Handball-EM: Fünf Mutmacher für das DHB-Team

Vor Kroatien-Knaller: Fünf Mutmacher für das DHB-Team

Von Sky Sport

Nach der zähen Vorrunde hat sich die deutsche Nationalmannschaft bei der Handball-EM im ersten Hauptrundenspiel gegen Weißrussland den Frust von der Seele gespielt. Die Leistung macht Mut für die Partie gegen Kroatien am Samstag.

Sky Sport nennt fünf Mutmacher für das vorentscheidende Duell gegen Kroatien.

Alle Kolumnen von Stefan Kretzschmar

Stefan Kretzschmar spricht in seiner Kolumne über die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs.

Timo Kastening - der Überraschungsmann:

"Wie heißt du?" Durch die Frage von Bundestrainer Christian Prokop während einer Auszeit im ersten EM-Spiel gegen die Niederlande wurde der Name Timo Kastening auf einen Schlag auch vielen Nicht-Handball-Experten ein Begriff.

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"Timo", antwortete der 24-Jährige von der TSV Hannover-Burgdorf auf Prokops Frage trocken. Und genauso cool spielte er im weiteren Turnierverlauf auf. Gegen Weißrussland glänzte er als Ballräuber, pfeilschneller Gegenstoß-Spezialist und eiskalter Vollstrecker. So gelangen ihm sechs Treffer aus sechs Versuchen. Die EHF zeichnete ihn als "Man of the Match" aus.

Image: So Sieht der Turnierbaum der EM 2020 aus.

Kastening steht mit seiner Unbekümmertheit und Coolness symbolisch für das, was dem Rest der Mannschaft bis zum Donnerstag noch ein wenig gefehlt hatte: selbstbewusste Frechheit und Vertrauen in die eigene Stärke. Er verdrängte vor der EM den erfahrenen Patrick Groetzki aus dem Kader und im Turnier Tobias Reichmann, einen der Helden beim EM-Triumph 2016, auf die Bank.

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Von Groetzki hatte er den Job als Kabinen-DJ übernommen, vor dem ersten Spiel in Wien spielte er "Vienna Calling" von Falco. Gegen Kroatien steht Kastening vor seiner ersten großen internationalen Bewährungsprobe. Auf seinen zukünftigen Melsungener Vereinskollegen Reichmann wartet gegen Kroatien die wichtige Rolle des Siebenmeterschützen. Patzte er zu Beginn der EM noch vom Punkt, steigerte er sich im Turnierverlauf. Das ist auch nötig, denn gerade in engen Spielen kommt es auf jeden Treffer an.

Stabilität in der Abwehr - Steigerung in allen Mannschaftsteilen

Nach einer Vorrunde, in der er nur ein Schatten seiner selbst zu sein schien, steigerte sich Abwehr-Spezialist Patrick Wiencek im Spiel gegen die Weißrussen, gab der Mannschaft und Torwart Andreas Wolff die zuvor vermisste Sicherheit. Zusammen mit seinem Abwehrkollegen Hendrik Pekeler hielt er hinten dicht.

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Prognose Kroatien: Angeführt von Domagoj Duvnjak können die Kroaten nach einer starken Gruppenphase auch in der Hauptrunde in Wien auf die Fans setzen. Klarer Kandidat auf das Halbfinale.
Prognose Weißrussland: In der Vorrunde überraschten die Weißrussen. Das Ziel von Trainer Iouri Chevtsov war mit dem Einzug in die Hauptrunde bereits erreicht. Für mehr wird es wohl auch nicht reichen.
Prognose Österreich: Mit den Fans im Rücken erstaunlich stark in der Vorrunde. Die Fans träumen vom Halbfinale. Daraus wird aber voraussichtlich nichts, in der Hauptrunde wird wohl trotz Heimvorteil Endstation sein.
Prognose Spanien: Heißer Halbfinalkandidat. Die Spanier sind seit Jahren eine Macht. Erfahrung und jahrelanges Zusammenspielen des Titelverteidigers zahlen sich aus. Für Sky Experte Stefan Kretzschmar ein absoluter Favorit auf den Titel.
Prognose Tschechien: Die Tschechen sind schwer einzuschätzen. Spielten eine solide Gruppenphase, aber sicherlich kein Kandidat für das Halbfinale.
Prognose Deutschland: Spielten eine durchwachsene Gruppenphase. Das deutsche Team muss sich in allen Bereichen deutlich steigern. Stand jetzt, ist ein Einzug ins Halbfinale eher unrealistisch.
Prognose Ungarn: Gehören zu den Überraschungen der EM und gehen mit zwei Punkten in die Hauptrunde. In der stoßen die Osteuropäer aber vermutlich an ihre Grenzen.
Prognose Slowenien: Klassische Turniermannschaft. Kiels Miha Zarabec leitet bisher clever Regie, Klemen Ferlin hält stark. Halbfinale? Ist nicht unwahrscheinlich.
Prognose Schweden: Der Gastgeber enttäuschte in der Vorrunde. Das Team wirkte bisher nicht stabil. Mit dem Heimvorteil im Rücken und ohne Dänemark & Frankreich ist das Halbfinale trotzdem möglich, aber dafür bedarf es einer Steigerung.
Prognose Island: Schockten im ersten Spiel Dänemark und können in Topform fast jedes Team schlagen. Problem: Das Team ist zu abhängig von Aron Palmarsson. Nur wenn er in allen Spielen performt, könnte es vielleicht für die Finalrunde reichen.
Prognose Norwegen: An den Skandinaviern führt kein Weg vorbei. Ein Kandidat fürs Finale und absoluter Titelfavorit. Nach dem verpassten Weltmeister-Titel 2019 sind die Jungs um Welthandballer Sander Sagosen dran. Wenn nicht jetzt, wann dann?!
Prognose Portugal: Überraschungsteam des Turniers! Da geht noch mehr, aber obs fürs Halbfinale reicht? Wohl eher nicht, aber auf die nächsten Jahre dürfen sich Handball-Fans freuen.

