Fussball News: Die Liste der Nachfolger von Lionel Messi

Vergleich als Last: Die wechselhaften Karrieren der "neuen Messis"

Von Robin Schmidt

Image: Takefusa Kubo wurde in Barcelonas Nachwuchsschmiede ''La Masia'' ausgebildet.

Die Liste ist lang: In den vergangenen Jahren wurden weltweit etliche Supertalente als legitimer Nachfolger von Lionel Messi gefeiert. Was ist aus den großen Versprechungen geworden? Sky Sport wirft einen Blick auf die wechselhaften Karrieren der "neuen Messis".

Rund um Lionel Messi hat sich ein Phänomen entwickelt. Ob Presse, Präsidenten oder Experten - sobald sich die Spielweise und Statur eines jungen Spielers dem fünfmaligen Weltfußballer ähnelt, werden Vergleiche mit dem Argentinier gezogen.

ZUM DURCHKLICKEN: Das ist aus den "neuen Messis" geworden

ALGERISCHER MESSI: Als dieser wird Said Benrahma in seiner Heimat bezeichnet. Der Flügelspieler wechselte im Winter 2021 für eine Ablöse von 27 Millionen Euro zu West Ham. Bei den Londonern zählt er zu den Stammspielern.
ALPEN-MESSI: Xherdan Shaqiri trug 2013 beim FC Bayern seinen Teil zum Gewinn des Triples bei, doch die Joker-Rolle genügte ihm nicht. Bei Inter wurde er nicht glücklich, nach drei Jahren bei Stoke ging es weiter zum FC Liverpool.
Mit den Reds gewann der Schweizer Nationalspieler 2019 die Champions League und 2020 die erste Meisterschaft seit 1990. Im Sommer folgte der Wechsel zu Lyon.
BALKAN-MESSI: An Alen Halilovic dürften vor allem die HSV-Fans keine guten Erinnerungen haben. 2016 verpflichteten die Hamburger den hoch veranlagten Kroaten für fünf Millionen Euro vom FC Barcelona ...
... doch nach zwei Jahren und nur sieben Spielen wurde das Missverständnis beendet. Für Halilovic ging es weiter zum AC Milan, für das er nur drei Spiele bestritt. Nach mehreren Leihstationen spielt der 25-Jährige aktuell in der 2. englischen Liga.
BASKEN-MESSI: Wer mit 16 Jahren sein erstes Profi-Tor erzielt, der weckt große Erwartungen. So geschehen bei Iker Muniain, dem viele Experten eine glanzvolle Karriere und mehr als die bislang nur zwei Länderspiele für Spanien prophezeiten.
Durch zwei Kreuzbandrisse (2015 und 2017) geriet die Karriere von Muniain allerdings ins Stocken. Immerhin hat er den Status als Vereinsikone von Athletic Bilbao, für das er über 400 Pflichtspiele bestritten hatte, sicher.
DEUTSCHER MESSI: Marko Marin wurde 2012 bei seinem Wechsel zum FC Chelsea von englischen Medien als "deutscher Messi" bezeichnet. Gerecht werden konnte der Ex-Nationalspieler dieser großen Erwartungshaltung allerdings nie.
Für die Blues machte der 1,70 Meter kleine Dribbelkünstler in vier Jahren nur 16 Spiele, wurde ein ums andere Mal verliehen. Nach zehn (!) Stationen in insgesamt neun Ländern ist er aktuell vereinslos.
ENGLISCHER MESSI: 2015 wechselte Patrick Roberts für über sieben Millionen Euro zu Manchester City und war damit zu dem Zeitpunkt der teuerste 18-Jährige der Klubgeschichte. Ausgezahlt hat sich das Investment bislang noch nicht ...
Roberts spielte in der Premier League nur vier Minuten im City-Trikot. Insgesamt wurde er sieben Mal verliehen (u.a. an Celtic, Girona und Norwich). Sein Vertrag bei City läuft noch bis 2022.
GRIECHISCHER MESSI: Ioannis Fetfatzidis begann seine Karriere bei Olympiakos Piräus und wurde mit dem Verein mehrfach Meister und Pokalsieger. 2013 wechselte er zum CFC Genua, doch der große internationale Durchbruch blieb ihm verwehrt.
Nach drei Jahren bei Al-Ahli in Saudi-Arabien kehrte Fetfatzidis 2018 zu Olympiakos zurück. Mittlerweile verdient der 30-jährige Nationalspieler sein Geld in Katar bei Al-Khor.
ISRAELISCHER MESSI: Gai Assulin (r.) durchlief die Barca-Jugend, unterschrieb im Alter von 16 Jahren einen Profi-Vertrag und feierte wenig später im Pokal sein Debüt bei den Katalanen. Es sollte sein einziger Einsatz bleiben ...
Assulin wechselte 2010 nach England, doch für Manchester City absolvierte er kein einziges Profispiel. Es folgte eine erfolglose Odyssee durch Spanien.
Derzeit steht der 30-Jährige in der italienischen vierten Liga unter Vertrag. Zu den Vergleichen mit Messi sagt Israels jüngster Nationalspieler der Historie rückblickend: ''Sie haben meiner Entwicklung sicherlich nicht gut getan.''
ITALIENISCHER MESSI: Mit 15 Jahren feierte Pietro Pellegri sein Debüt in der Serie A. "Wir haben den neuen Messi", frohlockte Genuas Präsident. Mit 16 Jahren folgte sein erstes Profi-Tor, mit 17 wechselte er für 21 Millionen Euro nach Monaco.
