Kimmichs bemerkenswertes Sane-Plädoyer
Leroy Sane steht wieder einmal in der Kritik. Nach dem 7:1 gegen Curacao sieht Joshua Kimmich dafür jedoch keinen Anlass.
16.06.2026 | 23:20 Uhr
Der DFB-Kapitän stärkt seinem Teamkollegen auf bemerkenswerte Art und Weise den Rücken.
Aus dem WM-Quartier in Winston-Salem berichten Kerry Hau, Florian Plettenberg und Patrick Berger
Zehn Minuten später als ursprünglich geplant erschien Joshua Kimmich am Dienstagmorgen zur Pressekonferenz im Hörsaal der Wake Forest University. Das passt eigentlich gar nicht zu ihm, und sogar innerhalb der Mediencrew des DFB herrschte Verwunderung darüber, dass die vorgegebene Uhrzeit (10 Uhr) nicht eingehalten werden konnte.
Das Geheimnis lüftete dann Pressesprecherin Franziska Wülle nach dem Betreten des Podiums: Sie und Kimmich hatten sich auf der kurzen Strecke vom noblen Teamhotel "The Graylin Estate" Richtung Unigelände mit dem Fahrrad verfahren. Nach den zurückliegenden drei Wochen kein Wunder. Herzogenaurach. Frankfurt. Chicago. Winston-Salem. Houston. Und jetzt wieder Winston-Salem. Die bisherige WM-Reiseroute der DFB-Stars hatte es in sich.
Zwei freie Tage für DFB-Stars
Umso dankbarer waren sie, als Bundestrainer Julian Nagelsmann ihnen nach dem fulminanten 7:1-Schützenfest zum Start gegen Curacao - bis auf ein kleines Spielersatztraining am Montag - zwei freie Tage genehmigte. Nur Kimmich erhielt mit der Pressekonferenz am Dienstag einen kleinen "Arbeitsauftrag". Und sprach, nachdem er die anwesenden Medienschaffenden scherzhaft als Urlauber begrüßt hatte, Klartext. Wie es sich von einem Capitano gehört. Zu vielen unterschiedlichen Themen und Personalien. Er lobte den Bundestrainer, er schwärmte von den Shootingstars Nathaniel Brown und Felix Nmecha - und er gab auch offen zu, kein Problem mit den viel diskutierten "hydration breaks" zu haben.
Besonders bemerkenswert aber: Kimmichs Aussagen zu Leroy Sane, über den sich in Fußball-Deutschland zurzeit (wieder einmal) viele Menschen aufregen, weil er beim Tor-Festival gegen Curacao leer ausgegangen war und mehrere Riesen-Chancen vergeben hatte.
Kimmich verteidigt Sane
"Ich finde das nicht verständlich. Leroy war extrem engagiert. Speziell sein Umschaltverhalten. Er hat mich nie alleine gelassen und ist immer zurückgesprintet", sagte Kimmich über seinen Partner auf der rechten deutschen Seite. Der 31-Jährige fand zwar Verständnis für die öffentlich weit verbreitete Argumentation, ein Stürmer wie Sane werde in erster Linie an Scorern gemessen. Aber: "Wichtig ist, dass wir das intern als Mannschaft und mit dem Trainer nicht nur daran bemessen. Deswegen verstehe ich die Kritik nicht, speziell nach einem 7:1. Wenn ich auf die Körpersprache schauen, die ihm ja oft vorgeworfen wird, war das durchweg positiv."
Kimmich weiter: "Auch wenn ich sehe, wie sich Leroy freut. Er ist immer der Erste, der sich freut und hat immer großes Vertrauen in seine Mitspieler. Da reißt er oft schon vor einem Tor die Arme hoch. Für ihn ist immer das Wichtigste, dass seine Mannschaft gewinnt und nicht, dass er zwei Tore macht und glänzt. Er sieht das große Ganze! Deswegen finde ich aus Mannschaftssicht, dass er ein gutes Spiel gemacht hat."
Ein klares Plädoyer, das vielleicht nicht alle in Fußball-Deutschland teilen, aber zeigt: Die Mannschaft funktioniert und hält zusammen. Auch dank eines Kapitäns, der rund ums deutsche WM-Quartier in Winston-Salem zwar (noch) leichte Orientierungsschwierigkeiten hat, aber auf und neben dem Platz die richtige Richtung vorgibt.
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