die Buhrufe anfingen. "Und es waren nicht nur ein paar Leute in der Ecke - es waren eine Menge Leute", so Xhaka. Er sei schockiert gewesen und habe so etwas noch nie zuvor erlebt. "Als ich in die Nähe des Tunnels kam, schaute ich zu den dort sitzenden Fans hoch - und das ist der Teil, an den ich mich immer erinnern werde. Wenn ich jetzt die Augen schließe, kann ich immer noch ihre Gesichter sehen. Ich kann ihre Wut sehen. Es ist nicht so, dass sie mich nicht mögen. Nein, es ist etwas anderes. Es ist Hass. Purer Hass."
Arteta überzeugte ihn vom Verbleib
Grundsätzlich habe Xhaka kein Problem mit Kritik. Dass er aber als Kapitän von den eigenen Fans niedergepfiffen wurde, empfand er als respektlos. "Die Kommentare haben eine Grenze überschritten". Xhaka selbst zeigt sich einsichtig. Er selbst habe auch Fehler gemacht in dieser Situation: "Ich habe zurückgeschimpft, mir ein Ohr zugehalten, und als ich das Spielfeld verließ, warf ich mein Trikot auf den Boden und ging in den Tunnel. War es falsch, was ich getan habe? Ja. Aber würde ich etwas anders machen, wenn es morgen wieder passieren würde? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht."
Sein Vater riet ihm damals zum Wechsel: "Es ist Zeit zu gehen", sagte er. Doch Mikel Arteta konnte ihn von einem Verbleib überzeugen. Der Spanier, der kurz zuvor Emery beerbte, habe ihm erzählt, welch großen Teil Xhaka in seinen Planungen spiele. "Ich mochte seine Herzlichkeit. Er war ehrlich, direkt. Klare Pläne. Ich spürte, dass ich ihm vertrauen konnte. Er sagte mir, ich solle ihm sechs Monate Zeit geben, um mir das Gegenteil zu beweisen, und wenn ich dann immer noch gehen wolle, sei das kein Problem."
Verhältnis zu den Fans wird nie wieder so sein, wie es einmal war
Danach habe Xhaka seiner ungläubigen Frau erklärt, dass sie die Koffer wieder auspacken könne. Der heute 29-Jährige hatte in den folgenden Monaten den Spaß am Arsenal-Fußball zurückgewonnen, schränkt aber ein: "Es ist wie zerbrochenes Glas, weißt du? Man kann es zusammensetzen, aber die Risse werden immer da sein." Trotzdem liebe er Arsenal.