Im Ryder Cup (Fr. - So. LIVE auf Sky im TV und Stream) treffen die jeweils besten zwölf Spieler aus Europa und den USA aufeinander. Sky Kommentator Gregor Biernath erklärt im Interview, was die Faszination ausmacht, welche Aufgabe Martin Kaymer hat und warum er Team Europe gegenüber den USA im Vorteil sieht.
skysport.de: Gregor, was ist das Faszinierende am Ryder Cup?
Gregor Biernath: Der Ryder Cup ist ein Team Event mit einer seit Jahrzehnten andauernden Rivalität. Die Europäer mit Schottland als "Home of Golf" gegen die Amerikaner, die eigentlich schon immer die besseren Einzelspieler hatten und die größte Golfnation sind. Die Rivalität rührt daher, dass die Europäer eigentlich immer die Underdogs sind und die USA für sich beanspruchen, die Besten der Welt zu sein. Ein weiterer Punkt ist, dass der Ryder Cup einfach zu verstehen ist: Zwölf gegen zwölf, Mann gegen Mann, Par gegen Par. Alles ist auch für Nicht-Golfer sehr gut nachzuvollziehen.
skysport.de: Mit welchen anderen großen Sportevents kann man den Ryder Cup vergleichen?
Biernath: Ein Vergleich mit anderen großen Sportevents ist schwierig. Die mediale Aufmerksamkeit ist aber beim Ryder Cup weltweit wahnsinnig, die Leute gucken sich das auch in Singapur und Australien an. Der Ryder Cup ist im Golf neben dem Masters DAS Ereignis überhaupt. Ich habe viele Leute im Freundeskreis, die nicht selbst Golf spielen, sich aber den Ryder Cup anschauen.
skysport.de: Bei der letzten Auflage in Frankreich herrschte eine unglaubliche Stimmung. Was erwartet die Spieler in Wisconsin? Sind amerikanische Fans anders drauf als Europäer?
Biernath: Die amerikanischen Fans sind vielleicht nicht ganz so einfallsreich und nicht ganz so objektiv und fair wie es in Europa der Fall ist. Es kann dort schon etwas heißer zugehen. Der Platz in Whistling Straits hat viele Hügel, die als natürliche Tribünen genutzt werden. Wenn sich dort Tausende Fans versammeln, wird die Stimmung dort auch grandios sein.
skysport.de: Wie kann man sich die Stimmung innerhalb der Teams vorstellen? Welche Aufgaben haben die Kapitäne und deren Co-Kapitäne, von denen einer beim Team Europe ja Martin Kaymer ist?
Biernath: Die Vize-Kapitäne agieren als Berater, denn der Kapitän, bei den Europäern ist es der Ire Padraig Harrington, ist auf dem Platz unterwegs und kann nicht alle Spieler auf einmal sehen. Martin Kaymer ist nicht zuletzt deshalb ausgewählt worden, weil er 2010 auf diesem Platz die PGA Championship gewonnen hat. Er kennt sich dort aus und ist zudem ein ruhiger, sachlicher Typ, der aber trotzdem die Spieler motivieren kann. Henrik Stenson hat auch schon diverse Ryder Cups gespielt. Das sind alles Jungs, die wissen, wie die Abläufe sind und wie man unter Druck spielt. Das hilft gerade den Rookies sehr.
skysport.de: Erzähle uns doch bitte etwas über die Spieler ...
Biernath: Über einzelne Spieler zu sprechen, damit könnte man ganze Seiten füllen. Was das europäische Team angeht: Sergio Garcia lebt für den Ryder Cup, der Spanier ist ein Motivations-Wahnsinniger, der die anderen mitreißt. Sein Landsmann Jon Rahm ist Weltranglisten-Erster, der Österreicher Bernd Wiesberger und der Norweger Viktor Hovland sind Rookies im Feld. Hovland ist erst vor zwei Jahren vom College gekommen, hat schon erste Turniere gewonnen und ist einfach ein Knaller. Und natürlich Ian Poulter. Er hat den Spitznamen "The Postman", weil er vor einigen Jahren beim Ryder Cup einen Sieg in seinem Einzel vorhergesagt hat. Weil er gewonnen und damit auf Bestellung geliefert hat, bekam er diesen Namen. Mit Poulter, Ian Westwood, Tommy Fleetwood, Matt Fitzpatrick, Paul Casey und Tyrrell Hatton sind viele Engländer dabei, dort steht der Ryder Cup auch besonders hoch im Kurs.
skysport.de: Auf wen wird es am Ende ankommen?
Biernath: Beim Ryder Cup kommt es auf jeden einzelnen an, du kannst dir keine Ausfälle erlauben. Wer wie gut drauf ist, das wird sich im Laufe der Turniertage zeigen.
skysport.de: Wer ist favorisiert und wer macht das Rennen?
Biernath: Das ist unheimlich schwer vorherzusagen, weil so viele Faktoren eine Rolle spielen. Von den Weltranglisten-Positionen her sind die Amerikaner die Favoriten. Aber sie hatten schon im Vorfeld interne Querelen. Brooks Koepka hat vor ein paar Wochen gesagt, dass Teamevents nicht unbedingt sein Ding sind, zudem verstehen sich Koepka und Bryson DeChambeau untereinander gar nicht. Die Amerikaner sind eher Einzelgänger. Kapitän Steve Stricker hat alle Hände voll zu tun, die Wogen zu glätten. Deswegen und vom Profil des Platzes her könnte ich mir vorstellen, dass die Europäer wieder sehr gute Chancen auf den Sieg haben.
skysport.de: Was ist das Besondere am Platz in Haven, Wisconin?
Biernath: Whistling Straits ist ein Links-ähnlicher Platz am Lake Michigan, der sehr viele Hügel und Bunker hat. Häufig kann man die Landezone nicht einsehen, da sind Mut und Selbstvertrauen gefragt. Die Amerikaner sind eher als Long Hitter bekannt, von daher liegt der Platz den Europäern vielleicht mehr. Wenn es windig wird, könnte auch das den Europäern entgegenkommen. Ich bin deshalb ein bisschen überrascht, dass die Amerikaner diesen Platz ausgewählt haben.
Das Interview führte Thorsten Mesch