Seattle Seahawks gewinnen gegen New England Patriots den 60. Super Bowl
In einem der schwächeren Super Bowls triumphiert der Favorit. Nur die Halftime-Show ist ein Spektakel.
09.02.2026 | 07:04 Uhr
Im Konfetti-Sturm von Santa Clara wischte sich Sam Darnold mit seinem schwarzen Siegershirt Freudentränen aus den Augen.
Der Mann, der einst Gespenster auf dem Football-Feld gesehen hatte, der verhöhnt und verlacht worden war, hielt lässig die klotzige Vince Lombardi Trophy in der Hand. Sam Darnold, Super-Bowl-Champion mit den Seattle Seahawks! Das hätten sämtliche NFL-Experten vor kurzem für unmöglich gehalten.
"Es ist ein unglaubliches Gefühl", sagte der Quarterback, der beim 29:13 (9:0) gegen die New England Patriots selbst gar kein sonderlich gutes Spiel abliefern musste: "Wenn du immer an dich glaubst, ist alles möglich." Der einseitige 60. Super Bowl war ein Field-Goal-Festival auf schwachem Niveau mit einem hochverdienten Sieger.
Starken Defensivreihen im 60. Super Bowl
Der Rahmen jedenfalls war glänzend. Die trumpkritischen Punkrocker von Green Day krachten mit "American Idiot" los, Jon Bon Jovi peitschte das Patriots-Team ins Stadion, Charlie Puth sang die Nationalhymne mit Schmalzlocke - und das 49ers-Idol Joe Montana schnippte vor dem Kick-off die Münze. Die spektakuläre Verschmelzung aus Pop, Sport, Entertainment und in diesem Jahr auch Politik konnte beginnen.
Gegenüber standen sich völlig unterschiedliche Quarterbacks: Hier Drake Maye, Sonnyboy, junger Aufsteiger, ein potenzieller Tom-Brady-Erbe, für die Patriots. Dort Darnold, erfahren, aber bisher wenig erfolgreich, für die Seahawks, die sofort Druck machten und ein Field Goal verwandelten. Darnold hatte die Aufgabe, dem Team den Teufel der traumatischen Niederlage gegen die Patriots von 2015 auszutreiben.
Allerdings haben beide Mannschaften ihre Stärken in der Defensive, was sie intensiv nachwiesen. Maye wurde früh zweimal über den Haufen gerannt, viel mehr als Laufspiel und kurze Pässe war beiderseits nicht drin. Das Aufregendste war, dass sich Darnold bei einem möglichen Touchdown-Pass auf Jaxon Smith-Njigba verschätzte.
Kenneth Walker wird MVP
Es blieb ein Nicht-so-richtig-Super-Bowl, bis der spätere MVP Kenneth Walker zweimal wie ein Bulldozer durch die Patriots-Verteidigung rollte. Lohn war das zweite von am Ende fünf Field Goals von Jason Myers.
Und die Patriots? Denen fiel überhaupt nichts ein. Brady juckte es in der VIP-Loge wohl in den Fingern, und mehr als 100 Millionen Live-Zuschauer allein in den USA mussten für bessere Unterhaltung auf die schrill-tollkühne Show mit Bad Bunny warten. Der Latino-Superstar aus Puerto Rico startete ganz in weiß in einer Zuckerrohr-Plantage. Dann stürzte er durchs Dach eines Bungalows und trat die Türe ein.
Aus Angst vor Übergriffen der Einwanderungsbehörden auf seine Fans meidet Bad Bunny normalerweise Auftritte in den Vereinigten Staaten, er setzte das erwartet starke Zeichen gegen Hass und für Zusammenhalt: "God bless America - all Americas." Lady Gaga und Ricky Martin machten auch mit.
Maye wirft Touchdown auf Mack Hollins
Die Botschaft hatte offensichtlich gesessen, denn US-Präsident Donald Trump, diesmal nicht im Stadion, schimpfte bei Truth Social: "Absolut furchtbar! Ein Schlag ins Gesicht für unser Land."
Sportlich ging der Super Bowl mit verzweifelten Patriots und einem Myers-Field-Goal weiter. Das Spiel wurde zum Albtraum für New England - Maye ließ sich den Ball aus der Hand schlagen, Darnold warf einen Touchdown-Pass auf AJ Barner zur Vorentscheidung.
Ein Flitzer schien mehr Yards zurückzulegen als die Patriots-Offense, bis auch Maye seinen Touchdown auf Mack Hollins warf. New England blieb die Demütigung erspart, das erste Super-Bowl-Team ohne Punkt zu sein. Spannend wurde es aber nicht mehr.
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