Der kurze Ausfall von Marco Reus entpuppt sich als große Chance für Borussia Dortmund. Durch den neuen Platz im Mittelfeld kann der BVB mit Julian Brandt aus der Not eine Tugend machen.
Auch wenn beim knappen 2:1-Pokalsieg gegen Borussia Mönchengladbach noch Luft nach oben war: Der Auftritt von Reus-Ersatz Brandt macht Lust auf mehr. Der Neuzugang nutzte die Chance erstmals wieder auf seiner Paradeposition im Zentrum spielen zu dürfen und bedankte sich für das Vertrauen von Coach Lucien Favre mit zwei Treffern.
Zuletzt spielte der Ex-Leverkusener mehrfach auf dem linken Flügel oder als alleinige Sturmspitze, wo er sein Potenzial nicht voll ausschöpfen konnte. Der 23-Jährige wurde als Angreifer oft allein gelassen. Stärken wie Übersicht und präzises Passspiel konnten nicht richtig zur Geltung kommen.
Als "Spielmacher" könnte der deutsche Nationalspieler wieder an seine vergangene Saison bei Bayer anknüpfen und nach einem durchwachsenen Start so zu einem echten Leistungsträger bei den Schwarz-Gelben aufsteigen.
Favre lobt "cleveren" Brandt
Gegen Gladbach hat Brandt den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. "Er hat zwar hoch gespielt, aber mehr im Mittelfeld, als im Sturm. Dort hat er eine sehr gute Leistung gebracht - ist viel gelaufen und hat beide Tore gemacht", lobte auch der Trainer auf der Pressekonferenz vor der Partie gegen den VfL Wolfsburg (am Samstag ab 15:15 Uhr live auf Sky Sport Bundesliga 3 HD und mit Sky Ticket im Stream).
Mit 39 Pässen in der gegnerischen Hälfte, von denen 84,6 Prozent einen Abnehmer fanden, war der Kreativkopf der mit Abstand auffälligste Mann in der BVB-Offensive. Neben seiner Funktion als Spieleröffner sorgte Brandt mit seinem Doppelpack zudem dafür, dass die Dortmunder im DFB-Pokal ins Achtelfinale eingezogen sind. Auch defensiv nahm der Mittelfeldakteur mehr Einfluss ins Spiel und half in der Arbeit nach hinten "clever mit", wie Favre meint.
Konkurrenzkampf wird zur Systemfrage
Gegen Wolfsburg kann Brandt seine Stärken wohl noch einmal ausspielen, ehe der derzeit erkrankte Reus dann im Champions-League-Rückspiel gegen Inter Mailand sein Comeback feiern könnte. Doch wohin dann mit Brandt? Kapitän Reus ist als Zehner gesetzt und dürfte selbst bei einer weiteren Show seines Teamkollegen nicht das Nachsehen haben. Denkbar wäre eine offensive Doppelzentrale mit beiden Profis.
Dieses System kennt Brandt bereits aus seiner Zeit bei der Werkself. Dort spielte er zusammen mit Kai Havertz den Antreiber. Damit würde der BVB allerdings ein höheres Risiko fahren, als dem Trainer lieb ist. Dieser müsste dann nämlich auf einen der Sechser - namentlich Axel Witsel oder Thomas Delaney - verzichten.
Mehr Brandt-Vertrauen kann Reus entlasten
Ein Luxusproblem, dass erstmals zeigt, dass die Verpflichtung von Brandt ein gelungener Schachzug der Vereinsführung um Kaderplaner Michael Zorc war. Die wahrscheinlichste Option bleibt allerdings, dass der 23-Jährige wieder als Allrounder auf dem Flügel oder in der Spitze aushelfen muss.
Eine Situation, die vor allem dem Spieler selbst auf Dauer nicht gefallen dürfte. Doch sollten die Borussen in allen drei Wettbewerben länger dabei bleiben, könnten die Einsatzzeiten auf seiner Lieblingsposition steigen - auch um dem verletzungsanfälligen Reus ein wenig Last von den Schultern zu nehmen.
Dies würde die Aufgabe für Taktikfuchs Favre sicher leichter machen.