Dr. Helmut Marko kontert Ex-Red-Bull-Teamchef Christian Horner
Der ehemalige Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko reagiert im exklusiven Interview mit RTL/Sky Sport auf die pikanten Anschuldigungen von Ex-Red-Bull-Teamchef Christian Horner.
21.10.2026 | 17:09 Uhr
Zudem spricht der 83-Jährige über den bald jüngsten Weltmeister Kimi Antonelli, das Finale der Formel 1 und ein künftiges WM-Duell mit seinem Zögling Max Verstappen.
Helmut Marko über...
... die umstrittene Biografie von Ex-Red-Bull-Teamchef Christian Horner:
"Das ist eine Summe von Unwahrheiten, ich will gar nicht auf das Niveau eingehen. Das Einzige, was ich richtigstellen will: Ich habe ihm wegen seiner Ex-Frau, die ja an Krebs verstorben ist, sogar schriftlich kondoliert. Nur das ist mir wichtig. Vor allem nach der Riesenabfindung, die er bekommen hat, hätte man etwas Loyalität erwartet. Und nochmal: Es ist nicht mein Niveau. Ich glaube, ihm ist auch nicht bewusst, dass seine Biografie genau am Todestag von Dietrich Mateschitz erscheint. Und es passt zu dieser ganzen Buchgeschichte. Für mich ist es alles unverständlich."
... sein Interesse an einer Aussprache mit Christian Horner:
"Nein, eigentlich habe ich kein Interesse. Jetzt das Buch! Ich kriege das ja alles nur über dritte Stellen mit. Wenn das Buch draußen ist, schickt er mir vielleicht eins, dann werde ich es vielleicht lesen. Ich selbst habe nicht geplant, ein Buch zu schreiben, obwohl es viele Sachen gäbe, die ich schreiben könnte. Aber ich würde nie auf so ein Niveau heruntersteigen."
... den möglichen WM-Triumph von Kimi Antonelli mit erst 20 Jahren:
"Ich glaube, man muss da auf das Go-Kart-Geschäft zurückgehen. Kimi Antonelli und viele andere fahren ja schon mit vier, fünf Jahren. Und dadurch haben die so eine solide Ausbildung, dass sie dann im Alter von 19, 20 eben in der Lage sind, eine WM zu bestreiten. Diese Szene ist derartig intensiv. Wir haben den jungen Berger [Anm. d. Red.: Johan Berger], der da aktiv ist. Auch der Sohn von Toto Wolff ist aktiv in der italienischen Meisterschaft. Die fahren an die 20 bis 25 Rennen pro Jahr und testen von Dienstag bis Freitag. Sie sind also mehr oder minder schon Profi-Rennfahrer und bis sie dann in einen Formel-Auto steigen können, müssen sie 15 Jahre sein. Das heißt, das ist eine unglaublich lange, aber sehr gute, leider auch sehr teure Ausbildung."
... das Talent von Kimi Antonelli:
"Er lernt sauschnell. Bei seinem ersten Auftritt in Monza, wo er bis zu seinem Abflug unglaubliche Zeiten gefahren ist, sah man schon seine Schnelligkeit. Voriges Jahr hat es noch einige Probleme gegeben, da hat er Fehler gemacht. Heute ist das nicht mehr so. Er hat einen unglaublichen Speed und eine super Fahrzeugbeherrschung. Er leidet noch ein bisschen, aber wie er George Russell abmontiert hat, ist schon bemerkenswert. Und das andere ist: Wenn er sieht, dass er nicht gewinnen kann, dann fährt er auf Platzierung - und das ist auch ein Reifezeichen. Erstaunlich für sein junges Alter."
... den würdigen Weltmeister Antonelli:
"Er ist ein verdienter Weltmeister. Er saß größtenteils im besten Auto, aber das gehört auch mit dazu. Und er hat einen starken Teamkollegen gehabt, der eigentlich der Favorit gewesen ist. Und den hat er eindeutig dominiert. Er hatte etwas Glück mit Safety-Car und technischen Schäden, aber das gleicht sich über eine Saison aus. Also für mich ein sehr würdiger Weltmeister. Und es ist erfreulich, mit welcher jugendlichen Freude und Spitzbubenhaftigkeit er nach einem Sieg aus dem Auto steigt. Und ja, es ist wahnsinnig positiv für die Formel 1."
