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Kretzschmar: Die kommenden Wochen sind eine Willensfrage

Die Handball-Kolumne

von Stefan Kretzschmar

25.05.2018 | 12:07 Uhr

Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs
Image: Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs © Sky

Sky Experte Stefan Kretzschmar beleuchtet in seiner Kolumne jede Woche die wichtigsten Themen aus der Welt des Handballs. Dieses Mal geht's um die neue Spannung im Kampf um die Meisterschaft und die Rivalität im Osten.

25:25 - die Löwen lassen tatsächlich einen Punkt beim HC Erlangen liegen! Weil Flensburg zuvor die Nerven behält und knapp gegen Minden gewinnt, ist die Meisterschaft also tatsächlich nochmal spannender geworden.

Punkt für die Löwen glücklich

Von einem richtigen Ausrutscher möchte ich aber nicht sprechen. Das fände ich zu despektierlich gegenüber der Erlanger Leistung: Sie haben über 60 Minuten sehr konzentriert, emotional und taktisch diszipliniert gespielt. Für mich war das die beste Saisonleistung dieses Teams. Deswegen hatten die Löwen ernsthaft Probleme. Ich würde nicht sagen, dass die Löwen arrogant gespielt hätten, zu leichtsinnig rangegangen wären oder nicht konzentriert gewesen wären.

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HC Erlangen - Rhein-Neckar Löwen - alle Highlights im VIDEO

Für mich ist der Punkt für die Löwen am Ende trotzdem glücklich. Klar, in der letzten Minute war noch alles möglich und auch die Schiedsrichter haben eine gewisse Rolle gespielt. Nikolaj Jacobsen war nicht ganz glücklich mit den letzten Entscheidungen, aber ich habe keine Benachteiligung des Meisters gesehen.

Löwen im Endspurt mit Heimvorteil

Trotz dieses kleinen Rückschlags haben es die Löwen weiter in der Hand. Sie haben noch drei Spiele, und können aus eigener Kraft deutscher Meister werden. Das Problem für Verfolger Flensburg ist, dass es drei Heimspiele für die Mannheimer sind. Da haben die Löwen in der bisherigen Saison noch gar nichts anbrennen lassen. Der nächste Gegner Melsungen hat eine unangenehme Mannschaft und verfügt über die Qualität, Andy Schmid und Co. das Leben schwer zu machen.

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Die entscheidende Frage der letzten Wochen wird sein, wie sehr sich die Teams, für die es um nichts mehr geht, noch reinschmeißen, um die anderen zu ärgern. Ihr wisst es ja selbst, wir haben zum Ende der Bundesliga-Saison immer wieder die kuriosesten Ergebnisse. Teilweise gibt es Siege mit 20 Toren Vorsprung, bei denen man sich fragt: Wie geht sowas? Das ist in den letzten Wochen einer Saison eine Willensfrage.

Es könnte den Dino erwischen

Vom Zittern der Top-Teams möchte ich nicht sprechen. Aber man merkt, dass es jetzt an's Eingemachte geht. Vor allem die Champions-League-Teilnehmer laufen auf dem Zahnfleisch. Wer jetzt die letzten Kraftreserven mobilisiert und unbändigen Willen zeigt, der erfüllt seine Saisonziele. Das gilt oben in der Tabelle wie unten.

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Denn auch hier hat sich einiges getan: Lübbecke gewinnt mit einem Tor Unterschied in Gummersbach. Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich dachte, der VfL erkennt den Ernst der Lage und gewinnt. So aber hat Lübbecke auf einmal bessere Karten als der Altmeister. Hüttenberg gegen Gummersbach wird also das nächste Schicksalsspiel! Der TVH ist heimstark, ich traue ihnen durchaus zu, dass sie die Partie gewinnen. Dann hat der VfL ein massives Problem - es könnte den Dino tatsächlich erwischen!

Es wird extrem spannend - ich hoffe nur, dass auch die Konkurrenten der Abstiegskandidaten sich nichts nachsagen lassen wollen, und sich in jedes Spiel voll reinschmeißen, auch wenn es für sie um nichts mehr geht.

Magdeburg vs. Berlin wie Schalke vs. BVB

Um eine Menge ging es am Wochenende in Magdeburg, wo das Final4 des EHF-Cups ausgespielt wurde. Glückwunsch an die Füchse Berlin! Hut ab, wie Velimir Petkovic mit dieser Rumpftruppe den Pokal geholt hat. Mit derart wenig Wechselmöglichkeiten haben sich die Füchse toll durchgekämpft und im Endspiel St. Raphael aus Frankreich besiegt.

Füchse holen zum zweiten Mal den EHF-Cup

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Im Hexenkessel von Magdeburg haben sich die Füchse Berlin dank einer glänzenden Vorstellung beim Final Four den Sieg im EHF-Cup gesichert.

Geschichte dieses Final4s war sicher auch die Rivalität zwischen Gastgeber Magdeburg und Berlin. Die Füchse haben sich ja darüber aufgeregt, dass das Magdeburger Publikum nicht für sie geklatscht hat im Finale. Das ist bei der Rivalität aber doch klar! Es gibt im Osten keine größere Rivalität als die zwischen Magdeburg und Berlin. Das ist so wie Schalke und Dortmund im Fußball.

Der Sport lebt von Rivalität

Sind wir mal ehrlich: Wenn das Champions-League-Finale im Fußball in Gelsenkirchen ausgetragen werden würde, und da spielt Dortmund gegen Juventus Turin. Dann möchte ich mal sehen, welcher Schalker mit Eintrittskarte dort Borussia Dortmund anfeuert. Patriotismus hin oder her - bei der Rivalität kann kein Berliner erwarten, dass ein SCM-Fan die Füchse anfeuert. Auch die Berliner haben ja im Halbfinale für die Franzosen geklatscht.

Auch darüber, dass die Füchse-Spieler dann nach Abpfiff mit Pokalsieger-Shirts mit der Aufschrift "Wer regiert hier?" gefeiert haben, darf sich niemand beschweren. Ich nenne das gesunde Rivalität. Davon lebt der Sport, und das ist doch auch geil! Die Füchse sollen ihren Pokal feiern, denn das haben sie sich verdient.

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