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Kretzschmar: Bundesliga ist Fluch und Segen zugleich

Die Kolumne von Sky Experte Stefan Kretzschmar

Stefan Kretzschmar

11.05.2019 | 22:39 Uhr

Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs
Image: Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs © Sky

Sky Experte Stefan Kretzschmar beleuchtet in seiner Kolumne jede Woche die wichtigsten Themen aus der Welt des Handballs. Diesmal spricht er über die erneute Abstinenz einer deutschen Mannschaft im CL-Final-Four und wirft einen Blick aufs HBL-Topspiel Kiel vs. Flensburg.

Mit der SG Flensburg-Handewitt hat sich die letzte deutsche Mannschaft aus der Champions League verabschiedet. Gegen den ungarischen Vertreter Veszprem hat es der Truppe von Trainer Maik Machulla vor allem an einem gefehlt: Frische.

2:10
VELUX EHF Champions League: Die SG Flensburg-Handewitt fängt furios an, doch dann schleichen sich zu viele Fehler ein und Veszprem gewinnt auch das Rückspiel (Videolänge: 2:10 Minuten).

Veszprem hatte deutlich mehr Zeit, sich auf die beiden Duelle mit Flensburg vorzubereiten und sich darauf einzustellen. Sie hatten keine Spiele zwischen den beiden Partien gegen Flensburg und waren gerade vor dem Hinspiel top vorbereitet.

Und auch der Blick auf den Kader der Ungarn zeigt, dass dort nochmal eine andere Hausnummer in der Quantität der Qualität herrscht. Bei Veszprem spielen 22 Spieler auf absolutem Top-Niveau, die zudem sehr ausgeruht ins Champions-League-Viertelfinale gehen konnten, da sie in der ungarischen Liga nicht wirklich gefordert wurden. Das ist auch ein Grund, weshalb wir seit Jahren vergeblich auf einen deutschen Final-Four-Teilnehmer in der Champions League warten.

Stärke der Bundesliga ist ein Fluch für die CL-Teilnehmer

Unsere Bundesliga ist bezüglich der Königklasse Fluch und Segen zugleich. Dadurch, dass die DKB Handball-Bundesliga wirklich die stärkste Liga der Welt und auch mit 18 Vereinen die größte Liga in Europa ist, geht es quasi in jedem Spiel um fast alles. Das Programm, das die deutschen Champions-League-Teilnehmer absolvieren müssen, ist sicherlich um ein Vielfaches härter, als das, welches die anderen Teams in ihren Ligen durchlaufen. In den heimischen Wettbewerben können diese Vereine teilweise mit ihren zweiten Mannschaften in die Spiele gehen und diese problemlos gewinnen.

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In der vierten Folge von "Hand aufs Harz - Der Handball-Podcast" gibt es ziemlich viel zu lachen. Zu Gast: Andy Schmid von den Rhein-Neckar Löwen.

Deshalb ist die Stärke der Bundesliga im Hinblick auf die Champions League ein Fluch, der die deutschen Teilnehmer ereilt. Andere europäische Vereine haben ihren Fokus fast ausschließlich auf den internationalen Wettbewerb und nehmen die regionale Meisterschaft im Vorbeigehen mit. Das geht in der Bundesliga nicht.

Zum anderen liegt die Abstinenz deutscher Mannschaften im Final Four auch an der Finanzstärke vereinzelter Klubs in beispielsweise Ungarn, Polen und Mazedonien. Es sind zwar immer nur ein oder zwei Vereine aus den angesprochenen Ländern, die international eine Rolle spielen, diese sind aber mit einer solchen Finanzkraft ausgestattet, von der die meisten deutschen Klubs nur träumen können.

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Kuriose Konstellation im Final Four

Mit Veszprem, Kielce und Vardar Skopje stehen nun drei solcher Vereine im Final Four. Der FC Barcelona vervollständigt das Final-Turnier. Das Kuriose dabei: Alle vier Teams stammen aus der Vorrundengruppe A, in der auch die Rhein-Neckar Löwen gespielt haben. Das zeigt, welch schwere Aufgabe die Löwen hatten.

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Wenn ich die Finalteilnehmer durchgehe, ist es wie immer in einem Final Four. Für mich gibt es keinen großen Favoriten. Wenn ich sehe, wie abgezockt Vardar in der zweiten Halbzeit in Szeged aufgetreten ist, muss man selbst die Mazedonier trotz ihres Umbruchs auf der Rechnung haben.

Wenn man nur von der Papierform ausgeht, gelten Barcelona und Veszprem als Favoriten. Aber Kielce und Vardar Skopje haben Paris und Szeged ausgeschalten, weshalb man die beiden sicher nicht als Underdogs bezeichnen kann. Deshalb sehe ich ein völlig offenes Final Four.

Psychologisches Momentum bei Kiel

Ein offenes Duell bahnt sich auch in der Bundesliga am kommenden Wochenende an. Am Sonntag erwartet der THW Kiel die SG Flensburg-Handewitt zum absoluten Topspiel und womöglich zur vorentscheidenden Partie um die Meisterschaft.

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Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs

Nach dem CL-Aus könnte man natürlich von einem Knacks bei den Flensburgern sprechen. Das glaube ich aber nicht, weil sie in der Liga bisher zu dominant, abgeklärt und souverän aufgetreten sind. Für mich gibt es aufgrund des Ausscheidens in der Königsklasse kein Selbstvertrauen-Problem im Hinblick auf die Meisterschaft.

Allerdings ist Kiel momentan sehr gut drauf, sodass ich das psychologische Momentum beim THW sehe. Kiel hat sich in den letzten Wochen ein großes Selbstvertrauen erarbeitet, hat ein Heimspiel und geht deshalb sogar als leichter Favorit in dieses Spiel.

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