Bei der Weltmeisterschaft 2014 geht der Stern des James Rodriguez auf. Trotzdem befindet sich seine Karriere nur einige Jahre später in einer kontinuierlichen Talfahrt. Bei der Copa America kann der feinfühlige Linksfuß nun plötzlich wieder überzeugen.
Es ist der 28. Juni 2014, als ein neuer Stern am Fußballhimmel aufgeht. Im Achtelfinalspiel der Weltmeisterschaft zwischen Kolumbien und Uruguay nimmt ein international eher unbekannter 22-Jähriger den Ball mit der Brust an und schließt mit links direkt ab und trifft in den Winkel.
Der Edeltechniker mit dem Gesicht eines Jugendlichen heißt James Rodriguez und ist auf einen Schlag weltberühmt. Er gewinnt mit fünf Treffern den goldenen Schuh des Turniers, sein Treffer gegen Uruguay sichert ihm den Puskas Award als schönstes Tor des Jahres.
James setzt sich bei Real nicht durch
Es folgt der Wechselt zum Weltverein schlechthin: Real Madrid. Doch bei den Königlichen kann er sich nicht dauerhaft durchsetzen, kommt im Mittelfeld am Trio Casemiro, Kroos und Modric nicht vorbei. Auch eine zweijährige Leihe zu Bayern München hilft nicht.
In einem Interview mit Globo Esporte offenbart er über seine Zeit beim deutschen Rekordmeister: "Es gab Tage, da bin ich um 9 Uhr morgens in die Arbeit gegangen und es waren -28 Grad. Da habe ich mich gefragt: 'Was mache ich eigentlich hier?'".
Bayern zieht Kaufoption nicht
Auch die Münchner sind nicht zufrieden, ziehen die Kaufoption nicht. Es geht zurück nach Madrid, wo aber kein Platz mehr ist für den Freigeist. Sein Förderer Carlo Ancelotti, unter dem er bei Real und Bayern seine besten Spiele machte, holt ihn in die Premier League zum FC Everton. Doch auch bei den Toffees holen ihn bekannte Probleme ein. "Er hat sich im Training nie bemüht, aber immer Ansprüche auf einen Startelfplatz gestellt", erklärte Ancelotti-Nachfolger Rafael Benitez einmal in einem Interview.
Im Alter von lediglich 30 Jahren landet der Linksfuß dann für ein Jahr bei Al-Rayyan SC in Katar. Glücklich wird er dort nicht. James äußert sich bei Globo Esporte im Nachgang schockiert über seine Zeit im Wüstenstaat: "In Deutschland sind alle Fußballer beim Duschen nackt, aber die Teamkollegen in Katar sagten mir: 'So darfst du das nicht machen'. Ich hatte Angst".
Er zieht weiter nach Griechenland zu Olympiakos Piräus, aber ein gutes halbes Jahr später ist James vereinslos und steht vor dem Karriereende, ehe er beim FC Sao Paulo in Brasilien unterkommt. Aber auch hier dauert es nicht lange, bis der Haussegen schief hängt. Übergewicht, eine Abkehr auf eigenen Wunsch, dann die Kehrtwende: Nach Entschuldigung darf der mittlerweile 32-Jährige nun doch bleiben.
Ein Phönix aus der Asche?
Nun die unerwartete Renaissance des gefallenen Zauberfußes bei bei der Copa America 2024. James ist völlig transformiert: Sechs Vorlagen leistete er schon - Rekord bei der Copa. Bisher hat das mit Pele bei der WM 1970 überhaupt nur ein Südamerikaner bei einem Großturnier geschafft.
Der Kapitän wird in vier von fünf Partien Kolumbiens als Spieler des Spiels ausgezeichnet. Das ungebrochene Vertrauen der Mannschaft und vor allem von Trainer Nestor Lorenzo haben den Zauberer offenbar wiederbelebt.
Krönung gegen Argentinien?
Doch James Rodriguez ist noch nicht am Ende. Der Zauberfuß will in der Nacht von Sonntag auf Montag im Finale gegen Weltmeister Argentinien um Lionel Messi seinen ersten Titel mit seinem Heimatland holen. Seit 28 Spielen ist Kolumbien ungeschlagen - zuletzt unterlag man im Februar 2022 - gegen Argentinien.
Sollte es dieses Mal besser laufen, würden Fans beim Namen James Rodriguez vielleicht endlich nicht mehr zuerst an den 28. Juni 2014 denken, als ein neuer Stern am Fußballhimmel aufging...
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