Als Pekeler nach zwei Zeitstrafen rot-gefährdet war, kam Johannes Golla ins Spiel und fügte sich nahtlos ein. Der Flensburger, vor der EM noch aus dem Kader gestrichen und dann für Marian Michalczik ins Team gerückt, machte seine Sache gut und trug sich auch in die Torschützenliste ein.

Gegen Weißrussland erzielten alle deutschen Feldspieler mindestens einen Treffer. Auch ein Zeichen der Leistungssteigerung der gesamten Mannschaft.

Wolff im Turnier angekommen

Im Tor machte Andreas Wolff seine unglücklichen Vorrundenauftritte vergessen.

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Durch seine Körpergröße und sein selbstbewusstes Auftreten erscheint Wolff nach außen hin oft als jemand, den nichts aus der Fassung bringt. Es war aber zu spüren, dass ihm die schwachen Spiele in der Vorrunde zu schaffen gemacht hatten. Der Ex-Kieler ist ein sensibler Typ, der sich immer viel Verantwortung auflädt und sehr hohe Ansprüche an sich und seine Mitspieler hat. In der Vorrunde war dieser Rucksack offenbar zu schwer.

Umso mehr war dem 28-Jährigen nach dem Spiel gegen die Weißrussen seine große Erleichterung anzumerken.

Der Spaß ist zurück

Die Stimmung innerhalb der Mannschaft war eigentlich immer gut, aber in der Vorrunde hatte man Freude und Spielwitz auf der Platte vermisst. Gegen die Weißrussen war von Beginn an die Leichtigkeit erkennbar, die zuvor gefehlt hatte. Hatte Bundestrainer Prokop zuvor in seiner Ansprache einen sehr verkopften Eindruck hinterlassen, gab er am Donnerstag seinen Spielern am Ende einer Auszeit als Feedback ein "das macht Spaß" mit.

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Auch die Atmosphäre nach dem Umzug nach Wien scheint beflügelnd auf das DHB-Team zu wirken. Hatten sich in der Vorrunde in Trondheim insgesamt nur etwa 2500 Zuschauer in die Halle verirrt, waren es in Wien allein 4000 deutsche Fans. Die Stimmung erinnerte phasenweise an die Heim-WM im vergangenen Jahr.

Am Samstag werden die deutschen Anhänger zwar gegenüber den kroatischen Fans in der Unterzahl sein, aber das sollte das DHB-Team nicht beunruhigen.

Siege gegen Kroatien im Hinterkopf

Klar, Testspiele sind etwas ganz anderes als entscheidende Partien bei einem Turnier und die deutsche Mannschaft hat bei der EM einige Ausfälle zu beklagen, aber die deutsche Mannschaft hat bereits gezeigt, dass die Kroaten schlagbar sind. Im Oktober gewann das DHB-Team zunächst 26:25 in Zagreb und drei Tage später in Hannover mit 24:23. Auch diese Erfolge könnten zumindest kleine Mutmacher sein.

Bundestrainer Christian Prokop spricht vor der Partie gegen Kroatien.

Sollte Deutschland gegen Kroatien gewinnen und die Kroaten schlagen die Spanier, kommt es zu einem Dreiervergleich. Vorausgesetzt, dass die drei Mannschaften zuvor kein weiteres Spiel verloren haben. Alle drei Mannschaften haben in diesem Fall zwei Verlustpunkte.

Dann wird nicht mehr auf die Punkte geschaut, sondern auf das Torverhältnis im direkten Vergleich. Die hohe Niederlage gegen Spanien könnte dann zum Problem für Deutschland werden. Ein eindeutiger Sieg wäre deswegen umso wichtiger.

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