Zehn Punkte nach fünf Spielen, Tabellenplatz fünf: Schalke 04 legte nach einer verkorksten letzten Spielzeit in diesem Jahr einen starken Saisonstart hin. Einen entscheidenden Anteil daran hat Neu-Coach David Wagner.
Hoffenheim U17 & U19, Borussia Dortmund II und Huddersfield Town - die Trainer-Vita von David Wagner ist bislang noch recht übersichtlich. Zudem fällt auf, dass der 47-Jährige mit Huddersfield Town erst eine Profi-Station durchlaufen hat und noch nicht in der Bundesliga tätig war. Seit dem Sommer haben sich beide Punkte jedoch verändert.
Wagner hat mit dem Trainerposten beim FC Schalke 04 ein neues Kapitel aufgeschlagen. Doch nicht nur für sich selbst sollte es ein Neuanfang sein - auch der Revierklub wollte nach einer verkorksten vergangenen Saison, die auf einem enttäuschenden Platz 14 endete, den Reset-Knopf drücken.
Mit Blick auf die erste DFB-Pokal-Runde und die ersten fünf Bundesligaspiele scheint dies den Verantwortlichen bei den Königsblauen mit Bravour gelungen zu sein. Das Schalker-Team, das sich im Vergleich zur Vorsaison personell nur unwesentlich verändert hat, zeigt ein komplett anderes (erfolgreiches) Gesicht. Dies ist auch ein großer Verdienst von Coach Wagner, der in seiner Arbeit bestimmte Aspekte in den Vordergrund stellt.
Wagner lässt auf Schalke malochen
Schalke 04 steht für Malochen: Dieses Credo schreibt man bei den Königsblauen und den Fans ganz groß. Auch aus diesem Grund dürften beim Revierklub alle mit Wagner zufrieden sein, da auch dieser in seiner Philosophie sehr viel Wert auf Fleiß und harte (Schweiß-)Arbeit legt. Dies haben seine Schützlinge besonders in der Vorbereitung zu spüren bekommen, wie der neue Vizekapitän Omar Mascarell verrät. "Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung, in der das Team hart gearbeitet hat und das meistens zweimal am Tag."
Dies zahlte sich bereits zu Beginn der Saison aus. Mit 116,2 Kilometer pro Partie legten die Königsblauen die durchschnittlich viertlängste Laufstrecke aller Bundesligisten zurück. In der Vorsaison lag dieser Wert noch bei 114,4 Kilometer und Schalke damit am Tabellenende (Platz 17). Auch bei den Sprints zog S04 im wahrsten Sinne des Wortes an und schob sich mit 235 pro Spiel auf Platz eins der Bundesliga.
Wagner bringt das Selbstvertrauen zurück
Doch nicht nur an den Zahlen ist Wagners Fleißansatz festzumachen. Auch die Spieler selbst spüren den Unterschied zur vergangenen Spielzeit. "Wir sind insgesamt fitter. Wir machen viele Läufe und zeigen eine große Aggressivität - das ist perfekt und macht Spaß", zeigt sich Mascarell erfreut und schiebt gleich noch ein Extra-Lob für Wagner hinterher. "Er spielt eine große Rolle. Er kam und hat uns viel Selbstvertrauen gegeben. Das war das Wichtigste, dieses nach der letzten Saison zurückzuhaben. Wir haben Qualität in der Mannschaft, aber ohne Selbstvertrauen ist es schwer, das zu zeigen. Wir sind sehr froh, dass er hier ist."
In die gleiche Kerbe schlägt auch Harit, der unter Wagner eine enorm positive Entwicklung genommen hat. "Er bringt das Vertrauen zurück, indem er Dinge direkt anspricht. Wenn etwas nicht gut läuft, sagt er das sofort. Es ist wichtig, dass der Trainer klare Ansagen macht: das ist gut, das ist nicht gut. Selbst wenn wir ein Spiel gewonnen haben. Es gibt es auch Trainer, die sagen "gewonnen - alles gut". Wir suchen die Dinge, die nicht gut gelaufen sind. Für den Moment kann ich sagen, dass er einen sehr guten Job macht", sagte Harit im exklusiven Interview mit Sky.
Harit: Wagner hat mehr Erfahrung als Tedesco
Einen solchen habe auch Ex-Coach Domenico Tedesco gemacht - unter dem es in dessen erstem Jahr ebenfalls gut auf Schalke lief. "Tedesco war ein sehr guter Coach, ein smarter Trainer. Aber er war sehr jung. Es war seine erste große Erfahrung mit Schalke 04. Im ersten Jahr war alles gut, im zweiten wurde es dann schwieriger."
Harit ist sich sicher, dass dies unter Wagner nicht so kommen wird - und das aus einem bestimmten Grund. "Wagner hat mehr Erfahrung. Er hat Huddersfield einige Jahre trainiert und weiß deshalb auch, wie man aus einer schwierigen Situation wieder herauskommt. Aber beide sind unglaubliche Coaches."
Schneider über Wagner: Ein positiver Typ, der Menschen begeistern kann
Diese Meinung - besonders in Bezug auf Wagner - dürfte auch Jochen Schneider haben, der Wagner im Sommer zu Königsblau holte. Schalkes Sportvorstand erklärte kürzlich bei Sky90, was bei der Trainersuche letztendlich den Ausschlag für den gebürtigen Frankfurter gegeben hat.
"Es ging uns darum, einen positiven Typen zu holen, der Menschen mit auf eine Reise nehmen und begeistern kann. Der den Laden sprichwörtlich anzünden kann. Und der darüber hinaus eine Idee von Fußball hat, die zu Schalke 04 passt: Nach vorne gerichteten Fußball spielen, Bock haben, Zweikämpfe zu bestreiten und schnell umzuschalten. Du kannst in dieser Arena, in dieser Stadt keinen verhaltenen Fußball spielen, sondern da muss etwas passieren. Und da wird es auch Rückschläge geben. Wir wollen sehen, dass die Jungs auf dem Platz agieren."
Genau das war in der Anfangsphase der Saison zu erkennen. Die Schalker Profis wirkten mutiger als noch vor ein paar Monaten und suchten den schnelleren Weg nach vorne. Auch das Gefühl, dass wieder jeder für jeden kämpft ist bei Königsblau zurück. "Wir sind als Team zusammengerückt", erklärt Suat Serdar die Entwicklung unter Wagner.
Wagner setzte auf Survival-Training in Schweden
Damit hält der 47-Jährige an seiner Philosophie fest, den Teamcharakter und den Zusammenhalt auf der Prioritätenliste weit nach oben zu stellen. Dies tat er nämlich bereits bei Huddersfield, das er am Ende seiner ersten kompletten Saison sensationell in die Premier League geführt hatte.
Grundlage für diesen Erfolg war bereits damals der Mannschaftsgedanke, den Wagner in der Vorbereitung mit einem besonderen Trainingslager förderte. Durch ein Survival-Training in Schweden, bei dem alle Beteiligten Handys abgeben und ohne Strom, Bett oder Sanitäranlagen im Wald auskommen mussten, zeigte Wagner seine Schweiß-Künste in Bezug auf den Zusammenhalt im Team.
Dieser Weg - zwar ohne Survival-Training in Schweden - scheint nun auch in Gelsenkirchen zu fruchten. Der nächste Schritt könnte schon am kommenden Samstag in Leipzig folgen (ab 14 Uhr live und exklusiv auf Sky Sport Bundesliga 1 HD).