Nach WM-Debakel: Daum nimmt sich Löw und Özil zur Brust
Ex-Bundesliga-Coach äußert sich zum WM-Aus des DFB
06.07.2018 | 12:05 Uhr
Im exklusiven Sky Interview blickt der ehemalige Bundesliga-Trainer Christoph Daum auf das frühzeitige Ausscheiden der DFB-Elf zurück. Dabei spart er nicht an Kritik. Besonders Bundestrainer Joachim Löw und Spielmacher Mesut Özil stehen dabei im Fokus.
Die Fehlerkette, die für das vorzeitige Ausscheiden Deutschland bei der WM sorgte, ist lang. Geht es nach Daum, wurde der grundlegendste Fehler bereits vor dem Turnier mit der Nominierung von Manuel Neuer gemacht.
"Dadurch wurde das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt", sagt Daum exklusiv gegenüber Sky. "Spieler, die das ganze Jahr tolle Leistungen gezeigt haben und auch Anrecht gehabt hätten bei der WM mit dabei zu sein, mussten sehen, dass für einen Spieler, der neun Monate keine Wettkampfpraxis hat, egal ob der jetzt körperlich fit ist oder nicht, der letzte Platz freigehalten wird", erklärt der 64-Jährige.
"Dann fragst du dich als Spieler ja auch, was soll ich eigentlich im Training bringen, um die Etablierten unter Druck zu setzen, bringt ja sowieso nichts. Die etablierten Spieler werden ja sowieso spielen. So eine Aussetzung des Leitungsprinzips war schon ein elementarer Fehler", erklärt Daum.
Kritik an Özil wegen verpassten Medientag
Ein weiterer Punkt, der Daum unangenehm aufstößt, ist das Fehlen von Özil beim Medientag vor dem Start der Gruppenphase. "Wie geht es, dass die ganze Mannschaft einen Medientag hat und ein Spieler hat das Recht an diesen Medientag nicht teilzunehmen?"
Gerade solche Aktionen hätten doch dazu geführt, dass "nie das Gefühl einer Einheit" aufkommt. Daum hatte den Eindruck, dass es eine Spaltung des Teams in zwei Lager gegeben hat. Auf der einen Seite die Weltmeister, die Erfahrenen, und auf der anderen Seite die Jüngeren, die nicht dabei unterstützt worden seien, die Etablierten unter Druck zu setzen.
Veränderungen müssen bei Löw beginnen
Insgesamt gibt es zahlreiche Gründe, weshalb das deutsche Team zum ersten Mal in seiner Geschichte bei einer Weltmeisterschaft nach der Vorrunde die Koffer packen musste. Diese müssen nun alle nach und nach aufgearbeitet werden, Veränderungen sind erforderlich.
Laut Daum müssen diese bei jedem Einzelnen beginnen. "Das heißt derjenige, der sich immer zuerst am meisten zu verändern hat, ist der Bundestrainer. Du kannst nicht immer die Veränderungen von anderen, deinem Umfeld einfordern, von deinem Umfeld einfordern, aber selbst änderst du grundsätzlich nichts", fordert der Ex-National-Coach Rumäniens.
"Diese Diskussion musste der Bundestrainer mit sich selber führen, mit dem Ergebnis, dass er jetzt seinen Vertrag bis 2022 erfüllt." Allerdings schiebt Daum hinterher: "Für mich ist das eine Situation, die ich mir in einem Verein nicht vorstellen kann."