In Melbourne startet wieder das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres: Die Australian Open. Bei den Herren spricht viel für den zehnten Djokovic-Titel. Auf Alexander Zverev wartet bei seinem Comeback auf der Grand-Slam-Bühne ein steiniger Weg zurück zur alten Stärke.
Der Sky Check-Up von unseren Kommentatoren Stefan Hempel, Marcel Meinert und Paul Häuser für das große Spektakel bei den Aussie Open.
Favoritencheck Herren:
Stefan Hempel: "2023 gibt es nur einen Favoriten. Novak Djokovic ist in einer sehr starken Verfassung. Der Rekordchampion der Australian Open hat seit Wimbledon 2022 offiziell nur ein Match verloren, das Finale von Paris Bercy gegen Rune, gewann zuletzt das Turnier in Adelaide und ist nach seinem Ausschluss aufgrund seines Impfstatus 2022 hoch motiviert. Der an Position vier gesetzte Serbe geht in der unteren Hälfte der Auslosung seinen größten Konkurrenten (Nadal, Medvedev und Tsitsipas) erstmal aus dem Weg. Vieles spricht für den 22 Grand-Slam-Titel für Novak Djokovic!"
Alexander Zverev - Status quo:
Paul Häuser: "Es wird ein harter Weg für Alexander Zverev - zurück zur alten Stärke und zurück zu möglichen Titeln. Beim United Cup war Zverev erschreckend weit weg von der Form vor seiner Verletzung. Der 25-Jährige braucht seine Matchhärte, er braucht seine herausragende Fitness und dazu auch ganz wichtig wieder die Sicherheit, sich auf seinen eigentlich so starken Aufschlag verlassen zu können. Die Doppelfehlerproblematik trat nämlich zusätzlich zu vielen anderen Problemen auch wieder auf.
Die deutsche Nummer eins hat bei den Aussie Open zunächst eigentlich eine ganz gute Auslosung. In Runde eins trifft er auf den Peruaner Juan Pablo Varillas, die Nr. 104 der Welt, da sollte der erste Einzelsieg auf der Tour bei seinem Comeback drin sein. Danach wird es mit David Goffin und anderen Kandidaten schon deutlich schwieriger. Ich traue Zverev zumindest die zweite Woche und damit das Achtelfinale zu. Doch danach dürfte es in der aktuellen Verfassung mit möglichen Gegnern wie Taylor Fritz zu schwierig für ihn werden."
Chancen der anderen Deutschen:
Marcel Meinert: "Hinter Alexander Zverev klafft im deutschen Herrentennis weiter eine große Lücke. Die Tatsache, dass zwei DTB-Spieler die Qualifikation überstanden haben, ist aber positiv zu werten. Vor allem Jan-Lennard Struff wird immer stärker, und sollte in absehbarer Zeit hoffentlich auch wieder in den Hauptfeldern der größeren ATP-Turniere dabei sein. Gegen Tommy Paul ist er zwar eher Außenseiter, aber eine Überraschung ist durchaus denkbar.
Yannick Hanfmann hat gegen Rinky Hijikata durchaus Siegchancen und könnte sich mit einem Kräftemessen mit Stefano Tsitsipas belohnen. Darüber hinaus wäre in der zweiten Runde ein Duell zwischen Oscar Otte und Daniel Altmaier denkbar - dafür müsste Altmaier aber Francis Tiafoe in die Knie zwingen, und das dürfte enorm schwierig werden. Otte hat gegen den US-Amerikaner beim United Cup gezeigt, dass er nach seiner Verletzung im vergangenen Sommer eine ansteigende Formkurve hat. Dennoch: Sollte ein anderer Deutsche als Alexander Zverev die erste Wiche überstehen, wäre das eine dicke Überraschung."
Dominic Thiem - Status quo:
Stefan Hempel: "Schweres Los für Dominic Thiem bei den Australian Open. Der ehemalige US-Open-Champion trifft auf Andrey Rublev, gegen den er die letzten vier Matches alle verloren hat. Der Österreicher, vom Veranstalter mit einer Wildcard ausgestattet, ist immerhin wieder unter den Top 100 zu finden, verlor aber beim Vorbereitungsturnier von Adelaide bereits in der Qualifikation gegen Kwon. Kleiner Hoffnungsschimmer für Thiem - Rublev selbst bringt von den Turnieren in Adelaide keine gute Form mit. Ein Sieg für den Wiener wäre dennoch eine Überraschung."
Dark Horses - Players to watch:
Paul Häuser: "Wenn die Fitness mitspielt, dann ist es für mich 2023 immer wieder Lorenzo Musetti. Ansonsten setze ich auf die australische Power durch Nick Kyrgios und Alex de Minaur."
Marcel Meinert: "Als Nummer elf der Setzliste ist Cameron Norrie sicher kein absolutes "Dark Horse". Durch seine beeindruckende Form zu Jahresbeginn ist er für mich aber definitiv ein Anwärter auf einen tiefen Lauf. Gleiches gilt natürlich auch für Nick Kyrgios, bei dem aber abzuwarten gilt, wie fit er ist. Die Unterstützung der Fans im Melbourne-Park ist dem Sieger des Vorjahres im Doppel definitiv sicher. Außerdem bin ich gespannt, ob Sebastian Korda, der im Finale von Adelaide Matchball gegen Novak Djokovic hatte, wieder für Furore sorgen kann. Er könnte in Runde drei für Daniil Medvedev zu einem echten Prüfstein werden."
Stefan Hempel: "Ich gehe auf den Briten Jack Draper und setze damit auf den großen Upset in Runde eins gegen Rafael Nadal. Draper hat mit seinem flachen Spiel und dem guten Aufschlag das Zeug dazu um Titelverteidiger Nadal direkt aus dem Turnier zu kegeln."