Handball-EM: Fünf Mutmacher für das DHB-Team
Vor Kroatien-Knaller: Fünf Mutmacher für das DHB-Team
18.01.2020 | 22:11 Uhr
Nach der zähen Vorrunde hat sich die deutsche Nationalmannschaft bei der Handball-EM im ersten Hauptrundenspiel gegen Weißrussland den Frust von der Seele gespielt. Die Leistung macht Mut für die Partie gegen Kroatien am Samstag.
Sky Sport nennt fünf Mutmacher für das vorentscheidende Duell gegen Kroatien.
Timo Kastening - der Überraschungsmann:
"Wie heißt du?" Durch die Frage von Bundestrainer Christian Prokop während einer Auszeit im ersten EM-Spiel gegen die Niederlande wurde der Name Timo Kastening auf einen Schlag auch vielen Nicht-Handball-Experten ein Begriff.
"Timo", antwortete der 24-Jährige von der TSV Hannover-Burgdorf auf Prokops Frage trocken. Und genauso cool spielte er im weiteren Turnierverlauf auf. Gegen Weißrussland glänzte er als Ballräuber, pfeilschneller Gegenstoß-Spezialist und eiskalter Vollstrecker. So gelangen ihm sechs Treffer aus sechs Versuchen. Die EHF zeichnete ihn als "Man of the Match" aus.
Kastening steht mit seiner Unbekümmertheit und Coolness symbolisch für das, was dem Rest der Mannschaft bis zum Donnerstag noch ein wenig gefehlt hatte: selbstbewusste Frechheit und Vertrauen in die eigene Stärke. Er verdrängte vor der EM den erfahrenen Patrick Groetzki aus dem Kader und im Turnier Tobias Reichmann, einen der Helden beim EM-Triumph 2016, auf die Bank.
Von Groetzki hatte er den Job als Kabinen-DJ übernommen, vor dem ersten Spiel in Wien spielte er "Vienna Calling" von Falco. Gegen Kroatien steht Kastening vor seiner ersten großen internationalen Bewährungsprobe. Auf seinen zukünftigen Melsungener Vereinskollegen Reichmann wartet gegen Kroatien die wichtige Rolle des Siebenmeterschützen. Patzte er zu Beginn der EM noch vom Punkt, steigerte er sich im Turnierverlauf. Das ist auch nötig, denn gerade in engen Spielen kommt es auf jeden Treffer an.
Stabilität in der Abwehr - Steigerung in allen Mannschaftsteilen
Nach einer Vorrunde, in der er nur ein Schatten seiner selbst zu sein schien, steigerte sich Abwehr-Spezialist Patrick Wiencek im Spiel gegen die Weißrussen, gab der Mannschaft und Torwart Andreas Wolff die zuvor vermisste Sicherheit. Zusammen mit seinem Abwehrkollegen Hendrik Pekeler hielt er hinten dicht.
Als Pekeler nach zwei Zeitstrafen rot-gefährdet war, kam Johannes Golla ins Spiel und fügte sich nahtlos ein. Der Flensburger, vor der EM noch aus dem Kader gestrichen und dann für Marian Michalczik ins Team gerückt, machte seine Sache gut und trug sich auch in die Torschützenliste ein.
Gegen Weißrussland erzielten alle deutschen Feldspieler mindestens einen Treffer. Auch ein Zeichen der Leistungssteigerung der gesamten Mannschaft.
Wolff im Turnier angekommen
Im Tor machte Andreas Wolff seine unglücklichen Vorrundenauftritte vergessen.
Durch seine Körpergröße und sein selbstbewusstes Auftreten erscheint Wolff nach außen hin oft als jemand, den nichts aus der Fassung bringt. Es war aber zu spüren, dass ihm die schwachen Spiele in der Vorrunde zu schaffen gemacht hatten. Der Ex-Kieler ist ein sensibler Typ, der sich immer viel Verantwortung auflädt und sehr hohe Ansprüche an sich und seine Mitspieler hat. In der Vorrunde war dieser Rucksack offenbar zu schwer.
Umso mehr war dem 28-Jährigen nach dem Spiel gegen die Weißrussen seine große Erleichterung anzumerken.
Der Spaß ist zurück
Die Stimmung innerhalb der Mannschaft war eigentlich immer gut, aber in der Vorrunde hatte man Freude und Spielwitz auf der Platte vermisst. Gegen die Weißrussen war von Beginn an die Leichtigkeit erkennbar, die zuvor gefehlt hatte. Hatte Bundestrainer Prokop zuvor in seiner Ansprache einen sehr verkopften Eindruck hinterlassen, gab er am Donnerstag seinen Spielern am Ende einer Auszeit als Feedback ein "das macht Spaß" mit.
Auch die Atmosphäre nach dem Umzug nach Wien scheint beflügelnd auf das DHB-Team zu wirken. Hatten sich in der Vorrunde in Trondheim insgesamt nur etwa 2500 Zuschauer in die Halle verirrt, waren es in Wien allein 4000 deutsche Fans. Die Stimmung erinnerte phasenweise an die Heim-WM im vergangenen Jahr.
Am Samstag werden die deutschen Anhänger zwar gegenüber den kroatischen Fans in der Unterzahl sein, aber das sollte das DHB-Team nicht beunruhigen.
Siege gegen Kroatien im Hinterkopf
Klar, Testspiele sind etwas ganz anderes als entscheidende Partien bei einem Turnier und die deutsche Mannschaft hat bei der EM einige Ausfälle zu beklagen, aber die deutsche Mannschaft hat bereits gezeigt, dass die Kroaten schlagbar sind. Im Oktober gewann das DHB-Team zunächst 26:25 in Zagreb und drei Tage später in Hannover mit 24:23. Auch diese Erfolge könnten zumindest kleine Mutmacher sein.
Sollte Deutschland gegen Kroatien gewinnen und die Kroaten schlagen die Spanier, kommt es zu einem Dreiervergleich. Vorausgesetzt, dass die drei Mannschaften zuvor kein weiteres Spiel verloren haben. Alle drei Mannschaften haben in diesem Fall zwei Verlustpunkte.
Dann wird nicht mehr auf die Punkte geschaut, sondern auf das Torverhältnis im direkten Vergleich. Die hohe Niederlage gegen Spanien könnte dann zum Problem für Deutschland werden. Ein eindeutiger Sieg wäre deswegen umso wichtiger.