Sky Sport erklärt, was für und gegen einen Torwartwechsel spricht,.
Nach der 2:3 (1:2)-Niederlage beim VfB Stuttgart hat Eintracht Frankfurt als Tabellen-Siebter weiter 26 Punkte auf dem Konto - sechs weniger als der VfB auf Rang drei. RB Leipzig hat als Vierter drei Punkte mehr, die Sachsen haben aber zwei Partien weniger ausgetragen. In 17 Spielen hat Frankfurt 36 Gegentore kassiert. Nur Schlusslicht Heidenheim (38) steht schlechter da.
Der Patzer von Kaua Santos in Stuttgart war bereits der dritte des Brasilianers, der zu einem Gegentor führte. Santos kassierte pro Saisonspiel doppelt so viele Gegentore (3,2) wie Michael Zetterer (1,6) und spielte noch nicht zu Null. Zetterer behielt dreimal die Weiße Weste, zwei Gegentreffer gingen auf das Konto des ehemaligen Bremers. (Quelle: Opta)
Soll Trainer Dino Toppmöller den Mann zwischen den Pfosten wieder wechseln?
Sky Sport beleuchtet die Situation im Kasten von beiden Seiten.
PRO: Santos muss im Eintracht-Tor bleiben
von Dennis Bayer
Kaua Santos zum Alleinschuldigen der Eintracht-Niederlage gegen Stuttgart zu machen, wäre unfair. Trotzdem hat der Keeper mit seinem dicken Patzer vor dem 1:1 und weiteren Unsicherheiten vor allem in der ersten Hälfte einen großen Anteil an der Pleite im Duell um die internationalen Plätze.
Aus meiner Sicht MUSS die Eintracht Kaua Santos aber weiter das Vertrauen aussprechen. Der 22-jährige Brasilianer hat bisher in seiner Eintracht-Karriere noch nie mehr als vier Spiele am Stück absolvieren können oder dürfen. Gerade bei jungen Torhütern sind Konstanz, regelmäßige Spielzeiten und unerschütterliches Vertrauen der Verantwortlichen aber wichtige Voraussetzungen für eine Entwicklung. Jeder junge Keeper hat zu Beginn seiner Bundesliga-Karriere Schwankungen und Fehler in seinem Spiel, die sich nur durch Einsatzzeit und Erfahrung abstellen lassen.
Als jüngstes Beispiel dient Noah Atubolu: Der Keeper des SC Freiburg war in seiner ersten Bundesligasaison auch alles andere als fehlerfrei und stand schnell in der Kritik. Jetzt, nur zweieinhalb Jahre später, zählt der 23-Jährige zu den Toptorhütern Deutschlands, steht in der Nationalmannschaft und weckt Interesse, unter anderem von Inter Mailand. Hätte es das tiefe Vertrauen der Freiburg-Bosse in Atubolus Potenzial nicht gegeben, wäre diese Entwicklung nie zustande gekommen.
Dasselbe gilt aus meiner Sicht auch für Kaua Santos. Das Potenzial des Brasilianers ist riesig. Zudem hat Santos mit Jan Zimmermann einen der besten Torwarttrainer Deutschlands an seiner Seite, um dieses Potenzial herauszukitzeln. Vor allem in der zweiten Halbzeit hat der 1,96m-Schlaks seine Qualitäten im Eins-gegen-eins unter Beweis gestellt und gezeigt, was er zu leisten im Stande ist. Damit er das in Zukunft auch konstant auf den Platz bringen kann, muss Santos weiterhin spielen - auch wenn die Eintracht dann in den nächsten Monaten noch mit dem ein oder anderen Bock rechnen muss.
CONTRA: Frankfurt braucht Zetterers Erfahrung
von Thorsten Mesch
Für Frankfurt steht viel auf dem Spiel. Die Eintracht will auch in der kommenden Saison international mitmischen. Mindestens in der Europa League, am besten wieder in der Champions League. Doch diese Ziele werden durch Fehler wie die von Santos gefährdet.
Natürlich ist der Torhüter nicht allein verantwortlich, aber ein erfahrenerer Schlussmann könnte hinter einer verunsicherten Abwehr für mehr Ruhe sorgen. Michael Zetterer ist acht Jahre älter als Santos und hat nachgewiesen, dass er auf höchster Ebene bestehen kann.
Zetterer hat 74 Bundesligaspiele, fünf Partien in der Champions League sowie 32 Einsätze in der niederländischen Eredivisie absolviert. Er kann der Frankfurter Hintermannschaft mehr Sicherheit geben als Santos (15 Spiele in der Bundesliga, eins in der Champions League und fünf in der Europa League).
In den elf Bundesligaspielen mit Zetterer holte Frankfurt im Schnitt 1,9 Punkte, in den sechs Partien mit Santos waren es nur 0,8 Zähler.
Als Argument für Zetterers Rückkehr dient auch das Beispiel von Marvin Schwäbe. Der 30-Jährige war beim 1. FC Köln vor der vergangenen Zweitligasaison auf die Bank gesetzt worden, weil die Rheinländer auf Jonas Urbig setzten. Als der acht Jahre jüngere Urbig immer mehr Unsicherheiten zeigte, reagierte der damalige Trainer Gerhard Struber und stellte Schwäbe wieder zwischen die Pfosten.
Auch dank Schwäbes Leistungen stiegen die Kölner auf, der Torwart wurde vor der aktuellen Saison sogar zum Kapitän befördert und ist einer der stabilsten Keeper der Bundesliga.
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