Olympische Winterspiele in Mailand und Cortina eröffnet
Olympia in Mailand und Cortina hat offiziell begonnen. Stars, Emotionen und Sicherheitsdruck prägen den Start der vierten Spiele in Italien.
06.02.2026 | 23:36 Uhr
Eishockey-Star Leon Draisaitl schwenkte beherzt die deutsche Fahne in Mailand, Katharina Schmid ließ Schwarz-Rot-Gold vor den Skisprungschanzen in Predazzo regelrecht fliegen: Die ersten Winterspiele in Zentraleuropa seit 20 Jahren und die am weitesten verzweigten in der olympischen Geschichte sind feierlich eröffnet.
Zum Finale einer opulenten, mitunter knalligen Show voller italienischem Pathos erleuchteten erstmals gleich zwei olympische Feuer die Nacht: in den gut vier Autostunden voneinander entfernten Hauptorten Mailand und Cortina d'Ampezzo.
Der rituelle Höhepunkt der Entzündung gebührte um 23.26 Uhr den letzten von offiziell 10.001 Fackelläufern, den italienischen Skilegenden Alberto Tomba, Deborah Compagnoni und Sofia Goggia. Italiens Präsident Sergio Mattarella sprach zuvor in der Fußball-Oper von San Siro im Beisein von rund 50 Staatsgästen um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die traditionelle Eröffnungsformel. An Glanz mangelte es nicht, Weltstars wie US-Diva Mariah Carey ("Volare") oder Star-Tenor Andrea Bocelli ("Nessun Dorma") schmachteten und schmetterten vor den Zuschauern auf den nicht komplett gefüllten Rängen.
Zum Durchklicken: Die besten Momente der Eröffnungsfeier
"Durch euch sehen wir das Beste in uns. Wir sind alle eins. Möge die Flamme Hoffnung und Freude entfachen", sagte Kirsty Coventry, die Nachfolgerin von Thomas Bach an der Spitze des Internationalen Olympischen Komitees, in ihrer Rede an die Adresse der Athletinnen und Athleten - und verlieh einmal mehr ihrer Hoffnung Ausdruck auf 16 spektakuläre Entscheidungstage, in denen die globalen Krisen ein wenig in den Hintergrund rücken mögen.
Das gelang schon am Freitag im Rahmen der Show unter dem Motto "Armonia" (Harmonie) nicht immer: Als Israels Delegation einlief, setzte es laute Pfiffe und Buhrufe, ähnlich reagierte das Publikum bei Einblendung des anwesenden US-Vizepräsidenten JD Vance.
Draisaitl hellauf begeistert
6000 Polizisten und 2000 Militärangehörige waren rund um die Zeremonien im Einsatz, nachdem - zusätzlich zu den Protesten gegen den Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE zum Schutz von Vance - bekannt wurde, dass Russland Cyberattacken auch auf Standorte der Winterspiele lanciert hatte.
Um 21.18 Uhr führten Olympia-Debütant Draisaitl (30) sowie die siebenmalige Skisprung-Weltmeisterin Schmid (29) das Gros der 130 deutschen Athletinnen und Athleten beim Einzug an. Draisaitl war hellauf begeistert: "Das ist ein Moment, den ich niemals vergessen werde. Wahrscheinlich der größte Moment in meinem Leben bis jetzt."
Weitere Feiern fanden parallel im Alpen-Kleinod Cortina und in Livigno statt - wobei diese und die in Predazzo im Vergleich zur Hauptzeremonie minimalistisch gehalten waren und ohne jegliche Elemente zu Oper, Italo-Pop, Malerei, Schauspiel, Mode, Kulinarik oder Historie auskamen. Viele Zuschauer in den Nebenorten verließen ihre Plätze vorzeitig.
Team D mit Winter-Rekordzahl am Start
Passend zur Modemetropole Mailand liefen im Herzen des Stadions von AC und Inter Mailand vier Laufstege zu einer Bühne zusammen. Die Feier enthielt wie üblich viele nationale Elemente. Dem im Vorjahr verstorben Modedesigner Giorgio Armani etwa wurden ebenso Huldigungen zuteil wie dem Multi-Genie Leonardo da Vinci, an dessen Werke auch das Design der goldenen Kessel angelehnt ist, die in den kommenden zwei Wochen am Arco della Pace in Mailand und an der Piazza Dibona in Cortina die Flammen beherbergen. Rund 1250 Freiwillige wirkten auf den Bühnen mit, weitere 700 hinter den Kulissen.
Insgesamt ist Team D mit der Winter-Rekordzahl von 185 Sportlern in Norditalien vertreten. Das erklärte Ziel ist, nach den 116 Wettbewerben bis zur Schlussfeier am 22. Februar einen der ersten drei Plätze im Medaillenspiegel einzunehmen. 2022 in Peking standen zwölf Goldmedaillen und Rang zwei hinter Norwegen zu Buche.
Die Anziehungskraft Olympias für die Sportler ist ohnehin ungebrochen, ungeachtet der großen Entfernungen. Bestes Beispiel ist der für die Edmonton Oilers in der NHL spielende Draisaitl, der erst am Freitagmorgen nach einem Zwölf-Stunden-Flug in Mailand gelandet war. Die Reise soll sich nicht nur für ihn lohnen.
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