Schluss mit den WM-Geschenken! Nagelsmann muss auf die Richtigen setzen

Es wirkte vogelwild, was die deutsche Mannschaft in der Schlussphase gegen Ecuador auf dem Platz zeigte. Pascal Groß sprintete plötzlich an der rechten Eckfahne entlang, Maximilian Beier irrte irgendwo durchs Zentrum und Malick Thiaw verteidigte auf der rechten Seite.

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Die deutsche Nationalmannschaft zeigte gegen Ecuador keine überzeugende Leistung. Folgen daher Veränderungen in der Startelf gegen Paraguay?

Der konfuse Eindruck, den das DFB-Team in New Jersey hinterließ, war auch auf die fragwürdigen Einwechslungen von Julian Nagelsmann zurückzuführen.

Groß statt Leon Goretzka, Thiaw statt Waldemar Anton, Beier statt Jamie Leweling - für einen Moment verließ der Bundestrainer seine sonst so klare Rollenverteilung und brachte die Hierarchie innerhalb des Teams durcheinander.

Natürlich waren die Auswechslungen der Stammspieler nachvollziehbar. Joshua Kimmich, Kai Havertz, Felix Nmecha und Florian Wirtz wurden aus Gründen der Belastungssteuerung vom Feld genommen. Deutschland war bereits Gruppensieger, das Weiterkommen gesichert. Daran gibt es nichts auszusetzen.

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Da macht Manuel Neuer keine gute Figur: Der Ecuadorianer Plata spitzelt den Ball vor dem Bayern-Keeper ins Tor zum 2:1-Siegtreffer. In dieser Szene hat aber auch Jonathan Tah seinen Gegenspieler nicht im Griff.

Warum wich Nagelsmann bei den Wechseln so ab?

Doch bei den Einwechslungen hätte Nagelsmann konsequent bleiben müssen. Die Startelf ließ er unverändert, weil er den Flow der Mannschaft nicht unterbrechen wollte. Warum wich er dann bei den Wechseln plötzlich von diesem Prinzip ab? Statt Spieler zu bringen, die auch in den K.-o.-Spielen eine entscheidende Rolle spielen sollen, verteilte er Loyalitäts- und Bonusminuten.

Mit den WM-Geschenken muss jetzt Schluss sein!

Das Spiel gegen Ecuador (1:2) hätte mit den richtigen Einwechslungen vielleicht noch gedreht werden können. Vor allem aber hätte die Mannschaft mit einem besseren Grundgefühl in das Sechzehntelfinale gegen Paraguay gehen können.

Bitte nicht falsch verstehen: Thiaw, Groß, Beier oder Angelo Stiller haben sich ihre WM-Nominierung und auch Einsatzminuten allesamt verdient. Es geht nicht um ihre Qualität. Es geht um die Hierarchie innerhalb dieses Kaders. Und in dieser stehen andere Spieler vor ihnen.

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DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus analysiert die Gruppenphase der deutschen Mannschaft bei der FIFA WM 2026. Er hofft auf Verbesserungen im anstehenden Sechzehntelfinale und appelliert an Bundestrainer Julian Nagelsmann.

Warum also kein Goretzka, um sich gegen die körperlich starken Paraguayer Spielpraxis und Rhythmus zu holen? Warum kein Anton, der bei Borussia Dortmund als Leader vorangeht und zudem die rechte Abwehrseite bekleiden kann? Warum kein Leweling, der torgefährlich und robust zugleich ist? Warum kein Nick Woltemade, der Deutschland mit vier Toren und einer Vorlage überhaupt erst zur Weltmeisterschaft geschossen hat?

Wechsel auch intern unter den Spielern ein Tuschel-Thema

Die Wechsel waren deshalb auch intern unter den Spielern ein Tuschel-Thema. Auf konkrete Nachfrage konnte selbst Rudi Völler mir Nagelsmanns Entscheidungen nicht erklären. "Es gibt sicherlich Gründe, dazu muss man aber Julian fragen", sagte der DFB-Sportdirektor.

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Leon Goretzka wurde schnell stutzig. Mit einem Becher in der Hand war der Nationalspieler über den Parkplatz des WM-Stadions in East Rutherford gelaufen, er wollte nur in den Bus und weg - aber er brauchte zwei Anläufe.

Am Ende gab es nach dem Ecuador-Match nur Verlierer: Die Edel-Reservisten, die sich übergangen fühlten. Die Eingewechselten, die als Teil einer konfusen Niederlagen-Elf kaum Selbstvertrauen tanken konnten. Und eine Mannschaft, die ihre Ordnung verlor.

Am Montag beginnt die K.-o.-Phase. Jetzt darf es keine WM-Geschenke und keine Treuepunkte mehr geben.
Nagelsmann muss sich wieder auf das besinnen, was ihn zuletzt ausgezeichnet hat: klare Rollen, eine klare Hierarchie - und die richtigen Entscheidungen. Auch von der Bank.

Mehr zum Autor Patrick Berger

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