... den Verlust von Vettels Altersrekord als jüngster Weltmeister:
"Ich glaube, das ist Sebastian wurscht. Weltmeister ist Weltmeister und er hat ja einige Rekorde verloren. Das geht einfach im Laufe des Rennsports dahin. Da kommt immer jemand irgendwann. Und aufgrund dieser Go-Kart-Situation werden die Fahrer immer jünger."
... die Rolle von Antonellis Vaters Marco:
"Da kann man ja auch Sebastian Vettel, Max Verstappen oder Carlos Sainz nennen. Da war auch der Vater immer dabei. Sie brauchen in ihren sehr jungen Jahren - sie dürfen teilweise ja nicht einmal einen Mietwagen nehmen - jemanden um sich herum. Und es ist halt die Frage, wie weit sich der Vater einmischt? Da hat es zwischendurch sicher Situationen gegeben, die nicht sehr positiv waren, aber in dem Fall klappte es. Und es hat ja auch bei Max und Jos sehr gut geklappt."
... die F1-Perspektive von George Russell:
"Es ist mental sicher ein Wahnsinns-Rückschlag und es ist eine Punzierung. Der Russell ist nicht mehr Nummer-1-Fahrer. Diesen Rang hat ihn Antonelli ganz klar abgenommen. Aber Russell ist einer der Top-Piloten. Ob es noch einmal eine WM-Chance für ihn geben wird oder dass er irgendwo einen Nummer-1-Status bekommt, möchte ich bezweifeln."
... den starken eigen-entwickelten Red-Bull-Motor:
"Von der Logik war ganz klar: Wir müssen das machen, aber hatten keine Erfahrung, enorme Kosten. Aber wir haben Gott sei Dank von der Konzernleitung 2022 das Okay bekommen. Und nachdem diese Entscheidung gefallen war, ist das in England innerhalb kürzester Zeit gebaut worden. Zur Stärke des Motors: Es ist nur der Verbrennungsmotor gemessen worden. Aber das Paket besteht ja aus Elektromotor, Batterie, Software etc. Und ich glaube immer noch, dass der Mercedes-Motor im Gesamtpaket etwas besser ist. Trotzdem bin ich überzeugt, dass der Motor siegfähig sein wird. Aber wichtig ist auch das Chassis. Das Hauptproblem war in diesem Jahr, dass das Chassis erst jetzt gegen Saisonende wieder zu einem Sieger-Chassis wurde. Typisch Red Bull! Aber Red Bull kann innerhalb einer Saison vom viertschnellsten Auto zum Siegerauto werden."
... das künftige Duell Max Verstappen vs. Kimi Antonelli:
"Max will immer gewinnen. Und wenn jetzt der neue Star auftaucht. Und der Max gleichwertiges Material hat, ist es ganz logisch in der Natur eines Rennfahrers, dass er gewinnen will. Und er hat natürlich einige Vorteile: Das ist einmal die Erfahrung [...]. Das haben wir in Singapur gesehen. Mit beiden Reifentypen war Max sehr schnell und war auch im Reifenabbau wesentlich moderater als viele andere. Also diese Routine fehlt Antonelli noch. Das wird er auch in kurzer Zeit lernen. Aber im Gesamten, vom Speed her, kann er Max vielleicht herausfordern."
... zur Teilnahme von Max Verstappen beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring:
"Der Max ist ein Rennfahrer. Der ist nicht irgendein abgehobener Formel-1-Pilot, sondern er liebt den Rennsport. Und das ist im GT natürlich wesentlich näher an einem Auto dran, als es in der Formel 1 der Fall ist. Und ja, ich finde es gut und ich hoffe, dass er vom Kalender her wieder das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring fahren kann. Und diese Zuschauermassen beweisen ja, dass auch das Publikum goutiert, dass ein F1-Fahrer wieder in einen Wagen steigt. Und er will den Sieg am Nürburgring. Er ist sehr engagiert mit der Technik, macht seine eigenen Setups und auch Vorschläge in bestimmten Bereichen. Also das zeigt, es ist ein absolutes Commitment von seiner Seite. Er freut sich wahnsinnig, wenn er da gewinnt."
... das geplante F1-Rennen in Ruanda in den 2030ern:
"Die Formel 1 war ja lange in Südafrika. Kyalami bei Johannesburg war ein sehr populäres Rennen. Ruanda ist ein aufstrebender Staat und dass dort politisch andere Gesetze herrschen, ist einmal ein Faktum. Und solange das Sportwashing nicht überhandnimmt heißt es ja Weltmeisterschaft. Das heißt, man sollte natürlich alle Kontingente mit einbeziehen."
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