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Martin Kaymer über den Golfsport in der Coronakrise

Kaymer erwartet 2020 keine Rückkehr auf die Tour

Sport-Informations-Dienst (SID)

22.04.2020 | 13:08 Uhr

Aktuell kann Martin Kaymer nicht den Golfschläger schwingen.
Image: Aktuell kann Martin Kaymer nicht den Golfschläger schwingen. © Imago

Der Weltreisende entdeckt seine Heimat: Martin Kaymer hat es sich in Düsseldorf nett gemacht. Eine Rückkehr auf die Tour erwartet er in diesem Jahr kaum noch.

Es muss nicht immer Augusta sein. Und auch nicht Tiger Woods. In diesem außergewöhnlichen Frühjahr ohne das US Masters an der Magnolia Lane reicht Martin Kaymer auch eine virtuelle Gegnerin, um die Sehnsucht nach der sportlichen Herausforderung zu stillen. In seiner Düsseldorfer Wohnung quält sich der Golfprofi auf dem Spinningrad, "und wenn dann Hannelore73 ein paar Punkte vor mir ist, denke ich: Das kann doch nicht sein!"

Wie so viele andere Sportler tastet sich Kaymer noch vorsichtig durch das neue Leben - ohne festes Ziel, dafür mit ungewohnten Einschränkungen. Der Weltreisende ist an die Heimat gebunden - und entdeckt ganz neue Seiten an sich. "Ich hätte nie gedacht, dass ich jetzt jeden Tag koche", sagt Kaymer im Interview mit dem SID und lacht: "Ich bin dabei sogar gar nicht so schlecht, zumindest bin ich noch am Leben."

Kaymer "froh, in Deutschland zu sein"

Ohne Corona wäre Kaymer jetzt in den USA, würde von Turnier zu Turnier reisen und wohl kaum darüber nachdenken, welche Pasta er kochen könnte. Doch das Bedürfnis nach seinem dritten Zuhause in Scottsdale/Arizona hält sich in Grenzen, derzeit ist Kaymer "unheimlich froh, in Deutschland zu sein", sagt er: "Jetzt, da schnell, konzentriert und ausdauernd agiert werden muss, wünschst du dir ein Land wie Deutschland. Das strahlt Souveränität aus."

Die Nachrichten von den "Millionen Arbeitslosen" in den USA erschüttern ihn. "Manche meiner amerikanischen Freunde sind extrem verzweifelt, weil sie merken, dass sich Donald Trump selbst widerspricht und dadurch an Glaubwürdigkeit verliert", sagt Kaymer. Kaum ansehen kann er sich die Bilder, die das Elend in den italienischen Krankenhäusern zeigten. Für Kaymer war schnell klar: Er muss in den Ländern helfen, "die mir am Herzen liegen."

Kaymer-Stiftung sammelt Geld

Über seine Helianthus-Stiftung sammelt der zweimalige Majorsieger Geld für ein Krankenhaus in Bergamo. "Italien war für mich immer ein extrem herzliches Land mit herzlichen Menschen, die einfach Hilfe brauchen", sagt er. Zu seinem Startkapital (50.000 Euro) sind weitere 16.000 Euro hinzugekommen. Kaymer (35) unterstützt damit außerdem die Caritas im Corona-Hotspot Heinsberg, Projekte in Südafrika und das Krankenhaus in seiner Heimatstadt Mettmann.

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Dort ist der einstige Weltranglistenerste Ehrenbürger, dort besucht er gelegentlich den Vater in der elterlichen Wohnung, findet in der Krise Ruhe. Dabei weiß Kaymer, wie privilegiert er ist. "Ich wohne nicht wie andere Familien in einer Zweizimmerwohnung, das weiß ich sehr zu schätzen", sagt er. Mit seinem Indoor-Golfsimulator bereitet er sich auf den Tag X vor, an dem es auf der Tour weitergeht, zudem arbeitet er an seiner Fitness, um die Basis für den Golf-Marathon zu legen, den er nach der Rückkehr auf die Grüns erwartet.

Kaymer rechnet 2020 nicht mit internationalen Turnieren

In diesem Jahr rechnet Kaymer allerdings nicht mehr mit internationalen Turnieren. "Ich sehe unheimliche Schwierigkeiten im Golf, vor allem, wenn ich an die Reisen denke. Wie sollen wir uns in einem Land treffen, wenn jedes Land andere Verordnungen hat? Und wann soll das funktionieren?", fragt Kaymer. Womöglich muss er noch monatelang auf das Comeback warten und sich so lange mit Hannelore73 duellieren.

Sport-Informations-Dienst (SID)

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