Mercedes bringt großes Aerodynamik-Update nach Malaysia: Ist der WM-Primus nun unerreichbar?
Mercedes hat in Malaysia das erste umfangreiche Aerodynamik-Update präsentiert. Obwohl die Trainingsresultate zunächst unspektakulär wirkten, deuten Longrun-Daten darauf hin, dass der neue W17 mehr Potenzial besitzen könnte als die Zeitenliste vermuten lässt.
02.10.2026 | 15:13 Uhr
Die Silberpfeile führen beide WM-Wertungen an. Trotzdem investiert Mercedes weiter in die Entwicklung und sorgt mit einem Aero-Umbau des W17 für Aufmerksamkeit.
Mercedes scheinen beide Weltmeisterschaften in der Formel 1 nicht mehr zu nehmen zu sein. Der komfortable Vorsprung in der Konstrukteurswertung von 146 Punkten auf Ferrari ist eindeutig, auch der Fahrertitel wird mit höchster Wahrscheinlichkeit zwischen dem WM-Führenden Kimi Antonelli (302 Punkte) und dessen Teamkollegen George Russell (66 Zähler Rückstand) ausgetragen.
Dennoch sorgte das angekündigte erste große Aero-Update des WM-Primus bereits Wochen vor dem Bahrain-Grand-Prix in Malaysia (Sonntag, 9:00 Uhr LIVE bei Sky Sport) für Spekulationen: Legt Mercedes nochmal zu und fährt Kreise um die Konkurrenz? In der Boxengasse von Sepang konnten sich Konkurrenz und Presse nun ein Bild vom modifizierten W17 machen.
Rutsche statt Badewanne
Dieses besteht laut offiziellen Dokumenten aus sieben veränderten Komponenten. Am offensichtlichsten sind die revolutionierten Seitenkästen des Mercedes. Statt der bisherigen Badewannen-Form fallen diese nach hinten nun rutschenartig steil ab und laufen gen Heck in Richtung Flügel zusammen. Fans könnten sich an das "size-zero-pod"-Konzept aus dem Jahre 2022 erinnert fühlen, als das Team mit einem Boliden mit fast nicht-existierenden Seitenkästen auflief. Das Design war ein Flop. Es gelang nur ein einziger Saisonsieg.
BILDERGALERIE: Das Mercedes-Update im Überblick
Ganz anders soll es in diesem Jahr sein. Ergänzt werden die neuen Seitenkästen und die entsprechend abgeänderte Motorhaube durch einen brandneuen Unterboden, der zudem durch veränderte Bargeboards (Luftleitbleche vor den Seitenkästen) unterstützt wird. Mercedes erhofft sich von der Veränderungen insbesondere mehr Abtrieb, vor allem auf Strecken mit hohem aerodynamischen Anspruch war die Konkurrenz zuletzt näher am Brackley-Boliden dran - oder sogar vor ihm. Die FIA listet zudem eine verbesserte hintere Radaufhängung und Heck-Karosserie.
Bis zu drei Zehntel pro Runde verspricht sich Mercedes vom Update, kursiert es durch das Paddock. Diese signifikante Verbesserung muss sich jedoch zuerst einmal einstellen. Sowohl das Team als auch die Piloten selbst müssen den "neuen" W17 verstehen und die Auswirkungen auf Fahrweise und Setup abschätzen lernen. Besonders WM-Verfolger Russell hofft hier auf einen Vorteil gegenüber Youngster Antonelli.
Ernüchterung im Freien Training?
"Ich weiß mittlerweile, was ich vom Auto und von mir selbst brauche, ich fühle mich nicht mehr so verloren", sagte der Engländer vor dem Rennwochenende: "Hoffentlich spielt mir das Upgrade an diesem Wochenende noch ein bisschen mehr in die Karten."
Ein erster Blick auf die Trainingsergebnisse des Freitags scheinen vorerst keine Freudensprünge in der Mercedes-Garage zuzulassen. Russell gelang ein zweiter und siebter, Antonelli lediglich ein fünfter und achter Platz. Gibt es Grund zur Sorge? Floppt das Mega-Update etwa?
"Im Moment sieht es so aus, als ob man da noch ein ganzes Stück Arbeit vor sich hätte", beurteilte Sky Sport F1 Experte Ralf Schumacher nach dem 2. Freien Training in Sepang. "Oder aber, man hat einfach viel Gewicht und wenig Leistung", schob der ehemalige F1-Pilot mit einem Schmunzeln nach. Es scheint wie immer auch gut möglich, dass Mercedes seine Fortschritte vorerst geschickt verschleiert.
Sepangs Spezialanforderungen
Ohnehin stellt das Rennen in Malaysia die Teams vor ungewohnte Herausforderungen. Extrem hohe Luft- und Asphalttemperaturen belasten Fahrer, Fahrzeug und Reifen enorm. Dazu kommt der besonders raue, fast sandpapierähnliche Asphalt in Sepang, der das Gummi zusätzlich quält. "Wir sehen einen riesigen Reifenverschleiß an diesem Wochenende", erklärte auch Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies am Sky Sport Mikrofon. "Ich denke, das wird einer der Hauptfaktoren am Sonntag sein."
Somit lohnt sich ein Blick auf die Rennpace von Mercedes. Diese ist deutlich beeindruckender als die eigentlichen Endergebnisse der Sitzungen. So schaffte Russell eindrucksvolle 14 Runden auf dem weichen Reifen mit einer durchschnittlichen Rundenzeit von 1:45.2 Minuten. Antonelli lieferte auf dem Softreifen (1:44.34 Minuten im Schnitt) und dem Medium-Gummi (1:44.48 Minuten im Schnitt) zwar kürzere, dafür aber die mit Abstand schnellsten Probe-Stints des 2. Freien Trainings.
Kommt der Regen?
Ergo: Die Fans werden sich noch gedulden müssen, bis ein erstes Urteil über das Update gefällt werden darf. Nicht die Pole Position, sondern die Rennpace und der Reifenverschleiß werden das Rennen am Sonntag entscheiden und wohl auch erst dort sichtbar werden - wenn es denn trocken bleibt. Denn das turbulente Wetter in Malaysia könnte jedem Team nochmal einen Strich durch die Rechnung machen.
In den ersten Trainingssitzungen blieb es etwas überraschend trocken. Die Formel 1 wartet in der Saison 2026 somit weiter auf das erste richtig nasse Wochenende - Ausgang unbekannt. Noch nie konnten die neuen Boliden mit seit diesem Jahr erheblich höherem elektrischem Drehmoment ausführlich unter Extrembedingungen getestet werden.
Wetterkapriolen, wie sie in Malaysia nie fern sind, können somit die gesamte Geschichte des Comeback-Wochenendes und Mercedes-Updates in Sepang auf den Kopf stellen.
Mehr zum Autor Malte Göttlinger
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