Für die Monegassen bestritt er - vor allem aufgrund langwieriger Verletzungen - in drei Jahren nur 23 Pflichtspiele. Aktuell ist der 20-Jährige an den AC Milan ausgeliehen.
JAPANISCHER MESSI: Zwischen 2011 und 2015 spielte Takefusa Kubo in der Jugend beim FC Barcelona. Daher auch der Spitzname. Weil Barca aber gegen Transferregeln für minderjährige Spieler verstieß, musste Kubo zurück in seine Heimat.
In Japan reifte der 20-Jährige zum Profi und spielt mittlerweile auch wieder in Spanien - ausgerechnet bei Real Madrid! Derzeit ist er an RCD Mallorca ausgeliehen.
KATALANISCHER MESSI: Zwischen 2007 und 2011 lief Bojan Krkic 109 Mal an der Seite von Messi beim FC Barcelona auf. Mit dem Superstar feierte er zwei Triumphe in der Champions League. Nach seinem Wechsel zur AS Rom ging es dann aber bergab ...
Der Stürmer fasste weder beim AC Milan noch bei Ajax oder Stoke so richtig Fuß, 2017 spielte er auch ein halbes Jahr für Mainz (elf Spiele, ein Tor). Aktuell spielt er in Japan bei Vissel Kobe.
Die Vergleiche mit Messi waren für Krkic nicht förderlich. ''Am Ende kenne ich meine Qualitäten und ich weiß, dass ich kein Messi bin. Ich bin Bojan. Wenn die Leute sagen: 'Dieser Typ war nicht der neue Messi' - ja, ich war nicht der neue Messi.''
KIWI-MESSI: Von 2013 bis 2016 stand der 1,68 Meter kleine Rechtsaußen Marco Rojas beim VfB Stuttgart unter Vertrag, kam aber nie bei den Profis zum Einsatz. In Fürth bestritt der Neuseeländer drei Zweitliga-Partien, derzeit spielt er in Melbourne.
MAROKKANISCHER MESSI: Hachim Mastour sorgte mit Youtube-Videos für Aufsehen und sollte beim AC Milan zum Superstar aufsteigen. Nach fünf Jahren ohne Profi-Einsatz endete jedoch die Beziehung. Heute ist der 23-Jährige ohne Verein,
MEXIKANISCHER MESSI: Geschichte hat Luka Romero schon geschrieben. Im Juni 2020 avancierte der Mittelfeldspieler mit 15 Jahren, 7 Monaten und sechs Tagen zum bisher jüngsten Spieler der spanischen Liga-Geschichte.
Die heimischen Medien feierte ihn prompt als ''mexikanischen Messi''. Im Sommer folgte der Wechsel nach Italien zu Lazio Rom.
PARAGUAYISCHER MESSI: Juan Iturbe wurde wegen seiner Spielweise früh mit Messi vergleichen. Bei seinen zahlreichen Stationen in Europa (u.a. Porto und AS Rom) blieb ihm der Durchbruch zum Star verwehrt. Aktuell spielt er bei Aris Saloniki.
RUMÄNISCHER MESSI: Gabriel Torje erhielt den Spitznamen in seiner Heimat aufgrund seiner Spielweise und Statur (1,68 Meter). Nach seinem Wechsel 2011 zu Udinese spielte er für neun Vereine. Heute spielt er bei Dinamo Bukarest.
SCHOTTISCHER MESSI: Ryan Gauld war die große Hoffnung der ''Bravehearts'', bereits mit 18 Jahren verließ er seine Heimat und wechselte zu Sporting. Dort blieb ihm der Durchbruch verwehrt, im Sommer wechselte er in die MLS zu Vancouver.
SÜDKOREANISCHER MESSI: Lee Seung-woo wurde 2011 vom FC Barcelona entdeckt und durchlief dort die Nachwuchsabteilung. Nach nur einem Einsatz für die Reserve wechselte er 2017 zu Hellas Verona. Aktuell spielt der 23-Jährige in Belgien für St. Truiden.
TSCHECHISCHER MESSI: So wurde Vaclar Pilar von seinen Landsleuten genannt. Nach einer starken EM 2012 wechselte er zu Wolfsburg, wo er aber nicht zum Einsatz kam. Auch für Freiburg lief er nur neun Mal auf. Heute spielt der 32-Jährige für Jablonec.
TÜRKISCHER MESSI: Emre Mor sorgte bei der EM 2016 mit seinen Dribblings für Furore und sollte dann bei Borussia Dortmund durchstarten. Doch der BVB verlor nach nur einem Jahr die Geduld und verkaufte ihn für 13 Millionen Euro an Celta Vigo.
In Spanien nahm der Abstieg des einst gehypten Talentes zunächst seinen Lauf. Der Mittelfeldspieler wurde mehrmals suspendiert und zwei Mal verliehen (an Galatasaray und Piräus). Aktuell an Karagümrük verliehen.
UKRAINISCHER MESSI: Yevhen Konoplyanka absolvierte 78 Spiele für Schalke 04 (13 Tore), doch die Qualitäten eines Lionel Messi ließ er nur selten aufblitzen. Mittlerweile spielt er wieder in seiner Heimat für Donezk.

Das Ergebnis: Mittlerweile gibt es fast in jedem Land einen Messi. Vom "Alpen-Messi" über den "Balkan-Messi" bis hin zum "schottischen Messi". Deutschland wird vertreten von Marko Marin, der von der englischen Presse bei seinem Wechsel zum FC Chelsea als "German Messi" deklariert wurde.

Während der Ex-Nationalspieler den Spitznamen als Kompliment auffasste, wurden viele Talente durch den Messi-Vergleich in ihrer Entwicklung beeinträchtigt. Einige konnten den hohen Erwartungen nicht ansatzweise gerecht werden und erlebten abenteuerliche Leih-Odysseen.

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