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Handball News: Wolff und Gensheimer im Formtief

Trotz Formtief: Gislason setzt auf vermeintliche DHB-Stars

Yannik Taxis

24.01.2021 | 22:12 Uhr

Kapitän Uwe Gensheimer und Torhüter Andreas Wolff präsentieren sich bei der WM in schwacher Form.
Image: Kapitän Uwe Gensheimer und Torhüter Andreas Wolff präsentieren sich bei der WM in schwacher Form. © Imago

Es ist bislang nicht die WM des DHB-Teams. Zwei Niederlagen gegen Ungarn und Spanien, die man beide vermeiden hätte können. Das Problem: mangelnde Torhütertleistung der vermeintlichen Nummer eins und eine katastrophale Chancenverwertung.

Das ausgesprochene WM-Ziel der deutschen Nationalmannschaft, das Viertelfinale, ist in großer Gefahr. Es besteht nur noch eine geringe Chance weiterzukommen, die deutschen Handballer sind auf Schützenhilfe angewiesen. Schuld daran, sind die Schwächen in den eigenen Reihen. Die vermeintlichen Stars im DHB-Team - Torhüter Andreas Wolff und Kapitän Uwe Gensheimer - zeigen nicht die gewohnten Leistungen, sondern befinden sich bei der WM eher im Formtief.

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Wolff und Gensheimer zählen aktuell zu den größten Namen im deutschen Handball, bringen das bei dem Turnier in Ägypten aber nicht auf die Platte. Trotzdem setzt Bundestrainer Alfred Gislason auf die beiden Stars.

Mangelnde Wurfqoute des Kapitäns

Der sonst so treffsichere Kapitän der deutschen Mannschaft schafft es bei der WM nicht, sein Können zu präsentieren. Die Abschlussschwäche deutete sich bereits im ersten Gruppenspiel gegen Uruguay an. Gegen den Underdog gelangen Gensheimer gerade einmal drei Treffer. Der Routinier vergab dazu einen Strafwurf und mehrere freie Würfe.

Im entscheidenden Gruppenspiel gegen Ungarn kam Gensheimer nur von der Bank. Im wichtigen Hauptrunden-Spiel gegen Spanien setzte Gislason wieder auf seinen Kapitän - doch Gensheimer belohnte das Vertrauen nicht. Erneut kam der Mannheimer nur auf drei Treffer. Wieder vergab er einige Großchancen, darunter ein Tempogegenstoß, der in einer entscheidenden Phase neben dem Tor landete. Doch nicht nur diese Aktion lässt am 34-Jährigen zweifeln.

Schiller mehr als nur Ersatz?

Gegen Ungarn startete Gensheimers Ersatzmann Marcel Schiller. Bereits im Spiel gegen Uruguay machte Schiller den besseren Eindruck. Der Göppinger traf gegen den Underdog fünf Mal. Im letzten Vorrundenspiel zeigte der Linksaußen vor allem seine Nervenstärke an der Siebenmeter-Linie. Gegen den starken Roland Mikler traf der 29-Jährige alle vier Strafwürfe und erzielte dazu weitere drei Treffer.

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In Ägypten präsentiert sich Schiller besser als der Kapitän und drängt sich auf. Für Gislason aber kein Grund an seinem Kapitän zu zweifeln. Im wichtigen Spiel gegen die Iberer setzte der Coach wieder auf den schwächelnden Gensheimer. Schiller trat lediglich zu den Strafwürfen an.

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Auch Wolff zeigt Schwächen

Neben dem Löwen-Spieler präsentiert sich auch Torhüter Wolff nicht in Bestform. Vor dem Turnier wurde er noch als klare Nummer eins ausgerufen, lässt bei der WM aber noch auf diese Leistung warten. Zudem machte er abseits des Platzes mit Kritik an der coronabedingten Absagen-Flut seiner DHB-Kollegen auf sich aufmerksam. Im ersten Spiel gegen Uruguay setzte Wolff noch aus, gegen Ungarn spielte er von Beginn an.

All zu lange konnte sich Wolff aber nicht beweisen: Von 15 Torwürfen parierte der 29-Jährige nur zwei und wurde dann durch Oldie Johannes Bitter ersetzt. Der Stuttgarter spielt bislang ein solides Turnier, von seiner Bestform ist aber auch er noch ein Stück entfernt.

Kritik an Wolff

Trotz der unterirdischen Quote setzte Gislason im nächsten Spiel wieder auf seine Nummer eins. Die Folge: der Europameister von 2016 konnte in der Anfangsphase nur vier von 18 Würfen parieren. Deutschland hinkte den Spaniern im ersten Spielabschnitt die ganze Zeit hinterher. Immerhin folgte eine Reaktion: Wolff, der beim polnischen Topklub Vive Kielce unter Vertrag steht, wurde noch vor der Pause ausgewechselt.

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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht nach einer Pleite gegen abgezockte Spanier kurz vor dem WM-Aus.

Nach dem Spiel gegen Spanien äußerte sich Wolff selbstkritisch: "Mich ärgert das kolossal. Ich bin richtig, richtig sauer und tief enttäuscht." Im Internet sah sich Wolff daraufhin am Freitag beißendem Spott ausgesetzt. "Was hältst du von Spanien? Andi Wolff: 'Fast nichts", hieß es etwa auf Twitter:

"Er muss mit der Kritik leben"

Kritik, mit der ein erfahrener Mann wie Wolff umgehen können muss. Das Beste wäre dem Spott zu trotzen und in den kommenden Spielen endlich wieder eine Leistung zu zeigen, die man von ihm kennt. Diese Meinung vertritt auch der ehemalige Weltmeister und Sky Experte Henning Fritz.

"Er hat vor Turnierbeginn die Erwartungshaltung mit seinen Aussagen sehr hoch gesetzt. Wenn er die Erwartungen nicht erfüllt, dann muss er mit der Kritik leben. Das ist das Geschäft, dem muss Andi Wolff sich stellen, was er auch tun wird", sagte Fritz.

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Henning Fritz analysiert die Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien. (Video: 03:06 Minuten)

Möglicher Torwart-Wechsel steht bevor

Sowohl Wolff als auch Gensheimer haben beim Bundestrainer ein gewisses Standing. Dieses gilt es in den restlichen Spielen zu rechtfertigen und sich den verdienten Respekt zurück zu verdienen. Gensheimer wird seine Chance gegen Brasilien und Polen sicherlich bekommen.

Wolff bekommt dieses Vertrauen im Spiel gegen Brasilien nicht. Die eigentliche Nummer eins muss gegen das bedeutungslose Spiel auf die Tribüne. Gislason setzt auf das Gespann Bitter / Heinevetter. Einem Wechsel im Tor hatter er selbst vielleicht bereits geahnt: "Ich glaube, Alfred will das Training abwarten und will sehen, wie die Torhüter sich im Training präsentieren und dann eine Entscheidung treffen", sagte Wolff damals im Teamhotel.

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