EM 2020: Löw läuft die Zeit davon - 2019 lief nicht wie geplant
Bundestrainer muss kreativ werden: Viele Verletzte, wenig Testmöglichkeiten
Von Sport-Informations-Dienst (SID)
Image:Bundestrainer Joachim Löw hat nicht mehr viele Chancen für den EM-Ernstfall zu testen.
Joachim Löw hat einen Erfolg in Estland fest eingeplant, Zweifel an der erfolgreichen EM-Qualifikation hat er nicht. Doch mit Blick auf das Turnier sieht der Bundestrainer seine Ziele gefährdet.
Vor dem Abflug nach Tallinn gab es für Joachim Löw endlich einmal gute Nachrichten. Toni Kroos, Leon Goretzka und Julian Draxler haben bei ihren Klubs wieder Laufeinheiten bestritten, Nico Schulz ist sogar ins Teamtraining zurückgekehrt, und Matthias Ginter bleibt eine OP an seiner lädierten Schulter erspart.
Im EM-Qualifikationsspiel gegen Estland am Sonntag (20.45 Uhr) kann aber keiner aus diesem für die EURO 2020 fest eingeplanten Quintett mitwirken. Und das ist für den Bundestrainer ein großes Problem.
Einen Sieg beim Fußball-Zwerg hat Löw zwar "fest eingeplant". Auch ohne die fünf Genannten und weitere sieben (!) fehlende Nationalspieler um den Langzeitverletzten Leroy Sane kann er eine Elf aufbieten, die für den 102. der Weltrangliste zu stark ist.
Mit Blick auf sein mittelfristiges Ziel, den Umbruch im DFB-Team bis zur EM 2020 abgeschlossen und seine neue Nationalmannschaft eingespielt zu haben, ist der Oktober-Lehrgang jedoch eine Enttäuschung für ihn. Löw läuft die Zeit davon.
"Wir müssen uns einspielen. Einspielen. Einspielen!", sagte Löw über sein dringendstes Vorhaben. Aber wann? In acht Monaten beginnt die paneuropäische EM, bis dahin stehen nur noch sechs Länderspiele auf dem Programm. Und schon jetzt ist klar, dass Löw auch im November, wenn die EM-Quali gegen Weißrussland (16./Mönchengladbach) und Nordirland (19./Frankfurt) erfolgreich abgeschlossen werden soll, erneut nicht seine vermeintlich beste Elf bringen kann. Sane wird frühestens im Januar zurück erwartet, bei Antonio Rüdiger und Thilo Kehrer ist der Comeback-Zeitpunkt offen.
"Das macht die Sache im Hinblick auf 2020 schwieriger", sagte Löw, "wir hätten das Jahr schon nutzen wollen, um uns vorzubereiten." Dies, betonte er leicht angesäuert, "müssen wir jetzt nächstes Jahr schaffen". Bei den Länderspielen im März und im unmittelbaren Turniervorfeld im Juni. Ob das reicht, um wie erhofft wieder in den Kreis der Favoriten aufzurücken? "Wenn man uns ein bisschen Zeit gibt, kann Gigantisches entstehen", sagte Julian Brandt nach dem 2:2 gegen Argentinien am Mittwoch - aber die Zeit hat Löw nicht.
Marc-Andre ter Stegen: Durfte endlich mal wieder bei der Nationalelf ran und hielt, was zu halten war. Hatte bei einem Distanzknaller von de Paul Glück, dass dieser an den Pfosten klatschte (33.). Bei den Gegentoren absolut machtlos. Note: 3
▲
Emre Can: Der Juve-Profi wurde überraschend als rechter Part der Dreierreihe aufgeboten und machte dies solide. Klärte zu Beginn in höchster Not gegen Martinez (9.). Verpasste bei einem Konter das 3:0 (55.), fälschte beim 2:2 unglücklich ab. Note: 2
▲
Robin Koch: Feierte sein Nationalmannschafts-Debüt als zentraler Part der Dreierreihe und machte seinen Job weitestgehend gut. Hatte beim 2:1 zwei Gegenspieler und entschied sich für den falschen Mann. Note: 3
▲
Lukas Klostermann: Vor der Pause eine bärenstarke Vorstellung. Er bereitete das 1:0 durch Gnabry mit einem klasse Antritt vor (15.) und leitete das 2:0 durch Havertz (22.) ein. In der zweiten Halbzeit defensiv hin und wieder unsicher. Note: 2
▲
Niklas Süle: Der Abwehrchef hatte als linker Teil der Dreierreihe vor allem nach der Pause alle Hände voll zu tun mit den quirligen Argentiniern. Rückte beim 1:2 nicht ein und griff Alario beim Ausgleich nicht energisch genug an. Note: 4
▲
Joshua Kimmich: Wie immer bei Joachim Löw im Mittelfeld aufgeboten, war der Aushilfskapitän zu Beginn ein echter Aktivposten. Eroberte zahlreiche Bälle und leitete Angriffe ein. Ließ nach der Pause nach und leistete sich einige Abspielfehler. Note 2
▲
Kai Havertz: Der Jungstar durfte endlich von Beginn an ran und harmonierte in der Mittelfeldzentrale gut mit Kimmich. Havertz übernahm den offensiveren Part und wurde für einen atemberaubenden Laufweg mit seinem ersten DFB-Tor belohnt (22.). Note: 2
▲
Marcel Halstenberg: War offensiv nicht ganz so auffällig wie sein Leipziger Kollege Klostermann auf der anderen Seite, zeigte dennoch eine gute Leistung. Hatte bei seinem überragenden Freistoß Pech, dass dieser nur an die Latte ging (31.). Note: 3
▲
Julian Brandt: Beim BVB zuletzt oft von der Bank, durfte er beim Heimspiel gegen Argentinien von Beginn an ran. War bemüht, aber agierte hin und wieder auch unglücklich. Machte in der 66. Minute für Amiri Platz. Note: 4
▲
Luca Waldschmidt: Der Freiburger kam bei seinem DFB-Debüt meistens über den linken Flügel, wechselte allerdings auch immer wieder mit Brandt die Seiten. Nach Gnabrys Auswechslung als Spitze aktiv, dort aber nicht so auffällig. Note: 3
▲
Serge Gnabry: Bester Mann auf dem Platz und ein ständiger Gefahrenherd! Kam nicht wie beim FC Bayern über rechts, sondern agierte in vorderster Front. Das 1:0 (15.) erzielte er in Weltklasse-Manier, das 2:0 (22.) legt er ganz stark auf. Note: 1
▲
Nadiem Amiri: Kam nach 66 Minuten für Brandt ins Spiel und feierte sein Debüt im DFB-Team. Fügte sich ordentlich ein, ohne besonders aufzufallen. Note: Keine Bewertung
▲
Suat Serdar: Der 22-Jährige kam für den überragenden Gnabry nach 72 Minuten zu seinem Debüt und zeigte sofort die Dynamik, die ihn auch bei Schalke auszeichnet. Verlor allerdings vor dem Ausgleich leichtfertig den Ball. Note: Keine Bewertung
▲
Sebastian Rudy: Feierte in der Schlussphase sein Comeback beim DFB-Team. Fiel nicht auf. Note: Keine Bewertung
▲